Highlights der Ifa

Was die nächste Generation Fernseher alles kann

Fernsehbildschirme bieten künftig höchste Realitätsnähe. Einige Vorläufer-Modelle werden bei der Ifa in Berlin vorgestellt

Bei den Olympischen Spielen in London ging es nicht nur um schneller, höher, weiter. Sondern auch um größer und feiner – um Rekorde bei den Pixeln der Fernsehbilder nämlich. Hochauflösend war gestern, die TV-Zukunft wird höchstauflösend.

Bereits seit 1995 entwickelt die japanische Fernsehanstalt NHK das Nachfolgesystem für die heutige hochauflösende Hi-Vision-Technik. Die soll nicht mehr mit 1920 Pixel x 1080 Zeilen daherkommen, sondern mit 7680 x 4320 – also 16 Mal mehr Bildpunkte als beim heutigen HDTV. Für große Displays und kurze Betrachtungsabstände sind deutlich höhere Auflösungen nötig, als es die heutige HD-Technik erlaubt. Bei Super Hi-Vision sind aus einer Distanz von der 0,75-fachen Bildhöhe – also sehr nah am Bildschirm – weder Pixel noch Zeilen zu erkennen. Das ermöglicht höchste Realitätsnähe.

Aufgrund des geringen Abstandes zum Bildschirm wird der horizontale Betrachtungswinkel mit 100 Grad extrem weit. Beim HDTV sind es nur 30 Grad und beim Standardfernsehen – bei einer Betrachtungsdistanz von der siebenfachen Bildhöhe – gerade einmal 10 Grad. Das war eben Guckkasten-TV. Die ersten TV-Superbilder gab es jetzt als Kinoprojektion. Bei den Olympischen Spielen wurde Fernsehen in der neuen Qualität von NHK und BBC per Superprojektion in einigen Kinos angeboten – unter anderen im Radio Theatre des Londoner BBC Broadcasting House. Da sind dann plötzlich die besten Plätze in der ersten Reihe. So ändern sich die Zeiten. „Es ist so, als wären sie vor Ort“, schwärmte die BBC. Die Eröffnungs- und die Abschlussfeier sowie optisch spektakuläre Sportarten (unter anderen Schwimmwettbewerbe, Basketball und Radrennen) wurden in Super Hi-Vision präsentiert. Der Zuspruch war gewaltig. Die Vorführungen waren ausgebucht.

Diagonale von 3,68 Metern

Doch es geht auch kleiner. So hat Panasonic zusammen mit NHK einige 145-Zoll-Plasma-Displays mit einer Diagonale von 3,68 Metern entwickelt. Auch hier geht es um 7680 x 4320 Pixel, also 16-faches HDTV. Die höchstaufgelösten Bilder wurden aus London auch nach Japan übertragen, wo in den Zentralen von NHK und Panasonic die neuen Geräte aufgestellt wurden. Dort konnten Zuschauer schon dieser Tage einen Vorgeschmack auf die Zukunft der TV-Technik erhalten.

Entwickelt werden sollen auch kleinere Plasmageräte, die gleichwohl die gleiche Pixelzahl bieten. Bei NHK denkt man an 80 bis 95 Zoll große Bildschirme. Plasmazellen lassen sich allerdings nicht beliebig klein machen. Daher sind hier die technischen Herausforderungen für die Hersteller besonders hoch. Von den Entwicklungsarbeiten wird am Ende jeder Zuschauer profitieren können. „Das ist wie bei der Formel 1 – auch da werden Komponenten für die Großserie genutzt“, erklärt Armando Romagnolo, General Manager bei Panasonic. Mit einem Display dieser Auflösung punktete Sharp bereits 2011 auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin (Ifa), und zwar mit einer Diagonale von 2,15 Meter (85 Zoll).

Ungefähr zwei Dutzend dieser Super-Displays dürften bislang produziert worden sein. Noch sind es hier und da nur kleine Gruppen, die in den Genuss von Super-TV-Bildern kommen. Doch in Japan soll der öffentliche Testbetrieb von Super Hi-Vision bereits 2015 oder 2016 beginnen. Ab 2020 oder spätestens bis 2025 soll er in den Regelbetrieb übergehen.

