Im Vergleich zu anderen Volkskrankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes erscheinen Rückenleiden erst einmal recht unbedeutend. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Etwa 75 Prozent aller Deutschen leidet mindestens einmal im Leben an Rückenschmerzen. Besonders alarmierend: Mittlerweile sind immer mehr Kinder- und Jugendliche davon betroffen.

Auch unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten nehmen Rückenschmerzen eine schwerwiegende Rolle ein. Im Jahresbericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin heißt es, dass Erkrankungen des Bewegungsapparates, vor allem des Rückens, der häufigste Grund für Krankschreibungen in Deutschland sind. Etwa jeder zehnte Krankheitstag ist auf solch eine Diagnose zurückzuführen. Etwa 49 Milliarden Euro kostet das den Staat jedes Jahr.

Mehr Bewegung kann helfen

In etwa 85 Prozent der Fälle liegt keine krankheitsbedingte Ursache für die Schmerzen vor. Die Gründe sind dem Bericht zufolge stattdessen häufig selbst verschuldet: Zu wenig Bewegung, falsche Bewegung oder anhaltende zu starke Belastung sind die Hauptursachen für wiederholte Rückenbeschwerden.

Aber auch psychische Faktoren wie seelischer Stress spielen eine große Rolle für Verspannungen, die sich rasch zu ernsthaften Problemen auswachsen können. Etwa ein Drittel der Befragten vermutet Stress als Auslöser für seine Rückenschmerzen. Dafür spricht auch, dass Menschen, die unzufrieden mit ihrer Arbeit sind, 2,5 Mal häufiger über Rückenschmerzen klagen als Menschen, denen ihr Job Spaß macht. Während andere Kopfschmerzen oder Magendrücken bekommen, liegt bei ihnen die Last im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Rücken. Psychische Anspannung lässt Muskeln schmerzhaft verkrampfen.

Die „sitzende Tätigkeit“ in Kombination mit fehlendem körperlichen Ausgleich wie Gymnastik, Ausdauersport oder Krafttraining gelten als wesentliche Ursache für Rückenprobleme. Muskeln und Bänder brauchen regelmäßige Belastung, um leistungsfähig zu bleiben. Dauernde Unterforderung durch mangelnde Bewegung lässt die Strukturen des Bewegungsapparates verkümmern. Schmerzen oder Verletzungen sind die Folge.

Muskulatur stützt die Wirbelsäule

„Ein Großteil der Rückenbeschwerden verschwindet wieder so plötzlich, wie er gekommen ist – auch ohne großes Zutun. Allerdings haben wir inzwischen schon sehr viele Patienten mit chronischen Rückenproblemen“, erläutert Thomas Pauly vom Vorstand des Deutschen Orthopädenverbandes. Aus seiner Sicht könnten die meisten Menschen im Vorfeld etwas tun, damit der Rücken erst gar nicht zwickt: „Ganz einfach Sport treiben. Der Mensch ist nicht für das lange Sitzen gemacht, sondern ist ein Bewegungswesen.“

Eine gut ausgeprägte Bauch- und Rückenmuskulatur stützt die Wirbelsäule, den gesamten Bewegungsapparat. Dabei muss es aus seiner Sicht kein spezieller Kursus sein, nicht eine bestimmte Sportart. „Die Leute sollen das machen, was ihnen Freude bereitet. Hauptsache, sie bewegen sich.“ Bewegung die Spaß macht, hat auch noch einen weiteren positiven Nebeneffekt. Es werden Endorphine ausgeschüttet, Glückshormone, die ein Strahlen auf das Gesicht zaubern.

Kinder sind richtige Couchpotatoes

Während bei den Erwachsenen die Ursache für Rückenschmerzen in der überwiegend sitzenden Berufstätigkeit liegt, ist es bei Kindern- und Jugendlichen das veränderte Freizeitverhalten. „Früher tobten die Kinder frei in Parks und auf Spielplätzen.

Heute wird der natürliche Bewegungsdrang meistens unterdrückt“, erläutert der Orthopäde Jürgen Wismach. Vom Schreibtisch in der Schule geht es in der Pause auf die Bank um zu chatten oder zu zocken. Und anschließend chillt die Jugend auf der Couch zu Hause vor den Fernseher.

Die kurzen Wege dazwischen werden meist sitzend in Autos, Bussen oder Bahnen verbracht. „Unsere Kinder sind richtige Couchpotatoes geworden. Die Folge sind Haltungsschäden durch eine zu wenig ausgeprägte Muskulatur“, erklärt der Präsident des Berliner Sportärztebundes. Wismach plädiert für eine Sportstunde mehr pro Woche und für bewegte Pausen, das könne schon viel helfen.

Sport treiben – auch im Alter

Übrigens ist man nie zu alt für Sport. Und wenn der Rücken schon schmerzt, bloß nicht in eine Schonhaltung verfallen. Stattdessen sollte man sich lieber vielfältig bewegen – auch, oder gerade dann, wenn die Schmerzen bereits da sind. Nach einer Studie aus der Schweiz hilft Aerobic langfristig am besten gegen Rückenschmerzen, besser als Krankengymnastik und Krafttraining.