Rund 500 Leser der Berliner Morgenpost waren am 4. Juni zu Gast beim 7. Medizinforum der Friede Springer Herz Stiftung im Verlagshaus Axel Springer. Experten beantworteten Fragen zu Herzvorsorge, populären Irrtümern bei Herzleiden und zum Zusammenhang zwischen Herzgesundheit und Schlaganfall. Außerdem gab es eine Verlosung: Morgenpost-Leser hatten ein Herzrätsel gelöst, zehn von ihnen erhielten je ein hochwertiges Blutdruckmessgerät, Dieter Radke gewann zusätzlich ein einstündiges Info-Gespräch mit Professor Roland Hetzer, dem Leiter des Deutschen Herzzentrums Berlin. Die Veranstaltung moderierte Norbert Lossau. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten des Forums, zusammengefasst von Wolfgang W. Merkel.
Wie entsteht ein Schlaganfall?
Professor Matthias Endres: Ursache eines Schlaganfalls sind Gefäßerkrankungen des Gehirns: meist eine Durchblutungsstörung, seltener eine Blutung. Typischerweise treten die Defizite beim Schlaganfall plötzlich auf: Dies können etwa eine halbseitige Lähmung, Gefühlsstörung, Sprach- oder Sprechstörung wie Nuscheln oder Wortsalat, Schwindel, einseitige Blindheit oder Doppeltsehen sein. Meist handelt es sich um einen Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel. Dann wird Hirngewebe nicht mehr durchblutet. Außerdem gibt es die „transitorische ischämische Attacke“ (TIA) – eine vorübergehende Durchblutungsstörung, bei der sich die Beschwerden nach wenigen Minuten bis zu einem Tag wieder zurückbilden. Auch das muss man abklären und behandeln lassen, denn das Risiko, nach einer TIA einen Schlaganfall zu erleiden, ist hoch. Häufig kommt es zum Gefäßverschluss durch Gefäßverkalkung als Folge von Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen. Von der Verkalkung ausgehend, können sich Gerinnsel bilden, die die Halsschlagader oder Blutgefäße im Gehirn verschließen.
Was verbindet Herzleiden und Schlaganfall?
Endres: Herzerkrankungen sind eine weitere wichtige Ursache für Schlaganfall, etwa Herzschwäche (Herzinsuffizienz), wenn also das Herz nicht mehr richtig pumpt, aber vor allem Herzrhythmusstörungen. Wenn der Puls unregelmäßig schlägt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Patient ein Vorhofflimmern hat. Dadurch bilden sich Blutgerinnsel im Herz, und diese Gerinnsel können mit dem Blut im Gehirn landen, dann bekommt man einen Schlaganfall. Das Vorhofflimmern ist für ein Fünftel aller Schlaganfälle verantwortlich.
Was ist bei einem Schlaganfall zu tun?
Endres: Hier gilt: „Zeit ist Hirn“, deshalb dürfen Sie im Verdachtsfall nicht auf eine Besserung warten oder den Hausarzt anrufen, sondern sofort über 112 die Feuerwehr. Der Patient muss schnell ins nächste Krankenhaus mit einer Schlaganfall-Spezialstation. Eine große betroffene Hirnregion kann dann gerettet werden, wenn das verschlossene Hirngefäß wieder geöffnet wird. Zur Therapie gehört die Thrombolyse, also das Auflösen des Gerinnsels durch ein gerinnungsaktives Medikament. Wir könnten viel mehr erreichen, wenn mehr Patienten früh in die Klinik kämen. Seit Kurzem ist in Berlin das „Stroke Einsatz Mobil“ („Stemo“) in Betrieb. An Bord sind ein Notarzt mit neurologischem Fachwissen und alles für die Akutdiagnostik und -therapie, insbesondere ein Computertomograf. Damit gelingt es, die Zeit vor dem Eintreffen in der Klinik zu nutzen.
Wie schützt man sich vor Schlaganfall?