NHK steht keinesfalls allein auf weiter Flur mit der nächsten HDTV-Generation. Auch bei der Europäischen Rundfunkunion (EBU) stößt das „Super HDTV“ auf großes Interesse, auch wenn die in der EBU versammelten öffentlich-rechtlichen Broadcaster noch kein Einführungsszenario haben. Schließlich ist ja selbst HDTV längst noch nicht die Regel. Doch die Industrie möchte nicht so lange warten, bis sich der Rundfunk bewegt, sie will schon jetzt bessere Displays verkaufen und hat sich auf den Weg zur Auflösung von 3840 x 2160 Pixel (vierfaches HD) gemacht.

Hier gibt es gleich mehrere Anbieter, die LCDs oder auch Plasmas damit vorstellen, beispielsweise Sharp, Toshiba und Panasonic. Doch weil der Rundfunk nicht daran denkt, für derartige Displays in absehbarer Zeit seine Aufnahmetechnik umzustellen, müssen die Geräte aus den derzeitigen 1920 x 1080-Bildern die Zahl der Pixel und Zeilen verdoppeln. Sie werden zu 3840 x 2160-Bildern (4K) aufgebrezelt. Dass es da recht unterschiedliche Qualitäten gibt, wird man auf der Internationalen Funkausstellung vom 31. August bis 5. September in Berlin sehen können. Sharp wird dort seine Verbesserungstechnik „Integrated Cognitive Creation (ICC)“ bewerben, auch wenn in diesem Jahr noch nicht mit entsprechenden Geräten gerechnet werden kann. Anders Toshiba. Da gibt es bereits das Modell 55ZL2G mit 55 Zoll (1,40 Meter Diagonale) – für die vierfache Full-HD-Auflösung und brillenloses 3-D. Diese Technik wird zur Ifa erneut präsentiert, ehe es 2013 vermutlich ein größeres Display geben wird. Von Sony und Philips gibt es bereits Blu-ray-Player, die das Ausgangsbild auf 4K umsetzen.

Wenngleich sowohl bei LCDs als auch Plasma die Techniken längst noch weitere Entwicklungspotenziale enthalten, machen schon jetzt die OLED-Bildschirme (organische Leuchtdioden) als visuelles Nonplusultra von sich reden. Noch sind sie in Deutschland nicht angekommen, werden aber auf der Ifa ihre große Premiere haben. Vor allem sind es Samsung und LG, die mit großen 55-Zoll-Monitoren daherkommen und wohl noch zum Weihnachtsgeschäft in den Verkauf gehen. „Deutlich unter 10.000 Euro“ sollen sie kosten, erläutert Peter Koch, Produktmanager bei LG in Ratingen. Die eingesetzten Techniken sind indes unterschiedlich. Während Samsung rote, grüne und blaue OLEDs zu einem Pixel verheiratet, setzt LG auf vier weiße OLEDs mit Farbfiltern, genannt Color Refiner. LG sieht darin verschiedene Vorteile, so gleichmäßige Alterung der OLEDs, und noch geringere Leistungsaufnahme, da weiße Flächen nur durch weiße OLEDs erzeugt werden und nicht durch die Gesamtheit der RGB-OLEDs wie bei Samsung.

Ein Hauch von Monitor

In puncto Bildqualität darf man gespannt sein, wenn auf der Ifa beide Displaytechniken relativ dicht im Vergleich zu sehen sein werden. Eines aber ist bei beiden zu erwarten: Super dünne Panels, die ohne Backlight und daher mit deutlich weniger Energie auskommen sowie „bequem an die Wand zu nageln“ sind: So ist LG's OLED-Fernseher gerade mal vier Millimeter dünn, wiegt 10 Kilogramm und ist „selbstverständlich“ in der Lage, 3-D-Bilder wiederzugeben. Außerdem sind die Bilder sehr hell und kontrastreich, da jedes Pixel für sich allein leuchtet. In wenigen Jahren dürften auch die Preise deutlich günstiger werden. Für dieses Jahr rechnet das Marktforschungsinstitut iSuppli gerade mit 34.000 weltweit verkauften OLEDs, für 2015 schon mit 2,1 Millionen.

Sony und Panasonic haben sich für die OLED-Forschung und Produktion zu einem Joint Venture verbandelt und wollen gemeinsam OLEDs entwickeln und ab nächstem Jahr dann auch fertigen. OLEDs dürften sich auch für flexible Displays sehr gut eignen – doch auch hier ist für die Großserie noch kein Durchbruch in Sicht, besonders nicht bei höherauflösenden Techniken. Vor allem als elektronisches Papier stoßen derartige Techniken auf großes Interesse. Noch müssen die Biegeradien sehr groß sein. Klein und aufwickelbar bleibt noch eine Vision.

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