Bei der Bergtour zeigt das Handy des Wanderers nach 30 Minuten genau den Felsvorsprung auf dem Bildschirm an, der gerade vor ihm liegt. Dazu gibt es die Information: „Hinter dem Felsen rechts abbiegen. 500 Meter weiter liegt eine Berghütte.“ Die Daten für die Route hat der Wanderer über Mobilfunk von einem Freund bekommen, der die Bergstrecke zuvor mit seinem Kamerahandy sowie Informationen dokumentiert hat. Die Positionsdaten stammen vom im Handy eingebauten GPS-Empfänger für Satellitennavigation.
Programme dieser Art, die ihren Anwendern den Alltag erleichtern können, wird es künftig massenhaft im Internet zum Herunterladen geben. Zum einen hat Google vor einigen Monaten die Mobilfunkplattform Android gestartet. Programmierer haben schon fast 2000 Anwendungen dafür geschrieben, die Google derzeit sichtet.
Zum anderen hat Apple vor drei Monaten eine Software vorgestellt, mit der Entwickler Anwendungen für das iPhone schreiben können. Morgen wird Steve Jobs das neue iPhone der Öffentlichkeit zeigen. Das Smartphone wird wahrscheinlich mit einem GPS-Empfänger sowie dem schnellen UMTS-Mobilfunk ausgestattet sein. Interessanter aber als das Gerät selbst dürften die neuen Programme sein, die auf dem iPhone und anderen Mobiltelefonen laufen werden und das Handy zum Alleskönner machen.
Viele Modelle unterstützen bereits den beschleunigten UMTS-Funk HSDPA. Neben SMS und Multimedia-SMS lassen sich E-Mails senden und empfangen, zum Beispiel in Echtzeit über die Push-Technik. Mit hohen Datenraten ist auch Internet-Telefonie möglich.
Internet
Das iPhone bringt sein Nutzer häufiger ins Internet als alle anderen Mobiltelefone. Das liegt vor allem daran, dass Websurfen über den berührungsempfindlichen Bildschirm einfach ist und das Smartphone ganze Seiten übersichtlich und gut erkennbar darstellt. Künftig wird es vor allem für Teilnehmer am Mitmach-Internet, dem Web 2.0, neue Funktionen geben. Schon teilen Kunden von Diensten wie Twitter anderen Nutzern über Handy immer mit, wo sie sich aufhalten. So können sie Freunde treffen, die sich zufällig in der Nähe aufhalten.
Multimedia
Viele Mobiltelefone konkurrieren bereits mit MP3-Playern. Nutzer können mit ihnen Abspiellisten erstellen, Raumklang wiedergeben und Musik über angeschlossene Boxen abspielen. Nokia will außerdem Handys verkaufen, mit denen Kunden kostenlos und unbegrenzt Musik herunterladen können. Dazu gibt es spezielle Dienste für Musikerkennung. Nutzer können Ausschnitte eines gerade im Radio gespielten Stücks an eine Zentrale schicken. Eine Software erkennt Interpret und Titel des Stücks und sendet die Informationen als SMS an den Mobilfunkkunden.
Fotos und Videos lassen sich künftig mit einem Ortsstempel versehen. Dann können die Handynutzer immer sehen, wo sie die Aufnahmen mit ihrem Telefon gemacht haben. In demnächst hergestellten Mobiltelefonen werden nicht mehr nur die kleinen Bildschirme Videos wiedergeben können. Im Gehäuse werden Mini-Beamer eingebaut sein, die das Bild auf den Tisch oder an eine Wand projizieren.
Organizer
Neue Software kann die vom Nutzer erstellte Liste mit Erledigungen mit einer Routenplanung verknüpfen. Das Programm macht Vorschläge, in welcher Reihenfolge der Nutzer zum Beispiel seine Einkäufe erledigen kann. Darüber hinaus zeigt die Software an, wie der Anwender zu den Geschäften kommt, unter anderem mit den Abfahrtzeiten der Busse und U-Bahnen.
Medien
Mit einigen Handys ist es neuerdings möglich, Radio und Fernsehen kostenlos über das digitale Antennenfernsehen DVB-T zu empfangen. Seit dieser Woche läuft auch das für die kleinen Bildschirme eines Mobiltelefons besser geeignete DVB-H abseits von Tests. In Hamburg, München, Frankfurt und Hannover hat der Betreiber Mobile 3.0 den Sendebetrieb gestartet. Zu empfangen sind vorerst aber lediglich neun Fernseh- und drei Radioprogramme.
Spiele
Da die Speicher in Handys immer größer werden, gibt es auch immer bessere Spiele für die Telefone. Bei einer Mobil-Flatrate sind auch Online-Spiele möglich. Dazu gibt es zahlreiche neue Lernprogramme für unterwegs. Wenn der GPS-Sensor erkennt, dass der Besitzer in der U-Bahn sitzt, startet sich das Lernprogramm von selbst.
Navigation
Auch im neuen iPhone dürfte ein GPS-Empfänger eingebaut sein, der immer die Position des Handys erfasst. Navigationssoftware liefert dazu Routenempfehlungen und Informationen über Restaurants und Sehenswürdigkeiten in der Nähe. Da Handys ihre Position an einen Mobilfunkmast funken, ist schon jetzt zu erkennen, in welcher Mobilfunkzelle sich der Besitzer gerade befindet. Wenn fast alle Handys aus einer Zelle Stillstand melden, könnte es sich um einen Verkehrsstau handeln. Diese Information erhalten registrierte Handys, um Autofahrer vor dem Stau zu warnen.
Bezahlen
In einem Geschäft bei Düsseldorf hat jetzt die Handelskette Metro außerdem einen Test mit Bezahlen über Handy gestartet. 100 Testpersonen können als Kunden mit ihrem Kamerahandy Strichcodes der Produkte fotografieren und abspeichern. Das Ergebnis des Einkaufs zeigt der Bildschirm des Telefons ebenfalls als Strichcode an, den ein Lesegerät an der Kasse erfasst.
Computer
Vor allem Smartphones sind mobile Computer geworden. Schon jetzt laufen viele Telefone mit Betriebssystemen wie PCs auch. Und genau wie diese Rechner werden auch sie anfällig für Attacken von außen. Je mehr Funktionen die Handys beherrschen, je stärker sie vernetzt und je häufiger sie mit dem Internet verbunden sind, desto eher sind sie anfällig für Computerviren.