Endres: Zum einen durch Therapie des Bluthochdrucks. Wenn wir ihn komplett verhindern könnten, hätten wir nur noch halb so viele Schlaganfälle. Das Zweite ist das Vorhofflimmern. Wer einen unregelmäßigen Herzschlag hat, muss das abklären und gegebenenfalls behandeln lassen. Denn wenn nach einem Schlaganfall das Vorhofflimmern nicht behandelt wird, beträgt das Risiko für einen weiteren Schlaganfall in den nächsten fünf Jahren 50 Prozent!
Medikamente bieten also eine wirksame Vorbeugung?
Endres: Im Prinzip ja, aber ein großes Problem ist, dass die Medikamente oft nicht eingenommen werden. Nach ein bis zwei Jahren nimmt nur noch die Hälfte der Patienten die Arzneien. Wir haben ein immenses Potenzial, die Prävention zu verbessern, wenn die Patienten die richtigen Medikamente nehmen und gut eingestellt sind.
Was ist die häufigste falsche Annahme zu Herzkrankheiten?
Professor Steffen Behrens: Zu den häufigsten gehören diese: „Ich habe im Brustkorb so ein Brennen, es drückt auch hinter dem Brustbein – das liegt bestimmt an dem fetten Essen heute Mittag.“ Oder: „Ich kriege so schlecht Luft, habe schon das Fenster aufgemacht. Gestern war es lausig kalt, ich habe mir bestimmt eine Bronchitis geholt.“ Oder: „Habe ich heute Rückenschmerzen, vor allem zwischen den Schulterblättern. Ich habe mich bestimmt gestern verhoben.“ Alles das sind Beschwerden, die auf einen Herzinfarkt hindeuten. In solchen Fällen muss man schnell in die Klinik.
Gibt es weitere Herzinfarktsymptome?
Behrens: Die Symptome sind Druck auf der Brust, Brennen hinter dem Brustbein, Schmerzen in den Armen, am Rücken und zwischen den Schulterblättern, dazu Luftnot, Übelkeit und Schweißausbruch. Diese Beschwerden zu verkennen kann tödlich sein. Ein weiterer Irrtum: „Ich krieg’ kaum Luft, und der Brustkorb tut höllisch weh. Hoffentlich bekomme ich keinen Herzinfarkt. Ich geh zu meinem Hausarzt.“ Falsch: Der Herzinfarkt ist schon da, und Verzögerung kann tödlich sein. Also: 112 wählen. Wenn sie Brustschmerz oder Luftnot nennen, kommt mit der Feuerwehr auch ein Notarzt.
Was machen Infarktpatienten falsch?
Behrens: Ich bekomme manchmal zu hören: „Ich hatte vor vier Monaten einen Herzinfarkt. Im Krankenhaus hat man die Arterie geöffnet, ich soll aber trotzdem fünf Medikamente einnehmen. Ich habe ein paar weggelassen, und es geht mir auch nicht schlechter.“ Das ist ein gefährlicher Irrtum, weil die Medikamente – Plättchenhemmer, Cholesterinsenker, ACE-Hemmer und Betablocker – einen neuen Infarkt, Herzschwäche und Rhythmusstörungen effektiv verhüten.
Welche Irrtümer bestehen bei Rhythmusstörungen und Infarkt?
Behrens: Eine häufige Aussage ist: „Der Arzt sagt, ich habe Vorhofflimmern und müsse Marcumar nehmen. Mache ich aber nicht, weil ich über Blutverdünnung schon so viel Schlechtes gehört habe.“ Viele Patienten möchten keine Gerinnungshemmer einnehmen, aber wer Vorhofflimmern hat, hat auch ein großes Risiko für Schlaganfall. Blutungen als Nebenwirkung sind in den meisten Fällen längst nicht so bedrohlich. Ein weiterer Irrtum: „Der ist ja gerade plötzlich umgekippt. Einfach nicht anfassen, wer weiß, was der so hat. Oder möchtest du den jetzt Mund zu Mund beatmen?“ Sofort die Feuerwehr zu rufen ist wichtig, aber entscheidend ist auch, sofort mit der Herzdruckmassage circa 100 Mal pro Minute zu beginnen – Mund-zu-Mund-Beatmung ist dagegen anfangs nicht so entscheidend. Es ist am Anfang noch genug Sauerstoff im Körper, und die Herzdruckmassage kann das Leben retten. Man kann dabei eventuell eine Rippe brechen, aber ohne Herzdruckmassage stirbt der Patient häufig.
