Am Start präsentiert sich das Testfeld zweigeteilt: Vier der Modelle treten in der Königsklasse an (bis 300 Euro). Sie spielen – im Verbund mit einer zusätzlichen externen Festplatte – in der Liga der Festplattenrecorder mit. Verglichen dazu fahren die anderen vier Kandidaten quasi um die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft: Sie sind HDTV-Empfänger ohne Aufnahmefunktion – dafür aber auch etwas günstiger (unter 200 Euro).
Qualifying
Mit digitalen Sat-Receivern können Sie allein auf den Astra-1-Satelliten auf der Satelliten-Position 19° Ost hunderte deutschsprachige Programme frei empfangen. Es fallen keine monatlichen Kosten an, nur die Rundfunkgebühren. Parallel sendet Astra analoge TV- und Radioprogramme. Diese werden eines Tages abgeschaltet. Alte Analog-Receiver haben dann ausgedient. Oft wird 2010 als Termin genannt, zu dem die analoge Übertragung eingestellt werden soll. Doch ein genaues Datum steht noch nicht fest.
Startklar
Doch wo bleiben die hochauflösenden HDTV-Programme? Die Leichtathletik- WM vom 15. bis 23. August wollen ARD und ZDF auf einem eigenen Satellitenkanal hochaufgelöst in HDTV übertragen. Das volle Programm von ARD und ZDF in HDTV soll zur Winterolympiade 2010 in Vancouver (Kanada) starten. Weitere kostenfreie HDTV-Programme sind Anixe HD und Arte HD. Der Bezahlsender Premiere, der sich ab Juli 2009 Sky Deutschland nennen wird, bietet derzeit zwei interessante HDTV-Angebote: Premiere HD sendet aktuelle Spielfilme in HDTV, Discovery HD Naturdokumentationen. Für den Empfang brauchen Sie ein Abonnement (ab 30 Euro pro Monat, einmalige Aktivierungsgebühr).
Mit den getesteten Receivern klappt der Premiere-Empfang nur, wenn Sie bereits eine gültige Abokarte des Typs S02 oder S01 besitzen. Denn bei der Bestellung eines Abonnements müssen Sie die Seriennummer eines Premiere- zertifizierten Receivers angeben – und das ist keines der getesteten Geräte. Zusätzlich zu einer gültigen Abokarte brauchen Sie für den Empfang ein Modul vom Typ Alphacrypt (ab 60 Euro). Das stecken Sie mitsamt der Abokarte in den CI-Steckplatz des Receivers. Den haben alle bis auf den günstigen „SL HD-100S“. Für den Premiere- HD-Empfang muss das Modul über aktuelle Firmware verfügen (3.19).
Sportsfreunde
Doch die Modelle mit CI-Steckplatz eignen sich nicht gleichermaßen für den Premiere-Empfang. Denn für die Sportübertragungen – einschließlich Fußball-Bundesliga und Formel 1 – verwendet Premiere eine ganz spezielle Übertragungstechnik, genannt Multifeed. Und die beherrschte das Modell von Wisi nicht.
Tankvolumen
Eine externe USB-Festplatte verwandelt vier Sat-Receiver in einen digitalen Videorecorder. Das klappte bei den Modellen von Technisat, Kathrein, Hirschmann sowie dem „Homecast HS5101 CIUSB“. Doch so fix wie ein Reifenwechsel in der Formel 1 ging das nicht: Keiner der Receiver konnte auf eine frisch angeschlossene Festplatte sofort aufzeichnen. Die Platten mussten immer am Receiver neu formatiert werden – obwohl sie bereits das richtige Dateiformat hatten. Lästig – denn das Formatieren löscht alle Daten.
Die drei Modelle von Technisat, Kathrein und Hirschmann vertragen Festplatten aller Größen (derzeit bis 1500 Gigabyte).Der Homecast liest und beschreibt maximal 500 GB große Festplatten. Auf 1500 Gigabyte passen satte 830 Stunden Fernsehprogramm in herkömmlicher SD-Qualität und immerhin 210 Stunden hochaufgelöstes Programm. Genug für ein paar Formel-1-Rennen also!
Safety-Car-Phase
Die Receiver von Technisat, Kathrein und Hirschmann bieten eine clevere Funktion, genannt „zeitversetztes Fernsehen“. Damit sind sie dem Konkurrenten von Homecast mehr als eine Nasenlänge voraus. Denn ein simpler Druck auf die Pause-Taste stoppt die RennsportÜbertragung wie bei einer Carrera- Rennbahn. Schon haben Sie ein offenes Ohr für Anrufer. Oder Zeit,sich ohne Eile noch ein Bier aus dem Kühlschrank zu holen – Button, Jordan, Vettel & Co. warten geduldig, bis sie auf Ihren Knopfdruck hin weiterfahren dürfen. Während einer laufenden Aufnahme können Sie mit dem Homecast nicht mehr auf Ihr Archiv zugreifen. Die drei anderen Kandidaten packten das problemlos.
Parallelrennen
Die vier Aufnahmekünstler haben einen Nachteil gegenüber Receivern mit eingebauter Festplatte: Sie sind mit nur einem Empfangsteil (Tuner) ausgestattet und können deshalb, wenn überhaupt, nur begrenzt andere Sender zeigen, während sie ein Programm aufnehmen. Einzige Ausnahme: Der „Hirschmann S-HD 910“ kann beispielsweise ein Bundesligaspiel aufzeichnen, während er den Fernsehapparat mit einem Formel-1-Rennen füttert – oder sogar beide Sendungen gleichzeitig aufnehmen.
