Vielen Websurfern scheint gar nicht bekannt zu sein, dass es neben dem Internet Explorer noch andere Programme gibt, mit denen sie sich durch das Internet klicken können. So sehr dominiert die Microsoft-Software den Markt. Das könnte sich ändern: Seit dieser Woche entscheiden Nutzer von Windows 7 selbst, welchen Browser sie parallel zum Betriebssystem installiert haben möchten. Microsoft erfüllt damit Forderungen der Europäischen Union und bietet insgesamt zwölf Optionen. Zu den fünf größten gehören neben dem Explorer noch die Nächstplatzierten Firefox, Chrome, Safari und Opera.
Kompatibel: Explorer. Die inzwischen achte Version des Internet Explorers (IE) stellt im Gegensatz zum Vorgänger Grafiken unterschiedlichster Formate zuverlässig dar. Seine Vormachtstellung seit Windows 95 kommt auch dem Nutzer zugute: Die meisten Webseiten lassen sich fehlerfrei anzeigen, weil sie erstrangig für Microsofts Browser programmiert sind. Dieser Bonus vor der Konkurrenz ist gleichzeitig auch eine Schwäche.
Seine weite Verbreitung macht den IE zum Hauptziel von Angriffen auf die Datensicherheit. Zwar stopft Microsoft regelmäßig die Sicherheitslücken, allerdings vergeht zwischen den Eingriffen zu viel Zeit. Die mit IE7 eingeführte Registernavigation, womit sich mehrere Webseiten in einem Fenster staffeln lassen, hat Microsoft ebenfalls verbessert. Sollte der Browser abstürzen, wird das Fenster mit allen Registerkarten wiederhergestellt.
Flexibel: Firefox. Die Mozilla-Software Firefox ist der wandelbarste aller Browser. Der inoffizielle Nachfolger des Ur-Browsers Netscape Navigator erscheint seit 2002 und gibt seitdem auch Hobby-Entwicklern die Möglichkeit, selbst entworfene Erweiterungen zu veröffentlichen. Diese Mini-Programme lassen sich kostenlos über Mozillas Webseite herunterladen und mit einem Mausklick in den Firefox einbinden.
Es gibt Hunderte solcher Programme. Die beliebtesten Erweiterungen unterdrücken zum Beispiel Werbung, übersetzen Fremdwörter oder ändern das Aussehen des Browser-Fensters. Mit etwas Sorgfalt lässt sich der Firefox problemlos dem individuellen Internet-Verhalten anpassen. So gibt es Erweiterungen, die auf soziale Netzwerke zugreifen, Videos herunterladen oder Bilder aufnehmen. Die Geschwindigkeit vom Firefox liegt zwar über der des Internet Explorers, im Vergleich zur Konkurrenz ist sie allerdings nur Durchschnitt.
Schnell: Chrome. Als Suchmaschinenhersteller Google 2008 seinen ersten Browser veröffentlichte, warnten Datenschützer davor, dass Chrome das Internet-Verhalten seiner Nutzer erfasst. Das schreckte viele ab. Inzwischen hat Google die Datenverfolgung über Chrome abgeschafft und ist zum drittbeliebtesten Browser-Anbieter aufgestiegen.
Überzeugen kann Chrome vor allem durch seine konkurrenzlose Schnelligkeit. Gründe dafür sind unter anderem das schlichte Design und die optisch einfache Bedienungsoberfläche. Innovative Funktionen wie die Einheit aus Adressleiste und Suchmaschine sind selbst für Internet-Einsteiger sofort ersichtlich. Aktuell einzigartig ist die Unabhängigkeit der Registerkarten: Stürzt eine Webseite ab, so ist nur sie selbst und nicht das komplette Fenster betroffen.
Auch Hobby-Programmierer beteiligen sich an Chromes Entwicklung und entwerfen nützliche wie unterhaltsame Software. So lassen sich Schaltflächen für Facebook und Wettervorhersagen integrieren oder Funktionen einbinden, die auf Befehl ganze Internet-Sitzungen wiederherstellen.
Elegant: Safari. Apples schicker Browser Safari funktioniert auf Mac-Rechnern wie auf Windows-PCs. Im kostenlosen Download-Paket mit dem Musikprogramm iTunes und der Multimediasoftware Quicktime konnte Safari einen ansehnlichen Marktanteil gewinnen. Problematisch ist dabei die standardisierte Installation mit iTunes. Safaris intuitive Navigation und sein übersichtliches Design stehen in einer Linie mit Apples Betriebssystem Mac OS X.
Wie die Konkurrenz unterstützt Safari Sortier- und Navigationshilfen wie Registerkarten. iTunes-, iPhone- und iPod-Nutzer kennen die 3-D-Darstellung von Plattencovers auf dem Bildschirm ihres MP3-Players schon, für Safari hat Apple das Konzept ähnlich umgesetzt. Ebenfalls praktisch: Per Mausrad oder Navigationsbalken blättern Nutzer durch Webseiten.
Individuell: Opera. Registerkarten, Mausgesten oder Schnellwahl - Innovationen zur Navigation durch das Web beherrscht Opera oft als erster der fünf großen Anbieter. Nutzer des norwegischen Browsers klicken schon seit zehn Jahren mit Gesten der Maus durch Registerkarten, blättern durch Webseiten, öffnen Fenster oder wechseln zur Startseite. Ebenfalls praktisch ist eine Schnellwahl, die ihnen ermöglicht, bis zu 25 Lesezeichen in einem Auswahl-Fenster anzulegen. Ein Klick auf das Vorschaubild reicht aus, und Opera lädt die Webseite.
Die Navigation durch das Netz kann Opera um bis zu 80 Prozent beschleunigen: Per Turbo-Schalter am unteren Bildschirmrand legt der Nutzer fest, ob Bilder in einer niedrigeren Auflösung geladen werden. Das verringert die Zeit für den Seitenaufbau beträchtlich.
Neben den populärsten Alternativen zum Internet Explorer werden noch eine ganze Reihe weiterer Browser weiterentwickelt, zum Beispiel von T-Online und AOL. Auch Exoten sind darunter, zum Beispiel Space Time 3D. Die Software gibt die Inhalte der Webseite in räumlicher Tiefe wieder. Interessant werden solche Browser wohl erst, wenn sie in 3-D gefilmte Objekte auch dreidimensional auf dem Monitor zeigen. Dann können Kunden vom Heimrechner aus schon mal die ausgewählte Kaffeemaschine im Online-Shop vorab von allen Seiten begutachten.




