Wenn die Unregelmäßigkeit schon 24 Stunden besteht, wird dringend empfohlen, die Notaufnahme eines Krankenhauses aufzusuchen. Wie der Arzt ein Vorhofflimmern diagnostiziert und wie die Therapie aussieht, darüber sprach Wolfgang W. Merkel mit Professor Gert Baumann, dem Chefarzt der Kardiologie an der Charité.

Morgenpost Online: Was fühlt jemand subjektiv, der ein Vorhofflimmern hat?

Prof. Gert Baumann: Der Patient hat ohne Anstrengung einen Puls von 110 bis 150 Schlägen und das ohne Grundrhythmus, also völlig unregelmäßig. Der Puls unterscheidet sich von den harmloseren „Extrasystolen“, die in einem ansonsten regelmäßigen Herzschlag auftreten. Oft kommt zum Herzrasen Luftnot hinzu.

Morgenpost Online: Wie wird sicher diagnostiziert?

Prof. Gert Baumann: Mit einem EKG. Darin zeigen sich typische Merkmale. Hat das Flimmern aber schon aufgehört, ist das EKG unauffällig. Hat der Arzt aufgrund der Schilderungen des Patienten den Verdacht auf Vorhofflimmern, kann er ein oder mehrere 24-Stunden-Langzeit-EKGs machen.

Morgenpost Online: Wie sieht die Behandlung des Leidens aus?

Prof. Gert Baumann: Man muss unterscheiden zwischen symptomatischer Therapie und Therapie der Grunderkrankung. Hat der Patient viele Stunden ein Vorhofflimmern, muss sofort ein blutverdünnendes Mittel gegeben werden. Das kann lebensrettend sein. Denn potenziell tödlich ist nicht das Vorhofflimmern an sich, sondern sind die Blutgerinnsel, die sich bilden, wenn der Vorhof unregelmäßig kontrahiert. 70 Prozent dieser Gerinnsel wandern ins Gehirn, wo sie die Blutversorgung unterbrechen und zum Schlaganfall führen können. In zweiter Linie können so aber auch Embolien in den Extremitäten oder in Nieren und Milz entstehen.

Morgenpost Online: Muss man immer in eine Notaufnahme?

Prof. Gert Baumann: Nein, wenn das Vorhofflimmern maximal 24 Stunden besteht, kann der Hausarzt diagnostizieren und die Therapie beginnen.

Morgenpost Online: Und wie sieht die dauerhafte Therapie aus?

Prof. Gert Baumann: Behandelt wird das Vorhofflimmern mit Betablockern und Antiarrhythmika. In manchen Fällen, etwa wenn die Patienten solche Mittel nicht nehmen dürfen oder wenn sie jung sind und nicht lebenslang Arzneimittel nehmen wollen, kann man über eine Katheterablation die Zellen veröden, die fehlgeleitete Signale zum linken Vorhof weiterleiten. In 80 Prozent der Fälle ist aber ein Grundleiden die Ursache des Vorhofflimmerns, dann muss diese Erkrankung behandelt werden: verengte Herzkranzgefäße, Bluthochdruck mit einem übergroßen Herzmuskel, Herzklappenfehler, Herzmuskelentzündung oder das Schlafapnoe-Syndrom, also Atemaussetzer während des Schlafes.

Morgenpost Online: Wer trägt ein Risiko?

Prof. Gert Baumann: Jeder, der eines dieser Grundleiden hat. Das sind meist Menschen über 60 Jahre. Sie haben eher solche Probleme.