Werden Krankheiten unterschätzt?
Behrens: Bei der Herzschwäche bekomme ich manchmal zu hören: „Beim Treppensteigen bekomme ich in letzter Zeit immer so schlecht Luft, bin auch immer so oft müde. Der Arzt hat eine Herzschwäche festgestellt, und ich hatte schon befürchtet, es sei etwas Schlimmes.“ Eine Herzinsuffizienz ist schlimm. Dabei pumpt das Herz nicht mehr genug Blut in den Körper. Ungenügend behandelt, kann sie gefährlicher als Krebs sein. Ein weiterer Irrtum ist: „Ich habe angeblich hohen Blutdruck, merke aber gar nichts davon und möchte deshalb keine Tabletten einnehmen.“ Bluthochdruck ist ein heimlicher Killer. Man bemerkt ihn nicht, aber er ist gefährlich für Herz, Hirn, Nieren und alle Gefäße.
Was denken die Deutschen über das Rauchen und das Übergewicht?
Behrens: „Rauchen ist gar nicht so schlimm“, heißt es oft. „Manche Menschen sind damit auch über 90 geworden.“ Ich kann versichern, Rauchen ist eine tödliche Sucht. Viele Substanzen im Rauch sind krebserregend, verursachen Arteriosklerose und verdoppeln das Herzinfarktrisiko. Nichtraucher leben zehn Jahre länger als Raucher. Außerdem heißt es oft: „Dicksein ist auch nicht schlimm. Dicke sind lustig und gemütlich.“ Das mag stimmen – manchmal sind auch Dünne lustig und gemütlich –, aber deutliches Übergewicht macht krank. Die Adipositas verursacht Gelenkprobleme, Diabetes und Bluthochdruck.
Warum ist Prävention so wichtig fürs Herz?
Professor Verena Stangl: Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen ganz oben auf der Liste der Todesursachen. Aber drei Viertel der Herz-Kreislauf-Todesfälle können durch einen gesunden Lebensstil verhindert werden. Körperliche Aktivität ist dabei das A und O. Auch bei gesundheitlichen Problemen ist es immer irgendwie möglich, sich körperlich zu bewegen: Man kann zum Beispiel Fahrrad fahren, schwimmen, tanzen oder zügig spazieren gehen. Ein halbstündiger strammer Spaziergang reduziert das Risiko für Erkrankungen der Herzkranzgefäße schon um 15 Prozent, bringt man es auf zwei Stunden pro Woche, sinkt das Risiko um fast die Hälfte. Das ist wirklich eindrucksvoll, deshalb wird von Medizinern ein 30-minütiges körperliches Training an 4–5 Tagen der Woche empfohlen.
Wie sieht eine gesunde Ernährung aus?
Stangl: Zum Beispiel ein Speiseplan, wie er für Mittelmeerländer typisch ist: Darauf findet sich viel frisches Obst, Gemüse, Salat, aber auch Ballaststoffe in Form von Vollkornprodukten, pflanzliche Öle, aber wenig tierische Fette. Auch Fisch ist günstig für Herz und Kreislauf. Beim Fleisch sollte man eher zu magerem Geflügel greifen. Allgemein gilt, nehmen Sie wenig Salz zu sich. Man sollte das Nachsalzen vermeiden, da viele Nahrungsmittel per se schon Salz enthalten. Wenig Alkohol wirkt sich günstig auf Herz- und Kreislauf-Erkrankungen aus. Dies gilt aber nur für geringen Alkoholkonsum (z.B. 0,1 l/Tag Wein für Frauen, 0,2 l/Tag für Männer). Sobald wir mehr trinken, steigt das Risiko wieder. Außerdem kann Übergewicht und eine ungünstige Körperfettverteilung ein Risikofaktor sein. Sie können das mit einem Zentimetermaß prüfen: Messen Sie zwischen der untersten Rippe und dem Hüftknochen. Männer haben ab einem Umfang von 102 Zentimeter ein deutlich erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko, Frauen ab 88 Zentimeter. Ganz wichtig für die Prävention des Herzinfarkts ist: Hören Sie mit dem Rauchen auf! So schützen Sie auch ihre Familie, denn Passivrauchen erhöht ebenfalls das Herzinfarktrisiko.
