Medikamententest

Stiftung Warentest: Diese Arzneien sollten Sie meiden

Kombi-Arzneien versprechen schnelle Hilfe. Experten der Stiftung Warentest halten einige für nicht sinnvoll. Das sind Alternativen.

Die Stiftung Warentest hat Kombi-Medikamente getestet. Die Experten halten Alternativen oft für sinnvoller – und risikoärmer.

Die Stiftung Warentest hat Kombi-Medikamente getestet. Die Experten halten Alternativen oft für sinnvoller – und risikoärmer.

Foto: Christin Klose / dpa-tmn

Berlin.  Ein Viertel der 2000 rezeptfreien Medikamente in der Datenbank der Stiftung Warentest bekommt die schlechteste Bewertung: „wenig geeignet“. Dabei geht es um langfristige Wirkung genau wie Nutzfaktor. Denn manche Angebote halten nicht, was sie versprechen – oder sind ausgesprochen schlecht für Teile des Körpers.

In dieser Kategorie tauchen laut Zeitschrift „test“ nicht nur irgendwelche No-Name-Produkte auf – sondern durchaus auch berühmte Fabrikate, wie

  • Aspirin Complex Granulat
  • Thomapyrin
  • Gaviscon Advance
  • Wick Medinait
  • Grippostad C
  • Dolo-Dobendan Lutschtabletten
  • neo-angin Halstabletten

All diesen Produkten attestierte „Stiftung Warentest, dass die Wirkstoff-Kombination über nicht sinnvoll sei. Zur „Dobendan Direkt Lutsch­tabletten Sprühlösung“ heißt es gar: „Die therapeutische Wirk­samkeit des enthaltenen Schmerz­mittels ist – auch im Vergleich zu Schmerz­tabletten zum Einnehmen – nicht ausreichend nachgewiesen.“

Stiftung Warentest: Experten raten von Aspirin Complex ab

Die Warentester prüfen in regelmäßigen Abständen Medikamente und stellen die Ergebnisse in einer Datenbank zusammen. Dass die Arzneimittelexperten zu einem anderen Ergebnis kommen als die Zulassungsbehörden, liegt an der Bewertung: Die unabhängigen Experten legen bei der Prüfung der Präparate strengere Maßstäbe an.

So will das Team etwa wissen, wie ein Mittel langfristig wirkt und ob es von hohem Nutzen für die Patienten ist. „Die Studien laufen oft zu kurz“, wird Professor Gerd Glaeske von der Universität Bremen zitiert, der das Expertenteam leitet. „Nebenwirkungen, die häufig erst nach längerer Einnahme entstehen, lassen sich so nicht erkennen.“

Häufig würden sich die Wirkstoffe nicht sinnvoll ergänzen – und damit sogar das Risiko für Nebenwirkungen steigern. Außerdem seien die Kombipräparate mit bekannten Namen oft teuer. Einzelstoffe separat einzunehmen, sei bei Schmerzen und Erkältung besser.

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Abführmittel können den Darm stark reizen

Die Bewertung „wenig geeignet“ erhält ein Medikament laut Stiftung Warentest, wenn seine therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend belegt oder im Vergleich zu seinen Nebenwirkungen gering ist. Als Beispiel nennen die Warentester etwa Abtei-Abführkapseln mit Rizinusöl gegen Magen-Darm-Beschwerden oder Kräuterlax mit Aloe gegen Verstopfung. Die Präparate wirkten stark abführend und würden so den Darm sehr reizen.

Doch es gibt Alternativen. So empfehlen die Experten etwa statt Aspirin Complex Granulat gegen Schmerzen und Fieber den Wirkstoff Azetylsalizylsäure allein (zum Beispiel ASS oder Aspirin). Und zusätzlich bei Schnupfen ein Nasenspray. Statt zu Grippostad C raten die Tester bei Schmerz und Fieber zu Paracetamol und zusätzlich bei Bedarf zu Nasenspray.

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Eine Liste von 35 bekannten, aber wenig geeigneten Mitteln gibt es kostenfrei auf test.de. Die komplette Liste der 2000 rezeptfreien und 7000 rezeptpflichtigen Präparate gibt es dort kostenpflichtig. (lary)