Sonnencremes sollten besonders in der warmen Jahreszeit einen festen Bestandteil in der Morgenroutine bilden. Denn sie schützen die Haut vor den schädlichen Auswirkungen der UV-Strahlen, wie vorzeitige Hautalterung und Hautkrebs. Jedoch stehen Sonnenschutzmittel immer wieder wegen bedenklicher Inhaltsstoffe in der Kritik. So zeigen Produkttests, dass oft Kunststoffverbindungen und Weichmacher enthalten sind. Als gesundheitlich bedenklich gelten vor allem Octocrylene in Sonnencremes. Lesen Sie hier den aktuellen Sonnencreme-Test von Stiftung Warentest.
Sonnencremes dürfen nicht zu viel Octocrylen enthalten
Octocrylen ist ein chemischer UV-Filter, der die Haut besonders vor UVB-Strahlung schützen kann, indem er die Strahlen absorbiert und in Form von Wärme wieder abgibt. UVB ist kurzwelliges Licht, das zwar nicht tief in die Haut dringen kann. Es kann aber Sonnenbrände verursachen und auf Dauer Hautkrebs fördern.
Der Wirkstoff wurde erstmals in den 1990er Jahren entwickelt und wird seitdem in vielen Sonnenschutzmitteln eingesetzt. In der Regel ist Octocrylen in Konzentrationen von bis zu zehn Prozent enthalten – mehr darf es aber nicht sein. Denn Octocrylen kann die oberste Hautschicht durchdringen und dadurch gesundheitlich bedenklich sein.

Gefährlicher UV-Filter? Octocrylen könnte krebsfördernd sein
Im Jahr 2021 hat die Europäische Kommission einen Anteil von zehn Prozent Octocrylen als UV-Filter in Kosmetika als unbedenklich für die Gesundheit eingestuft. In höheren Konzentrationen gilt der UV-Filter jedoch als allergieauslösend. So kann Octocrylen etwa die sogenannte Mallorca-Akne begünstigen. Dabei entstehen nach langem Sonnenbaden und bei Verwendung einer fetthaltigen Sonnencreme juckende, rote Pickel auf der Haut.
Als Risiko für die Gesundheit wird aber vor allem das Abbauprodukt Benzophenon bewertet. Dieses entsteht, wenn Sonnencreme mit Octocrylen über längere Zeit geöffnet gelagert wird. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) informiert, dass Benzophenon im Verdacht steht, hormonähnlich zu wirken. Substanzen, die in das Hormonsystem eingreifen, werden als endokrine Disruptoren bezeichnet. Sie stören das natürliche biochemische Gleichgewicht und können unter anderem die Entwicklung der Geschlechtsorgane und die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. Die Verbraucherzentrale rät daher, alte Sonnencremes vorsorglich nicht mehr zu verwenden.
In Tierversuchen hat sich zudem gezeigt, dass Benzophenon Krebs auslösen kann. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass direkter Hautkontakt mit Benzophenon beim Menschen den gleichen Effekt hat. Aufgrund der unzureichenden Datenlage wird Benzophenon von der WHO als „möglicherweise krebserzeugend“ eingestuft.
- Lesen Sie auch: Sonnencreme richtig auftragen: Diese Fehler sollten Sie meiden
Oft unklare Deklaration: So erkennen Sie Sonnencremes mit Octocrylen
Octocrylen wird am häufigsten in Sonnencremes und kosmetischen Produkten mit UV-Schutz verwendet. Es kann aber auch in anderen Produkten wie Lippenbalsam, Feuchtigkeitscremes und Körperpflegemitteln enthalten sein. Daher lohnt es sich, einen Blick auf die Inhaltsstoffe zu werfen.
Wie dem Informationsblatt der Europäischen Kommission zu entnehmen ist, kann sich Octocrylen hinter verschiedenen Bezeichnungen verbergen.
Diese Bezeichnungen auf Verpackungen zeigen an, dass Octocrylen enthalten ist:
| Octocrylen | Octocrilene | 2-Cyano-3,3-diphenylacrylat | 2-Ethylhexyl 2-cyano-3,3-diphenylacrylate |
| 2-Ethylhexyl-2-cyano-3,3-diphenylacrylat | Eusolex OCR | Uvinul N-539 | Parsol 340 |
Sonnencremes mit mineralischen UV-Filtern bergen auch Risiken
Nach Angaben des BfR wird Octocrylen inzwischen nur noch selten eingesetzt. Stichproben hätten zudem gezeigt, dass der Großteil der auf dem deutschen Markt erhältlichen Sonnenschutzmittel mit Octocrylen nicht oder nur geringe Mengen Benzophenon enthalten. Eine gesundheitliche Gefährdung der Verbraucher sei daher nach aktuellem Stand nicht zu erwarten.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Wer mögliche Risiken von Octocrylen meiden möchten, kann auf Alternativen mit mineralischen UV-Filtern setzen. Zertifizierte Naturkosmetik verzichtet vollständig auf chemische Stoffe und setzt auf Titandioxid und Zinkoxid als UV-Filter. Diese sind auch bei längerer Lagerung stabil.
Allerdings sind auch mineralische UV-Filter nicht völlig ohne Risiken, das gilt vor allem für den UVB-Filter Titandioxid. Als Zusatzstoff in Lebensmitteln ist die Substanz seit 2022 in der EU verboten, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie erbgutschädigend wirkt. Als gesichert gilt, dass Titandioxid die Hautbarriere nicht durchdringen kann – auch als Nanopartikel nicht. Darum ist die Verwendung in Kosmetika wie Sonnenschutzmitteln weiterhin erlaubt. Aber: Bei Sonnenschutzsprays, die auf die Haut gesprüht werden, können Titandioxid-Partikel in die Atemwege gelangen.
Quellen
Sonnencreme und Co.: Gibt es gesundheitliche Risiken?, in: bfr.bund.de
Titandioxid - gibt es gesundheitliche Risiken?, in: bfr.bund.de
Krebserregender Stoff in alter Sonnencreme?, in: verbraucherzentrale.nrw





