Technik getestet

Polaroid druckt digitale Fotos ohne Tinte

Seit Anfang des Jahres produziert Polaroid keine seiner berühmten Kameras mehr, die direkt nach dem Schnappschuss das Foto ausdruckten. So ganz wollte das Unternehmen diese Instant-Fotografie aber nicht aufgeben und hat jetzt den mobilen Drucker PoGo in den Handel gebracht, der Fotos von einem Kamerahandy oder einer Digitalkamera auf Papier bringt.

Foto: PA_Wire/PA_Photos

Überrascht haben mich beim ersten Anblick das gelungene Design und die Kompaktheit des Druckers, der nur zwölf mal 24 Zentimeter groß ist und nur 230 Gramm wiegt. Ganz putzig ist die Bedienungsanleitung für den Sofortstart, die auf drei Seiten nur Zeichnungen zeigt. Das reicht aber aus. Nur wer sich überhaupt nicht mit Handys und Kameras auskennt, könnte Probleme bekommen. Zum Einlegen des Fotopapiers aber reicht es aus, den Deckel zu öffnen und das Papier hineinzulegen.

Zum Ausdrucken wird ein USB-Kabel zwischen Drucker und Kamera gestöpselt. Ich habe es mit einem älteren Olympus-Modell ausprobiert, und es hat auf Anhieb funktioniert. Voraussetzung ist nur, dass die Kamera PictBridge-fähig ist. Nur dann muss kein Computer dazwischen geschaltet werden. Auch von meinem Handy kamen die Signale über Bluetooth schnell und einwandfrei beim Drucker an. Nachdem ich Bluetooth aktiviert hatte, fand das Handy den Drucker sofort. Das Foto kam nach etwa einer Minute aus dem kleinen Drucker. Bei kleinen Fotodateien geht es schneller, bei umfangreicheren dauert es deutlich länger.


Das Besondere an Polaroids PoGo: Der Drucker kommt ohne Tinte aus. Dadurch können weder Toner noch Patronen verklumpen. Stattdessen nutzt Polaroid die selbst entwickeltet Zink-Technik. In verschiedenen Schichten des Fotopapiers sind Kristalle eingearbeitet. Die Hitze des Druckers regt diese Kristalle zu chemischen Prozessen an, sodass sie ihre Farbe ändern.

Aufgrund der Zink-Technik wird der PoGo allerdings schon nach wenigen Druckvorgängen erstaunlich heiß. Außerdem braucht er viel Strom. Den wieder aufladbaren Akku musste ich schon nach 13 Aufnahmen wieder ans Stromnetz anschließen. Die Fotos kommen im ungewöhnlichen Format fünf mal 7,6 Zentimeter aus dem Drucker. Das ist klein, passt aber gut in jedes Portemonnaie.

Das Papier könnte ein wenig fester sein. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit wellte es sich ein wenig. Das größte Problem beim Drucken mit dem PoGo sind jedoch die Farben, vor allem wenn die Fotos mit dem Handy gemacht werden. Viele Drucke wirken ein wenig verschwommen, manche ein wenig blaustichig. Kommen sie jedoch von einer Kamera, zeigen helle Aufnahmen auch auf dem Papier viel Brillanz. Ganz nett: Die Rückseite der Fotos ist selbstklebend.

Und das zeigt auch, wofür Polaroid den Drucker entwickelt hat: Er soll Spaß machen. Der 140 Euro teure PoGo kann keinen hochwertigen Drucker zu Hause ersetzen, aber für den Kurzurlaub oder als Partygag ist er gut geeignet. Zu gut. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass jeder in der Umgebung mal ein solches Spaßfoto ausdrucken möchte. Weniger witzig: Wegen des teuren Spezialpapiers kostet so ein Druck mindestens 30 Cent. Bei einem privaten Geburtstagsessen dürften sich die Kosten in Grenzen halten. Wer den PoGo aber mit zum Dorffest nimmt, sollte sich auf höhere Ausgaben einstellen.