Weil nur ein Tuner eingebaut ist, ist seine Programmauswahl bei einer Aufnahme beschränkt: Sie können nur zwischen den Sendern eines Bouquets wählen, also etwa Sat.1, Pro7, Kabel1, n-tv oder ZDF, 3Sat, ZDF Dokukanal, ZDF Infokanal. Der Grund: Die Programme eines Bouquets werden auf der gleichen Frequenz (Transponder) gesendet – und mehr verkraftet ein Tuner allein beim besten Willen nicht gleichzeitig.
Pole Position
Vom Start weg übernimmt die elektronische Programmzeitschrift eine wichtige Führungsrolle. Sie gibt nicht nur Orientierung im Dschungel des TV-Programms. Sie können eine Sendung auch ganz einfach in die Aufnahmeliste befördern: Markieren, Knopf drücken, fertig! Noch etwas mehr Service bieten die Receiver von Technisat, Kathrein und Humax. Mit diesen Modellen können Sie das TV-Programm nach Genres wie Sport, Nachrichten oder Spielfilm sortieren. Oder Sie tippen einfach den Namen einer gesuchten Sendung ein – wie beim Kathrein und Humax. Allerdings lieferten die Geräte im Test nicht immer das gewünschte Ergebnis.
Fahrkomfort
Der normale Fernsehzuschauer stellt andere Anforderungen als der technisch versierte Profi: Ein geschmeidiges Bedienmenü sorgt hier für Wohlbefinden. Die meisten Modelle geleiten Sie äußerst komfortabel durch die Grundeinstellungen. Lediglich beim Hirschmann und beim „Homecast HS2002CI“ müssen Sie die passenden Antennenwerte von Hand einstellen. Übersichtlich und klar gegliedert sind vor allem die Bedienmenüs von Technisat, Kathrein und Humax, Wisi und SL. Die anderen Geräte verwirrten zum Teil wegen ihrer Bedien(un)logik: So ließen sich beim Hirschmann neue Sender nur umständlich hinzufügen. Die Menüs der Homecast-Receiver verwirren durch unklare Symbole. Da hilft oft nur ein Blick in die Bedienungsanleitung weiter.
Beschleunigung
Von Das Erste auf Sat.1 unter einer Sekunde – das ist eine flotte Umschaltgeschwindigkeit. Da konnten andere Modelle nicht mithalten: Der Programmwechsel beim „Hirschmann S-HD 910“ verursachte mit bis zu 3,8 Sekunden bereits Gähnen, beim „Homecast HS2002CI“ müssen Sie sogar aufpassen, dass Sie während der über vier Sekunden Umschaltdauer nicht einnicken.
Überholmanöver
Natürlich sind alle HDTV-Receiver mit dem digitalen Bild- und Tonanschluss HDMI ausgestattet. Darüber liefern Sie hochaufgelöste Bilder bis zu 1080 Zeilen im Halbbildverfahren (1080i). Alle Receiver haben auch einen YUV-Anschluss. Der überträgt zum Teil ebenfalls hochaufgelöste Bilder, teils nur Videos in herkömmlicher Auflösung. Mancher Heimkinofan besitzt bereits einen AV-Receiver mit HDMI-Anschlüssen. Da passt es ideal, wenn der HD-Receiver den 5.1-Heimkinoton ebenfalls via HDMI ausgibt. Doch das klappte nicht immer: Im Test scheiterte immerhin die Hälfte der Geräte daran. Nur die Modelle von Technisat, Kathrein, Hirschmann und der „Homecast HS2002CI“ beherrschen das. Die übrigen Modelle müssen Sie über ein optisches Kabel mit Ihrer Heimkinoanlage verbinden.
Zielgerade
Auf Flachbildschirmen sahen die Bilder aller Receiver dank HDMI sehr knackig aus. Erst beim genaueren Hinsehen offenbarten sich kleine, aber feine Unterschiede: So waren Kontraste und Farben beim Technisat, Homecast, Hirschmann und Humax sehr stimmig. Dagegen fiel bei den Geräten von Hirschmann und Humax ein leichtes Grieseln auf, vor allen um feine Details. Beim Anschluss an Röhrenfernseher oder Videorecorder zeigten sich deutlichere Unterschiede – so konnte die Detaildarstellung der Modelle von Wisi und SL per FBASVideo nicht überzeugen. Für HDTV-Receiver ist das aber nicht entscheidend.
Fazit: Unter den vier Aufnahmekünstlern sicherte sich der „Technisat Digit HD8-S“ den Sieg. Das Modell ist mit zwei USB-Anschlüssen und Speicherkartenleser für SDund Compactflash-Karten offen für „neue Medien“, seine Bildqualität erstklassig (300 Euro). Preis-Leistungs-Sieger wurde der „Hirschmann S-HD 910“ (250 Euro). Auch er zeichnet auf externe Festplatten auf.
Bei einigen Platten streikte er allerdings. Erster in der Kategorie ohne Aufnahmefunktion wurde der „Humax PR-Fox“, der mit solider Bildqualität und übersichtlichen Menüs punktete (200 Euro). Der günstige „SL HD-100 S“ zeigte ein einwandfreies Bild, ist leicht zu bedienen und taugt als Camping-Receiver (133 Euro).
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