Google ist nicht dafür bekannt, tief zu stapeln. Der Auftritt des sonst mit Superlativen nicht geizigen Konzern-Chefs Eric Schmidt gehörte daher auch nicht zum Standard-Repertoire des Suchmaschinen-Unternehmens. „Mit Chrome OS haben wir eine brauchbare dritte Wahl bei echten Betriebssystemen auf dem Desktop“, sagte er in San Francisco. Die Bescheidenheit hat seinen Grund: Ein Betriebssystem zu entwickeln ist komplizierter, als es Google angenommen hat. Daher sollen die ersten Notebooks mit dem Google-System Chrome OS erst Mitte nächsten Jahres zu kaufen sein. Der ursprüngliche Plan, schon 2010 damit zu starten, ist vergessen – das Weihnachtsgeschäft sowieso schon verpasst.

Mit Chrome OS bekommt Microsoft jedoch einen zweiten ernst zu nehmenden Konkurrenten neben Apple. Der Software-Riese aus Redmond im Bundesstaat Washington hat viel zu verlieren. Sein Windows-System läuft auf neun von zehn Computern weltweit. Zusammen mit der Büro-Software Office ist Windows die Haupteinnahmequelle für Microsoft. Die neue Konkurrenz könnte da schnell gefährlich werden. Denn anders als Apple wird Googles Chrome OS auf Computern verschiedener Hersteller laufen. Zum Start sind Acer und Samsung dabei. „Weitere Hersteller werden folgen“, schreibt Produktmanager Linus Upson im Google-Blog .

Hewlett-Packard (HP) hatte bekannt gegeben, die Entwicklung von Chrome-OS-Notebooks ausgesetzt zu haben.

Für den Suchmaschinen-Konzern Google ist Chrome OS mehr als nur ein weiteres Produkt. Das Unternehmen steigt aus strategischen Gründen in den Markt für Betriebssysteme ein. An Chrome OS selbst wird Google kein Geld verdienen, PC-Hersteller dürfen es kostenlos auf ihren Rechnern installieren. Allerdings geht der Konzern davon aus, dass auf diese Weise Nutzer mehr Zeit im Web verbringen und es somit mehr Gelegenheiten gibt, Werbung darzustellen. Nach wie vor erzielt Google etwa 95 Prozent seines Umsatzes mit dem Darstellen von Textanzeigen.

Im Unterschied zu Windows und auch Mac OSX von Apple setzt Google bei Chrome OS weitestgehend auf das Cloud Computing, bei dem Dienste und Computerfunktionen nicht mehr direkt auf den Computern der Nutzer ausgeführt werden, sondern auf Großrechnern in Rechenzentren, der so genannten Cloud. „Die Menschen leben heute praktisch im Internet, aber die meisten Betriebssysteme wurden entworfen, ehe es das Netz wirklich gab“, erklärte Google-Manager Sundar Pichai.

Chrome OS wird vorerst auf Notebooks eingesetzt, die ihre Inhalte im Netz speichern. Dass der Konzern an einem solchen Betriebssystem arbeitet, hatte Google bereits vor mehr als einem Jahr verraten. „Wir sind noch nicht fertig“, räumte Upson ein. Vor allem an der Möglichkeit, externe Geräte an die Computer anschließen zu können, muss Google noch arbeiten. Wie kompliziert das ist, musste auch Microsoft in der Vergangenheit feststellen. Vor jeder neuen Windows-Version musste der Software-Hersteller Tests mit mehreren Tausend Gerätekonfigurationen fahren. Nutzer erwarten, dass ihre digitalen Fotoapparate, externe Festplatten und andere Geräte mit den neuen Rechnern funktionieren.

Start des Chrome Web Stores

Wie sich Chrome OS auf einem Computer darstellt, lässt sich schon heute am Google-Browser Chrome erkennen. Nach Angaben von Google hat sich die Zahl der Nutzer in diesem Jahr auf 120 Millionen verdreifacht, liegt damit aber noch deutlich hinter Microsofts Internet-Explorer und Firefox zurück. Nun hat Google auch seinen Chrome Web Store gestartet, in dem Nutzer über den Browser bereits mehr als 600 Anwendungen laden können.

Ähnlich wie bei Apples AppStore für das iPhone und iPad werden auch im Chrome Web Store nach einer kurzen Installation die Programme als kleine Symbole dargestellt. Nach dem Start laufen die Anwendungen im Browserfenster. Die „New York Times“ ist dort bereits vertreten, aber auch Spiele von Electronic Arts. Vorraussetzung ist derzeit nur der Chrome-Browser, der sowohl auf Windows-, Mac- und Linux-Rechnern läuft. Bei kostenpflichtigen Programmen behält Google lediglich fünf Prozent des Verkaufspreises als Bearbeitungsgebühr ein.