Grüne Logos

Was die Öko-Siegel für Fernseher taugen

Ökoware Fernseher: Mit einem modernen Gerät können Sie in zehn Jahren über 700 Euro Stromkosten sparen. Die Hersteller werben für diese Modelle mit grünen Logos. Aber viele halten leider nicht, was sie versprechen. Welche Öko-Siegel ihr Geld tatsächlich wert sind, verrät dieser Vergleichstest.

Es grünt so grün in Deutschlands Wohnzimmern: Viele neue Fernseher kommen mit einem Öko-Siegel auf den Markt, zum Beispiel „Eco-TV“, „Eco-LCD“ odereinfach „Eco“. Nach Tomaten, Brot und Magerquark wird auch der Fernseher zur Bioware. Die grünen Modelle sollen nicht nur umweltfreundlich in der Produktion und Entsorgung sein. Die Hersteller versprechen auch einen niedrigen Stromverbrauch.

Aber ist wirklich öko drin, wo öko draufsteht? Audio Video Foto Bild hat die Plaketten von Herstellern und herstellerübergreifenden Organisationen unter die Lupe genommen. Dazu wurden die Anforderungen der Öko-Siegel kritisch überprüft: Gibt es strenge Obergrenzen für den Stromverbrauch? Sind die Kriterien konkret und nachvollziehbar? Sind Fernseher mit Logo wirklich sparsam?

Stromkosten: bis zu 700 Euro Unterschied

Audio Video Foto Bild hat den Stromverbrauch von über Hundert aktuellen Fernsehern ausgewertet. Die Messungen waren so aufwendig wie bei allen TV-Tests der Redaktion. Dabei kamen gewaltige Unterschiede zum Vorschein: Mit einem sparsamen Fernseher können Sie im Vergleich zu einem Stromfresser über 700 Euro in zehn Jahren sparen – bei gleicher Größe und Bildqualität.

Nicht nur Plaketten, auch Öko-Funktionen kamen auf den Prüfstand. Im Eco-Modus von modernen Fernsehern wird die Helligkeit des Bildschirms reduziert, um Strom zu sparen. Klingt gut, bringt aber nichts: Entweder ist die Ersparnis gering oder das Bild viel zu dunkel.

Nur zwei Öko-Siegel sind empfehlenswert

Hinter vielen überprüften Umweltlogos steckt nichts als heiße Luft:

- Öko-Siegel der Hersteller: Nur zwei von sechs Plaketten markieren überdurchschnittlich sparsame Fernseher. Bei den anderen Herstellern sind die Anforderungen so schwammig, dass auch Fernseher mit normalem Stromverbrauch ein Siegel erhalten. Oder die damit verbundenen Stromspartricks verschlechtern das Bild. Philips hat sein eigenes Logo „Green Tick“ für Fernseher schon wieder abgeschafft und verwendet jetzt die EU-Blume. Samsung flüchtet in Parolen: „Werden Sie mit Eco-TV Teil einer globalen Bewegung, die Energie spart.“ LG verspricht Stromersparnis gegenüber nicht näher benannten „älteren Geräten“.

- Herstellerübergreifende Siegel: Die von Philips, Samsung, Sharp und Sony verwendete „EU-Blume“ legt wachsweiche Kriterien für den maximalen Stromverbrauch fest. Selbst durchschnittlich energiehungrige Fernseher aus 2008 erfüllen die EU-Bedingungen. Ein Sony-Mitarbeiter: „Die Vorgaben sind nicht besonders anspruchsvoll.“ Für Plasmafernseher von Panasonic schon. Die scheitern an den Vorgaben der „EU-Blume“, weil sie technisch bedingt mehr Strom als LCD-Geräte verbrauchen. Undurchsichtig geht es beim „EISA Award Green TV“ und „Plus X Award Ökologie“ zu. In beiden Organisationen kürt eine selbst ernannte „Fachjury“ die Preisträger.