Mit diesen Regeln macht man alles richtig?
Stangl: Fast alles, man muss aber wissen, dass es „stumme“ Risikofaktoren gibt, die lange Zeit keine Beschwerden machen: z.B. erhöhter Cholesterin- oder Blutzuckerspiegel oder auch Bluthochdruck. Die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt mit additiv jedem dieser Risikofaktoren an. Deshalb sollte man ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre einen (übrigens kostenlosen) Gesundheitscheck durchführen lassen.
Welche Rolle spielen Psyche und Soziales?
Stangl: Sie werden immer noch unterschätzt. Stress ist ein relevanter Risikofaktor für Herzinfarkt. Versuchen Sie, Stress abzubauen, nehmen Sie sich Auszeiten, und finden Sie Entspannungsphasen. Auch sollten Sie Ihre sozialen Kontakte pflegen. Menschen mit einem reichen sozialen Umfeld haben ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden. Sie sorgen optimal für sich vor, wenn Sie alle Punkte zusammen beachten: Nicht rauchen, gesunde Ernährung, regelmäßig Sport und Alkohol in Maßen; dann reduzieren Sie die Gefahr eines vorzeitigen Todes infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 80 Prozent. Prävention funktioniert, man muss es nur machen.
Eine Quizfrage bezog sich auf den Bypass. Warum ist dies die häufigste Herz-OP?
Professor Roland Hetzer: Patienten, die das betrifft, haben verengte oder verschlossene Herzkranzgefäße. Das ist die häufigste Erkrankung am Herzen und am Kreislaufsystem insgesamt. Die Zahl der Bypass-Operationen ist aber zurückgegangen, weil unsere Kollegen, die Kardiologen, gelernt haben, mit Katheter-Methoden, also mit Ballondilatation und Stentimplantation, einen Großteil der Fälle zu behandeln. Die Bypass-Operation besteht ja darin, dass man eine „Umgehung“ anlegt, die den Verschluss einer Arterie überbrückt. Das ist ein Routineverfahren mit meist sehr geringem Risiko. Natürlich scheuen es trotzdem viele Patienten, sich den Brustkorb öffnen zu lassen, obwohl bei schweren Fällen die Ergebnisse mit Bypässen besser sind als bei der Ballondilatation.
Wie viele Bypässe auf einmal sind möglich?
Hetzer: Bei den Patienten, die relativ schwer erkrankt sind und die wir operieren, sind in der Regel alle drei großen Kranzarterien befallen. Bei denen legen wir drei oder vier Bypässe an. Die dafür genutzten Arterien, die von der Natur dafür gemacht wurden, bleiben mit einer Rate von 90 Prozent dauerhaft offen. Bei den manchmal zusätzlich genutzten Beinvenen ist das nicht so. Die werden ja umfunktioniert. Man rechnet grob, dass nach zehn Jahren etwa 50 Prozent der Venen-Bypässe wieder verschlossen sind. Der Patient merkt diese Veränderung aber oft gar nicht, er hat ja noch die anderen Bypässe.
Die Zahl der transplantierten Herzen ist zurückgegangen. Warum ist das so?
Hetzer: Wir haben zu wenige Spenderorgane, bezogen auf jene, die auf ein Organ warten. Das Problem wurde durch den „Organspendeskandal“ noch verschärft. Mitte der 90er-Jahre hatten wir in Deutschland doppelt so viele Herztransplantationen wie im Jahr 2012. Meine Theorie ist, dass das auch mit dem Transplantationsgesetz von 1998 zusammenhängt. Damit wurde ein bürokratisches System eingeführt, das zu weniger Motivation und Aktivitäten der Transplanteure geführt hat. Das ist eine Erklärung für die sinkende Zahl der Transplantationen. Wir müssen alles tun, um bei den Menschen in diesem Land wieder Vertrauen dafür zu wecken, was die Ärzte mit den Transplantationen und der Listung der Patienten bezwecken. Diese Fehlgriffe einiger Kollegen sind eine schlimme Sache, aber es sind Einzelfälle. Das muss man in der Bevölkerung klarmachen.
