Während The Beatles Rockband der wohl größten Legende unter den Gitarren-Combos ein Denkmal setzt, kontert Guitar Hero 5 mit musikalischer Bandbreite: Mit 85 Songs von 83 Bands ist es fast schon ein „Who is Who“ der Rockgeschichte. Auf dem Konzertprogramm stehen Namen wie Nirvana, Dire Straits, Bob Dylan, Stevie Wonder und Tom Petty – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Im nüchternen Zahlenvergleich liegt The Beatles Rockband mit 45 Songs des Liverpooler Quartetts hinten. Das wird Fans aber nicht stören, zumal sie – erstmals überhaupt in einem Musikspiel – ihren Idolen sogar mit dreistimmigem Gesang nacheifern dürfen.
Die Instrumentierung beschränkt sich in beiden Spielen auf die klassische Rockbesetzung: Gitarre, Bass und Schlagzeug. Die Spieltechnik folgt hier wie dort dem bewährten Schema: Auf dem Bildschirm laufen farbige Symbole von oben nach unten. Jedes Zeichen steht für eine Taste auf der Spielgitarre oder für die diversen Trommeln und Becken des Schlagzeugs. Sobald ein Symbol die Markierung am unteren Bildrand trifft, müssen Sie die entsprechende Taste drücken oder die passende Trommel schlagen. Je präziser Sie den Ton treffen, desto besser wird Ihre Leistung bewertet. Bei zu vielen Fehlern brechen die Musiker auf dem Bildschirm ihre Session frustriert ab – noch mal von vorne, bitte. Notfalls setzen Sie eben den Schwierigkeitsgrad herunter.
Die Einsteigerstufe schafft jeder blutige Anfänger, das höchste Niveau schafft auch gestandene Videospieler. Interessantes Detail für Trommler: Guitar Hero 5 arbeitet mit fünf Schlagzeugspuren, The Beatles Rockband beschränkt sich auf vier. Das entspricht der jeweiligen Trommelzahl beider Spieleserien. Hinzu kommt jeweils ein Fußpedal für die Bassdrum. Bei Guitar Hero 5 können Sie sogar ein zweites Fußpedal anschließen, denn einige Songs bieten optional Doppelbassdrum-Unterstützung.
Sie können beide Spiele auch mit den Klampfen, Schlagzeugen und Mikros der Konkurrenz spielen. Guitar Hero 5 erkennt das angeschlossene Schlagzeug und schaltet automatisch auf Arrangements mit vier oder fünf Spuren um. Das ist toll gelöst. Sie können allein zu Haus rocken, was aber so gar nicht zum Combo-Charakter der Spiele passen mag, oder eine Band gründen – entweder mit Freunden im Wohnzimmer oder mit Gleichgesinnten, die Sie sich im Internet zusammensuchen. Die Zahl der Mitspieler darf größer sein als die Besetzung der Originalbands: The Beatles Rock Band lässt sechs Spieler zu, Guitar Hero 5 acht. Beide Titel umfassen sowohl Spielmodi, die harmonisches Zusammenspiel erfordern, als auch solche, in denen es um harten Wettbewerb geht.
In Sachen Spielumfang hat Guitar Hero 5 die Nase vorn. Fast doppelt so viele Songs sind schon eine klare Ansage. Aber auch die Spielvarianten erlauben viel mehr Abwechslung. Den sieben Wettkampfarten mit unterschiedlichen Regeln setzt The Beatles Rockband nur zwei entgegen. Einen Karrieremodus bieten beide Spiele. Frei improvisieren können Sie in Guitar Hero 5 mit allen Instrumenten, bei den Beatles nur auf dem Schlagzeug. In der Wii-Version von Guitar Hero 5 dürfen Sie Ihren Mii auf die Bühne schicken, in der Fassung für die Xbox 360 Ihren Avatar.
Jedes der beiden Spiele enthält ein interessantes Extra: Guitar Hero 5 ein Tonstudio, The Beatles Rockband eine kleine Schlagzeugschule. Im auch im Vergleich zum Vorgängerspiel stark vereinfachten Studio können Sie eigene Songs „komponieren“. Dazu bedienen Sie sich vorgefertigter Rhythmen und Samples oder spielen Ihre kreativen Ideen direkt ein, während das Programm mitschneidet. Läuft der Song noch nicht ganz rund, lässt er sich nachbearbeiten. Fertige Stücke dürfen Sie ins kostenlos Internet hochladen. Umgekehrt lassen sich Fremdkompositionen herunterladen. Ihrer Kreativität sind lediglich zwei Grenzen gesetzt: Zum einen dürfen Sie nur Instrumentalstücke komponieren.
