14 Bilder in einer Sekunde, eine Lichtempfindlichkeit von über 204.000 ISO und ein 64-Punkt-Autofokus: Nach der Lektüre von Canons neuester Produktankündigung dürften einige Profi-Fotografen direkt einen Blick aufs Konto geworfen haben – und gerade über der Auflösung des Studienfonds der Kinder oder den Verkauf des heißgeliebten Motorrads brüten.
EOS 1D X heisst das neue Objekt der Begierde, das ab März 2012 die Spitze von Canons digitaler Spiegelreflex-Produktlinie einnimmt. Lange haben sich die Ingenieure in Tokio Zeit gelassen, schließlich ist die Vorgänger-Kamera EOS 1Ds Mark III bereits seit Herbst 2007 auf dem Markt – eine halbe Ewigkeit im schnelllebigen Kameramarkt.
Doch das Warten scheint sich gelohnt zu haben. Anstatt die Megapixel-Zahl noch höher zu treiben, bringt die neue Spitzen-Kamera genauso viele Pixel mit wie das zehn Mal billigere Einsteigermodell 600D, nämlich 18,1 Millionen. Die 1DS sah noch mit 21 Millionen Pixel.
Das Datenblatt jedoch zeigt, warum weniger hier mehr ist: Mit einer Lichtempfindlichkeit von 51.200 ISO sollte der Vollformat-Chip selbst im Mondlicht rauschfrei sehen. Wer leichtes Rauschen in Kauf nimmt, kann den Wert noch einmal verdoppeln. Die EOS 1D X ist außerdem in der Lage, zwölf Bilder pro Sekunde im verlustfreien RAW-Format aufzuzeichnen – ein neuer Rekord für einen Vollformat-Sensor. Vorgängerin 1Ds schaffte gerade einmal fünf.
Ein neuer Autofokus mit 61 Messpunkten soll schnell genug arbeiten, um die Bilder selbst bei sich schnell bewegenden Motiven scharf zu halten. Um die Datenmasse möglichst rauschfrei auf den Speicher zu übertragen, hat Canon seinem neuen Flaggschiff zwei Digic5+- Bildverarbeitungschips mitgegeben, die bislang in keiner anderen Canon-Kamera auftauchen.
Dazu kommt ein dritter Digic4-Chip, der allein für den Farbabgleich zuständig ist. Zum Vergleich: Dieser Chip treibt beim Einsteigermodell 600D die ganze Kamera an. Die Kombination aus hoher, rauschfreier Megapixelzahl und schneller Bildfolge soll es der 1D X ermöglichen, gleich zwei Vorgänger-Modelle hinter sich zu lassen: Die 1DS in der Studiofotografie und die rund zwei Jahre alte 1D Mark IV im Sport- und Pressebereich.
Auch Filmemacher werden mit der 1D X angesprochen: Die Kamera kann besser mit den besonders großen Video-Dateien in Full HD umgehen, und der zugehörige Ton lässt sich manuell aussteuern. Noch will Canon in Deutschland nicht preisgeben, wieviel die in einem Magnesiumgehäuse geballte Technik kosten soll, doch auf diversen US-Gadgetseiten kursiert bereits ein Preis: 6800 Dollar.
Damit würde Canon seinen Preis für das Spitzenmodell im Vergleich zum Vorgänger deutlich senken: Die 1Ds wurde zuletzt zwischen 6000 und 7000 Euro gehandelt, Canons Listenpreis lag weit darüber. Wenn dieser Preis stimmt, dürfte Canon mit seinem zehnten Profimodell seit der legendären F1 (deswegen das X im Namen) die Konkurrenz bei Nikon ins Grübeln bringen.