Was ist das „Broken Heart Syndrome“, also die Krankheit des gebrochenen Herzens?
Hetzer: Diese seltene Krankheit betrifft vor allem Frauen zwischen 40 und 60 Jahren, die schon unter Bluthochdruck litten. Wenn sie eine schwere Gefühlskrise durchleben und beispielsweise einen nahen Verwandten verlieren, können Krämpfe der Koronararterien auftreten. Sie führen dazu, dass die Arterien sich verschließen, so dass die davon abhängigen Herzteile nicht mehr durchblutet werden und die der Herzspitze nahe gelegenen Teile nicht mehr arbeiten. Man hat das Tako-Tsubo genannt, das bedeutet im Japanischen ein Fanggerät für Tintenfische. Das Herz nimmt etwa die Form eines solchen Geräts an. Durch das wiederholte Auftreten dieser Krämpfe kann das Herz zerstört werden, so dass eine Transplantation nötig wird. Rechtzeitig diagnostiziert kann man das Broken Heart Syndrome aber gut behandeln.
Beipackzettel halten Patienten oft von der Einnahme ab. Muss das sein?
Stangl: Die Hersteller sind verpflichtet, alle Nebenwirkungen aufzulisten, aber viele von ihnen sind extrem selten. Das übersieht man gerne. Die Krankheiten, die mit diesen Medikamenten behandelt werden sollen, gehen definitiv mit mehr Problemen einher. Man muss den Patienten vermitteln, dass die Vorteile des Medikamentes die negativen Effekte bei Weitem überwiegen.
Endres: Es ist wichtig zu wissen, dass jedes Medikament neben seiner Wirkung auch Nebenwirkungen hat. Es gibt nichts, was wirkt und ganz ohne Nebenwirkung bleibt. Es ist unsere Aufgabe, im Aufklärungsgespräch darauf hinzuweisen, worauf man aufpassen muss.
Ist für einen Gesunden eine Prävention von Infarkt und Schlaganfall mit ASS sinnvoll?
Endres: Bei Gesunden ist das eine Frage der bestehenden Risikofaktoren. Nehmen Sie Aspirin aber nicht ein, ohne das vorher mit Ihrem Arzt zu besprechen. Aspirin kann Blutungen verursachen, doch wenn bestimmte Risikokonstellationen vorliegen, etwa eine Gefäßverkalkung, dann können auch sonst Gesunde ein solches Präparat einnehmen.
Gibt es Alternativen zu Marcumar?
Behrens: Seit ein, zwei Jahren gibt es neue Medikamente zur Schlaganfallverhütung bei Vorhofflimmern, die man anstelle von Marcumar einnehmen kann. Mit ihnen muss man nicht mehr regelmäßig alle vier Wochen Laborwerte bestimmen. Die Einstellung ist stabiler, und es gibt weniger schwerwiegende Blutungsprobleme. Allerdings sind diese neuen Präparate circa 30 Mal teurer als Marcumar. Das ist ein großes Problem. Mit Marcumar kann man den Schlaganfall genauso gut verhindern, aber es gibt einzelne Patienten, bei denen die Einstellung schwierig ist, für sie können die neuen Medikamente sinnvoll sein.
Was sind die Ursachen und Folgen von stark schwankendem Blutdruck?
Endres: Wir wissen, dass ein stark schwankender Blutdruck gefährlich ist – vielleicht sogar gefährlicher als ein konstant hoher. Dann sollte man eine 24-Stunden-Messung veranlassen und danach entscheiden, was die richtige Therapie ist. Selbst Blutdruckmessen ist sinnvoll, aber man sollte es einmal beim Arzt in der Praxis geübt haben.
Wirken Zahnprobleme auf das Herz?
Hetzer: Nicht generell, aber wenn ein Zahnarzt entzündete Zähne saniert, besteht die Gefahr einer Aussaat von Bakterien ins Blut. Das kann bei Menschen gefährlich sein, die eine künstliche Herzklappe tragen. Deshalb sollen bei einer solchen Zahnbehandlung einige Tage vorher und nachher Antibiotika genommen werden. Das gilt auch bei Eingriffen an der Blase und an den Geschlechtsorganen.