Der Haken: Sowohl EISA und „Plus X Award“ sind finanziell abhängig von den TV-Herstellern, die für die Teilnahme Geld fließen lassen. EISA hält die Bewertungskriterien für „Green TV“ geheim. Auch beim „Plus X Award“ lassen Anforderunge wie "technische Besonderheiten“ Raum für subjektive Urteile. Objektiv messbar sind die Kriterien, die Audio Video Foto Bild seit 2004 für das Stromsparer-Logo anlegt: Fernseher dürfen ausgeschaltet keinen Strom verbrauchen, in Standby weniger als 1 Watt. Zurzeit arbeitet die Redaktion an noch strengeren Vorgaben. Das Stromsparer-Logo von Audio Video Foto Bild basiert auf klaren Kriterien.

Fazit: Grüne Siegel machen sich gut in der Werbung, sind aber keine Garantie für niedrigen Stromverbrauch. Nur wenige Fernseher schaffen die perfekte Mischung: Energie sparen bei sehr guter Bildqualität. Diese Modelle erkennen Sie an keiner Öko-Plakette, sondern an einem guten Testergebnis in Audio Video Foto Bild.

Stromkosten über zehn Jahre

Audio Video Foto Bild ermittelt den Stromverbrauch mit einer technischen Ausrüstung im Wert von 14.000 Euro. Jeder Fernseher wird an einen Stromgenerator angeschlossen, der eine konstante, störungsfreie Spannung liefert. Zehn Minuten lang zeigen die Fernseher eine Abfolge genormter Testvideos (nach IEC 62087:2008-10). Das Messgerät Combinova Analyzer 300 ermittelt die Leistungsaufnahme auf ein Milliwatt genau. Danach ermittelt Audio Video Foto Bild den Stromverbrauch für die Lebensdauer eines TV-Geräts – laut Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) zehn Jahre.

In der Hochrechnung ist der Fernseher drei Stunden am Tag eingeschaltet und 21 Stunden in Bereitschaft. Das gilt auch für die Werte im TV-Test. In der Tabelle ist das sparsamste Modell einer Größenklasse grün markiert, das Gerät mit den höchsten Stromkosten rot. Beispiel: Beim rund 1600 Euro teuren Plasmafernseher Panasonic TX-P46GW10 zahlen Sie über zehn Jahre für den Strom satte 1168,56 Euro. Dass es sparsamer geht, zeigt Sony mit dem ebenfalls 116 Zentimeter großen LCD-Fernseher KDL-46WE5.

Der kostet zwar etwa 300 Euro mehr, spart im Zehn-Jahres- Vergleich aber rund 865 Euro Stromkosten. Damit ist der Sony-Fernseher sogar genügsamer als der größte Stromfresser bei den 80-cm-Geräten: Der Philips 32PFL7404H/12 saugt über zehn Jahre hinweg Strom im Wert von rund 345 Euro, während der JVC LT-32DB1BU mit rund 190 Euro auskommt.

Was bringt der ECO-Modus?

Strom sparen per Knopfdruck – so werben viele Hersteller für den Eco-Modus ihrer Fernseher. Dazu wird mit einer Taste auf der Fernbedienung oder einer Einstellung im Menü die Helligkeit des Bildschirms reduziert. Doch wie gut ist die Bildqualität im Eco-Modus? Und wie hoch ist die Ersparnis? Der JVC LT-47DV1BU reduziert den Stromverbrauch im Eco-Modus auf weniger als die Hälfte im Vergleich zur optimalen Bildeinstellung. Das spart pro Monat 2,31 Euro, macht aber das Bild zu dunkel. Auch im Eco-Modus von LG und Sharp sieht es düster aus.

Und die Ersparnis ist noch geringer. Die getesteten Fernsehmodelle von Panasonic, Samsung und Sony zeigen im Eco-Modus ein nur leicht abgedunkeltes Bild. Dafür ist aber auch die Ersparnis mit weniger als ein Euro pro Monat recht überschaubar. Einen Eco-Modus der besonderen Art bietet Philips: Wer beim 42PFL7404H den angeblich niedrigen Energieverbrauch einstellt, zahlt sogar drauf. Das Gerät schluckt im Eco-Modus zehn Watt mehr. Die Bildqualität ist dabei unverändert gut.

Fazit: Egal von welchem Hersteller – der Eco-Modus bringt’s nicht. Entweder ist das Fernsehbild zu dunkel oder die Ersparnis zu gering.

Mehr zum Thema finden Sie in der aktuellen "Audio Video Foto Bild", Ausgabe 11/09.