Studien

Warum Kaffeetrinken nicht unbedingt ungesund sein muss

Lange galt das Koffeingetränk als schädlich und ungesund. Doch mittlerweile mehren sich Studien, die gesundheitliche Vorteile belegen.

Ein frischer Kaffee serviert in Caracas (Venezuela): Der Konsum des Getränks muss nicht schädlich für die Gesundheit sein.

Ein frischer Kaffee serviert in Caracas (Venezuela): Der Konsum des Getränks muss nicht schädlich für die Gesundheit sein.

Foto: © Jorge Silva / Reuters

Kiel/Potsdam.  Die Deutschen lieben Kaffee: Beim Konsum des Heißgetränks liegt Deutschland nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbands weltweit auf Platz drei, hinter den USA und Brasilien. 2014 konsumierte ein Bundesbürger demnach durchschnittlich 162 Liter – fast einen halben Liter pro Tag. Lange Zeit galt hoher Kaffeekonsum als bedenklich. Inzwischen wird er sogar zunehmend mit positiven Effekten in Verbindung gebracht. Doch die zahllosen Studien kommen zu widersprüchlichen Resultaten.

Verkompliziert wird die Forschung dadurch, dass Menschen unterschiedlich auf den Hauptwirkstoff Koffein reagieren – etwa je nachdem, ob sie den Wirkstoff langsam oder schnell abbauen. Die Wirkung von Koffein ist äußerst komplex. In der Kaffeepflanze funktioniert der Wachmacher eigentlich als Fraßschutz, der Insekten betäubt oder tötet. „Koffein ist eigentlich ein Gift, aber in geringen Dosen regt es den Kreislauf an und fördert die Konzentration“, erklärt Getränketechnologe Prof. Bernd Lindemann von der Hochschule Geisenheim. Eine wirklich giftige Dosis erreiche ein normaler Mensch nicht: „Dafür müsste man schon 100 Tassen am Tag trinken.“

Koffein bremst Botenstoff Adenosin

Für die Funktion als Muntermacher sorgen vor allem zwei Mechanismen. Koffein verengt die Gefäße, das Herz muss dadurch das Blut mit mehr Druck pumpen. Herz- und Atemfrequenz steigen, das Gehirn und der Rest des Körpers werden optimal mit Blut versorgt. Zudem blockiert Koffein den Botenstoff Adenosin. „Adenosin könnte man als eine Art Bremse im Gehirn verstehen“, erklärt die Pharmakologin Prof. Karen Nieber von der Universität Leipzig. Der Stoff macht schläfrig und hemmt den Austausch zwischen Nervenzellen. Genau diese Bremse löst Koffein.

Die Folge: Wir fühlen uns wach, können uns besser konzentrieren. Nach dem Hoch kommt jedoch das Tief: Bei einem Erwachsenen lässt die Wirkung nach rund vier Stunden nach, so die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Da hilft dann nur eins: Nachschub oder eine Ruhephase.

Auf der stimulierenden Wirkung basieren auch die Befürchtungen, Kaffee könnte das Risiko eines Herzinfarkts erhöhen. Studien dazu liefern zwar widersprüchliche Ergebnisse, die meisten geben aber Entwarnung – darunter auch die 2012 veröffentlichte EPIC-Studie unter Leitung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung mit 42.000 Teilnehmern. „Eigentlich trainiert die erhöhte Herzfrequenz den Herzmuskel sogar“, betont Nieber. Und erst im Januar kam ein Überblicksartikel von Forschern der Emory University in Atlanta im „Journal of the American Heart Association“ zu dem Schluss, dass Kaffee das Risiko für Herzerkrankungen oder Herzrhythmusstörungen nicht erhöht.

Forschungslage ist widersprüchlich

Bei Krebs ist die Lage verzwickter. Während manche Forscher behaupten, Kaffee erhöhe das Krebsrisiko, gehen andere Experten von einer Schutzwirkung aus. Ein erhöhtes Krebsrisiko ergab etwa die EPIC-Studie nicht. Aber auch etwaige vorbeugende Effekte bewertet Pharmakologin Nieber mit Skepsis. „Das sind alles Studien, die an Zellkulturen gemacht wurden.“ Kaffeestudien zum Alzheimer-Risiko beruhen demnach oft auf Tierversuchen.

Als ziemlich wahrscheinlich gilt, dass Kaffee das Risiko senkt, an Diabetes 2 zu erkranken. Das bestätigte auch die EPIC-Studie: Wer täglich mehr als vier Tassen – über 600 Milliliter – koffeinhaltigen Kaffee konsumierte, hatte im Vergleich zu Menschen, die durchschnittlich weniger als eine Tasse tranken, eine um 23 Prozent verringerte Gefährdung. An Koffein allein scheint der Effekt nicht zu liegen, denn auch der Konsum von entkoffeiniertem Kaffee ging mit einer verminderten Gefährdung einher.

Kaffee gegen Asthma

Zur Behandlung von Asthma wird Koffein schon seit dem 19. Jahrhundert erfolgreich eingesetzt. Die Praxis zeigt, dass der Stoff Patienten für etwa zwei bis vier Stunden Erleichterung bringen und die Atemwege entkrampfen kann. Zur Langzeitwirkung ist jedoch wenig bekannt.

Insgesamt gibt es also wenig konkrete Hinweise, die gegen das Heißgetränk sprechen – zumindest bei einem maßvollen Konsum von bis zu vier Tassen pro Tag.

Ausnahmen sind etwa Osteoporosepatienten. Kaffee könne den Knochenschwund fördern, so Nieber. Auch Schwangere sollten vorsichtig sein. Die EFSA empfiehlt, nicht mehr als 200 Milligramm Koffein pro Tag zu konsumieren – also zwei bis drei Tassen Kaffee. (mit dpa)