Cyberwar

Hacker attackieren Deutschland im Sekundentakt

Alle zwei bis drei Sekunden ist Deutschland Ziel einer Attacke. Innenminister de Maizière will ein nationales Abwehrzentrum aufbauen.

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Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat vor Cyber-Angriffen im Internet gewarnt. Ungefähr alle zwei bis drei Sekunden gebe es einen Angriff auf das deutsche Internet. „Von Privaten, von Staaten, vom wem auch immer“, sagte de Maizière im Gespräch mit „Morgenpost Online“. Das deutsche Regierungsnetz werde etwa vier bis fünf Mal am Tag angegriffen. „Dabei gehen wir, ohne es sicher beweisen zu können, von der Beteiligung von Nachrichtendiensten anderer Länder aus“, sagte der Minister. Er will am Samstag erstmals ausführlich über das Thema „Cyber-War“ auf der Sicherheitskonferenz in München sprechen.

De Maizière schloss nicht aus, dass ganz Deutschland durch einen Angriff aus dem Internet lahmgelegt wird. Dies war in Estland der Fall, wo Banken, Ministerien und Sicherheitsbehörden tagelang nicht arbeitsfähig waren. Auf die Frage „Kann das auch in Deutschland passieren?“, antwortete der Minister: „Völlig ausschließen lässt sich so etwas nie. Das Internet ist inzwischen eine kritische Infrastruktur geworden. Das heißt, es muss wie Strom und Wasser immer verfügbar sein.“

Der Innenminister plant zum Schutz vor solchen Angriffen ein „Nationales Cyber-Abwehrzentrum“. Dort sollen unter der Federführung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) der Verfassungsschutz, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie weitere Behörden tätig werden. „Dazu kommen Vertreter von Schlüsselbereichen, in denen das Internet funktionieren muss, damit wir arbeiten, wirtschaften und leben können: beispielsweise die Zuständigen für die Sicherheit des Zahlungsverkehrs. Auch eine Schnittstelle zur Wirtschaft sollte es geben, um sich über Cyberangriffe auszutauschen“, sagte de Maizière.

Er machte deutlich, dass die Wirtschaft noch Nachholbedarf beim Schutz vor Cyber-Attacken hat. „Was die Wirtschaft angeht, ist die Lage sehr unterschiedlich: Einige Unternehmen schützen sich vorbildlich, andere hingegen sind höchst leichtfertig“, sagte der Minister. Eine umfassende Cyber-Sicherheitsstrategie, zur der das Abwehrzentrum gehören soll, stimmt de Maizière derzeit mit den anderen Regierungsressorts ab. Er kündigte er an, dass er die Strategie demnächst dem Kabinett vorlegen werde.