Pflege in Berlin

Neues Bündnis will doppelt so viele Azubis in der Pflege

Senatorin Dilek Kolat (SPD) und Branchenvertreter schließen den „Berliner Pakt für die Pflege“, um Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Eine Pflegerin betreut eine Seniorin im Pflegeheim. Es mangelt massiv an Pflegekräften.

Eine Pflegerin betreut eine Seniorin im Pflegeheim. Es mangelt massiv an Pflegekräften.

Foto: Pa / picture alliance

Die Zahl der Auszubildenden in der Berliner Alten- und Krankenpflege soll kurzfristig „deutlich erhöht“ und danach mindestens verdoppelt werden. Darauf haben sich die Unterzeichner eines „Berliner Pakts für die Pflege“ verständigt. Gesundheits- und Pflegesenatorin Dilek Kolat (SPD) hatte wichtige Vertreter dieses Bereichs an einen Tisch geholt, um gemeinsam Ziele zu definieren und Umsetzungsschritte zu vereinbaren.

Beteiligt sind unter anderem AOK Nordost, Caritas, Diakonie, Arbeiterwohlfahrt (Awo) und Paritätischer Wohlfahrtsverband, die wichtigsten Pflegeberufsverbände, der Kommunale Arbeitgeberverband sowie die Gewerkschaft Verdi.

Zurzeit werden rund 6000 Alten- und Krankenpfleger ausgebildet

Langfristig will Kolat zu einem „bedarfsgerechten Ausbau“ der Ausbildung kommen. Dazu soll zunächst eine Datengrundlage erstellt und regelmäßig aktualisiert werden, um den Bedarf zu ermitteln. Derzeit werden rund 3000 Auszubildende in der Altenpflege und knapp 2900 in der Krankenpflege gezählt. Nach Experten-Prognosen müssen in den kommenden Jahren etwa 10.000 zusätzliche Pflegekräfte ausgebildet werden.

Bis wann die Verdoppelung der Ausbildungskapazitäten erreicht werden soll, ist noch offen. Der Zeitplan werde gemeinsam abgestimmt, betonte Kolat.

In Schulen und Lehrkräfte muss investiert werden

Einigkeit bestehe aber in der Überzeugung, dass nun in neue Gebäude für die Ausbildung, zusätzliche Lehrkräfte an den Pflegeschulen und mehr Praxisanleiter investiert werden muss. „Alle Kräfte werden gebündelt und alle machen, was ihnen möglich ist“, erläuterte Kolat die Selbstverpflichtung.

Zudem wollen sich die am Pflegepakt beteiligten Institutionen für bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere und höhere Vergütung der Pflegekräfte sowie Tarifverträge einsetzen. Die Senatorin trat dem Eindruck entgegen, der Pflegeberuf sei unattraktiv. „Viele junge Menschen sagen, der Beruf ist attraktiv, die Bedingungen sind es aber nicht.“

30 Menschen beginnen die Ausbildung, nur 13 legen Examen ab

Das unterstrich Krankenpflegerin Sofie Weißflog, aktiv im Bundesverband für Pflegeberufe. In ihrem Jahrgang hätten 30 junge Menschen die Ausbildung begonnen, aber nur 13 das Examen gemacht. Die Ausbildung sei qualitativ sehr gut, bei vielen gehe aber Motivation in der Praxis schnell verloren.

„Es gelingt uns bislang nicht, Pflegefachkräfte längerfristig zu halten“, betonte die Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin, Gabriele Schlimper. So gebe es in der Pflege eine höhere Personalfluktuation als in anderen Branchen. Nach sieben bis zehn Jahren würden die meisten Fachkräfte den Beruf verlassen. Es müsse gelingen, Pflegekräfte im Beruf zu halten, aber auch wiederzugewinnen. Es gebe mehrere Zehntausend ausgebildete Pflegekräfte in Berlin, die aus dem Beruf ausgestiegen sind, sagte Schlimper. Viele seien zur Rückkehr bereit, wenn die Arbeitsbedingungen verbessert würden.

„… den letzten Schuss nicht gehört“

Kolat kritisierte, dass der „Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste“ (bpa) sich nicht an dem Pakt beteilige. Die privaten Anbieter von Pflegeleistungen spielen indes eine große Rolle. Sie machen in der Hauptstadt etwa 50 Prozent bei den Heimbetreibern und 70 Prozent bei den ambulanten Pflegediensten aus. „Die haben den letzten Schuss nicht gehört“, monierte Kolat.

Dagegen konterte der bpa, er habe vor mehreren Monaten auf den Entwurf zu der Vereinbarung reagiert. „Unsere Anpassungsvorschläge blieben bis letzte Woche ohne Rückmeldung“, sagte der Landesvorsitzende Alexander Waldow. „Leider können wir uns des Eindrucks nicht erwehren, dass nur kleine Interessengruppen beteiligt werden sollen. Von unserer Seite aus bleibt das Gesprächsangebot weiterhin bestehen.“