Ob Bürostuhl, Schreibtisch, Fahrrad, Schuhe oder Bett: Alltägliche Gebrauchsgegenstände haben mehr Einfluss auf unseren Bewegungsapparat als vielen bewusst ist. So können schlechte Polsterungen, ungünstige Formgebungen sowie falsche Sitzhöhen zu Fehlhaltungen des Nutzers und damit zu Rücken- oder Gelenkschmerzen führen. Mittlerweile gibt es jedoch immer mehr Hersteller, die gesundheitliche Aspekte bei ihren Produkten in den Fokus stellen.

Wichtig ist, auf welche Merkmale man achten soll, um Fehlkäufe zu vermeiden. „Rückenschonendes optimiertes Stehen, Sitzen, Liegen, Heben, Tragen, Bücken, die Nutzung rückenfreundlicher Produkte sowie die entsprechende Umfeld- und Arbeitsplatzgestaltung sind für einen gesunden Rücken lebensnotwendig“, sagt Orthopäde und Sportmediziner Bernd Reinhardt, Bundesverband der deutschen Rückenschulen (BdR).

Ein Gütesiegel zur Orientierung

Grundsätzlich gilt, dass sich ergonomisch sinnvolle Produkte den Bedürfnissen und unterschiedlichen Körpermaßen der Menschen individuell anpassen lassen sollten. Der Verein „Aktion Gesunder Rücken“ (AGR) hat für diese Produkte ein Gütesiegel als Orientierungshilfe entwickelt. Außerdem bringt der Verein einen neuen Ergonomie-Ratgeber mit nützlichen Tipps heraus. Darin erfährt der Leser nicht nur viel Wissenswertes über rückenfreundliche Möbel und andere Gebrauchsgegenstände sondern auch über die Ursachen von Rückenschmerzen. Zudem gibt es viele Ratschläge für einen rückenfreundlichen Alltag.

Bei einem guten Bett sind Lattenrost, Matratze und Kissen auf die anatomischen Bedürfnisse des Schläfers abgestimmt. Die Wirbelsäule sollte in den Rücken- und Seitenhaltungen so liegen, wie es ihrer Form im aufrechten Stehen in etwa entspricht. Bandscheiben werden dadurch entlastet und auch die Muskulatur kann entspannen.

Für einen erholsamen Schlaf

Das erreicht man am besten, mit einer flexiblen Unterfederung und einer darauf abgestimmten Matratze – einem „Bettsystem“. Eine optimale Unterfederung hat im Schulterbereich eine weichere Zone und lässt die Schulter in Seitenlage etwas tiefer einsinken.

Ein Bett mit System lässt sich auch auf Gewicht und Körperform einstellen. Einzelzonen können individuell angepasst werden, so dass der Körper zum Beispiel im Kreuzbereich nach Bedarf stärker gestützt oder entlastet wird.

Nützlich ist auch ein verstellbares kurzes (etwa 30 Zentimeter) Kopfteil. Es verbessert die Anpassung im Schulter- und Armbereich. Außerdem unterstützt es die körpergerechte Lagerung des Kopfes und der Halswirbelsäule. Auch bei Matratzen gibt es Modelle, die eine Schulterzone, eine stützende Lendenzone und eine weichere Zone im Fersenbereich bieten.

Eine entscheidende Rolle spielt auch das Kissen. Es muss die Halswirbelsäule abstützen, deshalb sollten nur Kopf und Nacken darauf liegen. Ideal sind die Maße 40 mal 80 Zentimeter. In der Seitenlage darf der Kopf weder nach unten absinken noch nach oben angehoben werden.

Optimal sitzen im Büro

Auch der Bürostuhl beeinflusst unsere Gesundheit und Leistungsfähigkeit erheblich. Er sollte individuell anpassbar sein, die Wirbelsäule stützen sowie wechselnde Arbeitshaltungen ermöglichen. Wichtig ist zum Beispiel eine synchrone Verstellung von Sitzfläche und Rückenlehne.

Der sogenannte Anlehndruck der Rückenlehne sollte sich auf die Nutzer automatisch einstellen. Beim Anlehnen muss man das Gefühl haben, einen leichten Widerstand zu überwinden – das fördert die Muskelaktivität.

Damit die natürliche Form der Wirbelsäule auch beim Sitzen erhalten bleibt, muss die sogenannte Lendenwirbelsäulenstütze korrekt eingestellt werden können – oder sich automatisch anpassen. Außerdem sollte die Rückenlehne so hoch wie möglich sein, damit die Brustwirbelsäule beim Zurücklehnen entlastet wird.

Notwendig ist auch eine einstellbare Sitzflächentiefe sowie eine Abfederung der Sitzfläche, um die Wirbelsäule beim Hinsetzen vor Stößen zu schützen. Darüber hinaus sind Armlehnen von Vorteil: Sie erleichtern rückengerechtes Hinsetzen und Aufstehen und entlasten die Schultergürtelmuskulatur. Zudem sollten sie höhen- und tiefenverstellbar sein.

Weitere Informationen sowie die neue Broschüre der „Aktion Gesunder Rücken“ unter www.agr-ev.de