Die andere Einschränkung betrifft die Tonqualität: Die Samples klingen sehr viel müder als die Originalsongs. In beiden Spielen dürfen Sie einen Abschnitt gezielt üben und im Tempo variieren. Doch nur The Beatles Rockband bringt einen Schlagzeugtrainer mit gut 200 Rhythmen ins Haus. Die können Sie in aller Ruhe einstudieren, ohne von anderen Instrumenten abgelenkt zu werden.
Die Klangqualität
Beide Spiele treffen den Ton. Zwar ist die Tonqualität aktueller Songs aus Guitar Hero 5 geringfügig besser, weil die Originalaufnahmen jünger sind. Doch auch The Beatles Rockband ist auf dem bestmöglichen Stand, denn es verwendet Einspielungen aus den erst kürzlich veröffentlichten, neu gemasterten Beatles-CDs. Einige Songs wurden sogar leicht geändert. So wird etwa „Hey Bully“ vom Album „Abbey Road“ erstmals komplett zu Ende gespielt und nicht ausgeblendet. Das ist für die meisten Menschen nicht von Belang, Beatles- Fans indes freuen sich zu Recht über solche Details.
Die Optik
The Beatles Rockband erzeugt mit detaillierten Abbildern der Musiker Paul McCartney, John Lennon, George Harrison und Ringo Starr eine sehr authentische Atmosphäre. Das gilt für den gesamten Karriereverlauf der Fab Four, deren Erscheinungsbild sich in den wenigen Jahren häufig wandelte: Das Spiel macht jede Haar- und Klamottenmode mit. Überhaupt fällt eine enorme Liebe zum Detail auf: Es wurden geschickt Originalfotos eingearbeitet, Szenen aus Filmaufnahmen und von Konzerten nachgestellt – vom Einmarsch der Band auf die Bühne über Aufnahmen im Studio 2 der Abbey Road Studios bis hin zu kreischenden Mädchen in frühen Konzerten.
Nur die Bewegungen der vier wirken mitunter etwas hölzern. Guitar Hero 5 enthält zwar sehr viele Originalsongs, aber zu den meisten davon bewegen sich Fantasiemusiker auf dem Bildschirm. Trotz ausgezeichneter Grafik leidet die Stimmung etwas darunter. Erst wenn Santana oder Kurt Cobain für Gastauftritte die Bühne entern, kommt richtig Freude auf. In Sachen Optik schenken sich die Titel sonst nichts.
Urteil: Welches Spiel das richtige für Sie ist, lässt sich ganz einfach beantworten. Lieben Sie die Beatles? Dann kommen Sie an The Beatles Rockband definitiv nicht vorbei. Schätzen Sie die Beatles nicht, nehmen Sie Guitar Hero 5, denn das verwöhnt mit mehr Abwechslung. Mögen Sie Musikspiele sowieso, dann brauchen Sie beide – denn hier wie dort wird auf hohem Niveau gespielt. Weitere Songs zum Herunterladen garantieren bei beiden Spielen Langzeitspaß.
Allerdings war bis Redaktionsschluss nicht klar, wie teuer die Downloads werden. Wie auch immer Sie sich entscheiden, Sie können nichts falsch machen: Im Test sind keine Schwächen aufgefallen. Absoluten Profis wird der höchste, wirklich heftige Schwierigkeitsgrad in Guitar Hero 5 gefallen. Anfänger und Fortgeschrittene finden sich in beiden Spielen zurecht.
Guitar Hero 5
Vorteile:
- Sehr viele Songs
- Hohe Tonqualität
- Gute Arrangements
Nachteile:
- Zu wenig Originalmusiker rocken auf den Bühnen
Testergebnisse (für Wii):
Testergebnis: gut
Note: 1,77
Preis/Leistung: befriedigend
Preis laut Hersteller: 59,99 Euro
Testergebnisse (für Xbox 360 und Playstation 3):
Testergebnis: gut
Note: 1,72
Preis/Leistung: ausreichend
Preis laut Hersteller: 69,99 Euro
The Beatles Rockband
Vorteile:
- Dichte Atmosphäre
- Hohe Tonqualität
- Gute Arrangements
Nachteile:
- Wenig Lieder, weitere Songs sind kostenpflichtig
Testergebnisse (für Wii):
Testergebnis: gut
Note: 1,80
Preis/Leistung: befriedigend
Preis laut Hersteller: 49,99 Euro
Testergebnisse (für Xbox 360 und Playstation 3):
Testergebnis: gut
Note: 1,77
Preis/Leistung: befriedigend
Preis laut Hersteller: 59,99 Euro
Mehr zum Thema finden Sie in der aktuellen "Computer Bild Spiele", Ausgabe 11/09.




