Drohung von Anonymous

Facebook rechnet nicht mit Hacker-Angriff

Das Hacker-Kollektiv Anonymous scheint derzeit an allen Fronten zu kämpfen: Nachdem die Aktivisten dem mexikanischen Verbrecherkartell „Los Zetas" den Krieg erklärt haben, wollen sie am Samstag Facebook lahmlegen. Das Unternehmen selbst bleibt jedoch gelassen.

Vor einem angedrohten Angriff auf Facebook hat das weltgrößte Online-Netzwerk betont gelassen auf die Aufrufe reagiert. „Wir erwarten einen möglichen Angriff von Anonymous genauso, wie wir andere Angriffe an jedem anderen Tag erwarten“, erklärte das Unternehmen in einem Facebook-Eintrag. „Aufgrund unserer Größe drohen uns die gleichen Gefahren, wie sie überall im Internet zu finden sind.“ Facebook habe geeignete Systeme aufgebaut, um sich allen Herausforderungen seiner Sicherheit zu stellen.

Der Aufruf von Unbekannten zu einer „Operation Facebook“ am 5. November wurde Anfang August im Internet veröffentlicht, im Namen der internationalen Hackergruppe Anonymous. Der Sprecher in dem Video begründete die Drohung damit, dass das Soziale Netzwerk die Privatsphäre seiner Mitglieder nicht respektiere. Das über YouTube verbreitete und mehrere hunderttausend Mal angesehene Video wurde in der Szene kontrovers diskutiert. Etliche Aktivisten von Anonymous distanzierten sich davon.

Ein DDoS-Angriff auf Facebook sei eine falsche Aktion, schrieb am Freitag der Betreiber des Twitter-Accounts @anonops . Bei einem DDoS-Angriff werden zahllose Computer zusammengeschlossen, um einen Web-Server so lange mit sinnlosen Datenanfragen zu überhäufen, bis dieser deswegen nicht mehr erreichbar ist.

Der Sicherheitsexperte Eddy Willems von der Bochumer Softwarefirma G Data sagte, zwar könne der Webauftritt eines großen Unternehmens schon mit etwa 1000 bis 2000 PCs gestört werden. „Bei geeigneten Vorkehrungen aber lassen sich die Datenpakete der Angreifer nach kurzer Zeit ausfiltern, so dass ein Angriff ins Leere läuft.“ Wenig wahrscheinlich sei ein erfolgreicher Angriff auf die Datenbanksysteme hinter den Web-Servern, sagte Willems. Sollte es den Hackern gelingen, die Internetseite des sozialen Netzwerkes zu manipulieren, wäre es Nutzern laut Willems nicht möglich, sich anzumelden.

Der 5. November ist der Jahrestag eines geplanten Sprengstoffanschlags auf das Parlament in London und auf den englischen König Jakob I. im Jahr 1605. Anführer der Verschwörer war der katholische Offizier Guy Fawkes, der daraufhin hingerichtet wurde. An das versuchte Attentat erinnert der englische Kinderreim: „Remember, remember the fifth of November“. Die Maske von Guy Fawkes aus einem 2005 gedrehten Film tragen Anonymous-Mitglieder bei öffentlichen Demonstrationen.

Anonymous trat erstmals 2008 mit Protestaktionen gegen die Organisation Scientology in Erscheinung. Die politische Hackerbewegung hat nach eigenen Angaben keine Führung, keine feste Organisation und keine Zentrale. Mitglieder und Sympathisanten, unter ihnen auch Aktivisten in Deutschland, verbinden sich ad hoc zu einzelnen „Operationen“.

( dapd/cb )