Speziell für Kinder angepriesene Lebensmittel sind nach einer Studie der Verbraucherorganisation Foodwatch meist ungesunde Kalorienbomben. Von 1500 untersuchten Produkten seien fast drei Viertel „süße und fettige Snacks“ gewesen, die nur sparsam verzehrt werden sollten, teilte Foodwatch am Dienstag in Berlin mit. Produkte, die man reichlich essen kann, wie verarbeitetes Obst, Nudeln oder Säfte waren nur zu zwölf Prozent unter der Stichprobe.

"Die Unternehmen tragen eine erhebliche Mitverantwortung für die grassierende Fehlernährung von Kindern“, sagte Foodwatch- Mitarbeiterin Anne Markwardt. Sie warf der Industrie vor, ein Interesse an gewinnträchtigen Süßwaren, Softdrinks und Snacks zu haben. Hersteller wollten Kinder früh an Marken binden und bei ihnen schon in jungen Jahren Geschmacksprägungen erreichen.

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Als Konsequenz forderte Foodwatch ein Werbeverbot für Produkte, die sich durch Bezeichnung („for kids“), Aufmachung mit Comic-Figuren oder Aktionen speziell an Kinder richten. Schulen müssten auf Sponsoring verzichten, ebenso dürften Behörden und Krankenkassen der Lebensmittelindustrie keine Plattform bieten, sich durch Beteiligung an Präventionsmaßnahmen ein gesundheitsbewusstes Image anzulegen.

„Die Junkfood-Industrie ist kein geeigneter Partner für den Staat, für Schulen und Sportverbände“, so die Verbraucherorganisation. Angesichts massiver Marketingaktionen der Industrie könne auch von einer freien Verbraucherentscheidung keine Rede sein: „Kinder werden verführt, Eltern manipuliert“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt.

Verantwortlich für grassierende Fehlernährung von Kindern

Die Hersteller stellten die Ernährungspyramide auf den Kopf und trügen eine erhebliche Mitverantwortung für die grassierende Fehlernährung von Kindern, kritisierte Foodwatch. Hauptgrund hierfür sei das Profitstreben der Industrie. Mit süßen und fetten Snacks oder Softdrinks ließen sich durchschnittlich knapp 20 Prozent und damit vier Mal mehr Gewinn erzielen als mit dem Verkauf von Obst- und Gemüseprodukten. „Softdrinks sind eine der wichtigsten Faktoren für Übergewicht“, sagte Kampagnenreferentin Anne Markwardt.

Für den Report „Kinder kaufen“ hat die Verbraucherorganisation insgesamt 1.512 Artikel untersucht. Davon fielen 12,4 Prozent in die „grüne“ Kategorie, in der der reichliche Verzehr empfohlen wird. Bei den 73,3 Prozent der „roten“ Kategorie„ sollte nach den Vorgaben des vom Bundesernährungsministerium geförderten “aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz“ täglich höchstens nur eine Handvoll konsumiert werden.

Bei den Bioprodukten sehe die Verteilung nur wenig besser aus, erklärte Foodwatch. Auch hier gehöre mit 58 Prozent die deutliche Mehrzahl der Produkte der roten Kategorie an, 29 Prozent der grünen.

EPD/dpa//nbo