Digitale Kommunikation

Post öffnet ihren Online-Brief auch für Mitbewerber

Keine Preise, kein Startzeitpunkt, kein Name: Die Deutsche Post hüllt sich in Sachen Online-Brief weiter in Schweigen. Zumindest einige Partner hat der Konzern nun verraten. Und: Es wird eine Austauschmöglichkeit mit dem Konkurrenz-System De-Mail von United Internet geben.

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Die Deutsche Post plant eine Öffnung ihres Online-Brief-Systems auch für Nutzer des Konkurrenzprojektes De-Mail. Wie der Brief-Vorstand der Post, Jürgen Gerdes, auf Nachfrage bestätigte, werde es eine solche Möglichkeit geben. „Geschlossene Systeme machen hier keinen Sinn“, sagte er. Allerdings müsse man sich erst über Standards und Schnittstellen einigen, da dies auch eine Sicherheitsfrage sei.

Einen Zeitpunkt, ab wann ein solcher Austausch möglich ist, konnte Gerdes nicht nennen. „Ich weiß nicht, wie weit der Wettbewerb ist“, sagte der Post-Manager. Ein Konsortium, in dem sich das Bundesinnenministerium, die Telekom-Tochter T-Systems und United Internet zusammen getan haben, testet bereits das Konkurrenzsystem De-Mail, das ebenfalls einen rechtsverbindlichen E-Mail-Versand vorsieht.

Auf der Cebit in Hannover hat die Post ihre ersten Partner für den Online-Brief vorgestellt. So will die Post zusammen mit dem Automobilclub ADAC, LOTTO Hessen, die BIG Direktkrankenversicherung, die DekaBank, der Zürich Versicherung und dem Kommunalen Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe (krz) starten.

Teilnehmer des Online-Briefes müssen sich einmalig in einer Poststelle ausweisen. Über das Internet versandte Briefe werden dann entweder in das Post-E-Mail-Fach oder auf Papier ausgedruckt und per Postboten zugestellt. Auf diese Weise verbindet die Post elektronische und herkömmliche Briefzustellung miteinander.

Preise für den Online-Brief will die Post erst kurz vor Start ihres Dienstes im Juli nennen. Auch den Namen, Ziele oder die Investitionen wollte Post-Vorstand Gerdes in Hannover nicht nennen. Post-Chef Frank Appel hatte noch im November von einem möglichen Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe gesprochen.

Interne Berechnungen des Bundesinnenministeriums für das De-Mail-System sehen im fünften Jahr Einsparungen beim Briefporto in Höhe von 1,2 Milliarden Euro vor. Das entspricht in etwa einem Fünftel des Briefumsatzes der Post. „Wir hoffen, dass wir damit den stetigen Rückgang im Briefgeschäft auffangen können“, sagte Gerdes. Der Online-Brief werde ein „Riesen-Erfolg“, weil Deutschland ihn brauche.

Mit dem ADAC und seinen etwa 17 Millionen Mitgliedern hat die Post einen ersten großen Kunden präsentiert. „Wir wollen den Autokauf im Internet sicherer machen“, sagte ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair. Vor allem bei der Kontaktanbahnung und dem sicheren Austausch von Dokumenten bringe der Online-Brief eine deutliche Verbesserung.

Für die Post ist der Online-Brief von großer strategischer Bedeutung. „Das ist eine Riesenchance für uns, dass unserer Service nicht mehr am Briefkasten endet“, sagte Post-Vorstand Gerdes. Hoffnungen setzt das Unternehmen insbesondere auf das sichere Bezahlen von Kleinstbeträgen über das Internet.

So wie früher einem Brief Postmarken zum Bezahlen beigelegt wurden, soll auch der Online-Brief überfrankiert werden können, um beispielsweise Magazinartikel bezahlen zu können. „Wir reden darüber mit allen Kunden und auch mit Verlagen“, sagte Gerdes, ohne weitere Details zu nennen.

Geschäftskunden spielen im Briefgeschäft eine weitaus größere Rolle als private Briefe. Privatkunden verschicken nur sechs Prozent des gesamten Briefaufkommens von täglich 70 Millionen Briefen.