Alzheimer

Fall Assauer – Wenn Eiweiße aus dem Ruder laufen

Ex-Schalke-Manager Rudi Assauer hat die Alzheimer-Erkrankung mit seinem Buch ins Bewusstsein gerückt. Wie ist der Stand der Forschung?

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Bei den Ursachen für Alzheimer tappen Forscher noch weithin im Dunklen – obwohl die Krankheit bereits vor über 100 Jahren das erste Mal von Alois Alzheimer bei seiner Patientin Auguste Deter diagnostiziert hat. Was man kennt, sind die Symptome: Den schleichenden, in der Regel zum Ende hin schneller werdenden Verlust des Gedächtnisses, der zu einer „Auflösung“ der Persönlichkeit führt.

Mediziner haben im Gehirn die stoffliche Grundlage dieses Vergessens gefunden: Ablagerungen von Eiweißen, so genannte Amyloid-Plaques, kommen bei Alzheimerkranken gehäuft vor. Außerdem scheinen bestimmte Proteine die Zellen von innen heraus zu zerstören.

An der Alzheimerkrankheit leiden in Deutschland derzeit 700 000 Menschen – etwa 20 Prozent von ihnen sind bereits im Stadium der schweren Demenz. In der Regel trifft die Krankheit nur Menschen, die älter als 65 Jahre sind. Jedes Jahr wird sie bei 120.000 Menschen in Deutschland neu diagnostiziert.

Weltweit sind etwa 29 Millionen Menschen von der Alzheimer-Krankheit betroffen – nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird sich die Zahl der Patienten bis zum Jahr 2050 auf 106 Millionen erhöhen. Dann käme auf 85 Menschen ein Alzheimer Patient.

Für Europa schätzt die EU-Kommission, dass sich die Zahl der Patienten in den kommenden 20 Jahren verdoppelt – von derzeit sieben, auf dann 14 Millionen.

Alzheimerkranke, bei denen die Demenz bereits weit fortgeschritten ist, brauchen Vollzeitpflege, können sich an nichts mehr erinnern und sind völlig verwirrt und hilflos. Nicht nur für den Einzelnen und seine Angehörigen ist das ein schwer erträgliches Leid.

Es ist auch eine soziale und wirtschaftliche Belastung. Schon heute belaufen sich die jährlichen Pflegekosten EU-weit auf 130 Milliarden Euro oder 21.000 Euro pro Patient. Entsprechend nötig wäre es, die Ursachen von Alzheimer zu finden, um kausal wirkende Medikamente entwickeln zu können. Aber davon ist die Wissenschaft weit entfernt.

Eine der neueren Theorien zur Entstehung von Alzheimer wird derzeit unter Forschern diskutiert: Dass sich die Amyloid-Plaques im Gehirn anlagern, könnte darauf beruhen, dass bestimmte Eiweiße sich falsch falten.

Eiweiße bestehen aus Aminosäuren, die sich in eine bevorzugte Form falten. Doch manchmal läuft dieses Falten falsch – und aus einem eigentlich harmlosen, ja lebenswichtigen Molekül wird eine Gefahr: Denn das falsch gefaltete Eiweiß stimuliert auch die Eiweiße in seiner Umgebung, sich falsch zu falten. Eine Kettenreaktion, die für die Hirnzellen tödlich sein kann und dadurch zu einer Demenz des Menschen führen kann.

Prionen kennt man bislang von Krankheiten wie BSE bei Rindern, Scrapie bei Schafen oder Creutzfeldt-Jakob beim Menschen. Je nach Krankheit können die Prionen hochansteckend sein. Dass auch Alzheimer durch Prionen verursacht werden könnte, haben Forscher in Tierversuchen herausgefunden: Sie haben Mäusen das Hirngewebe von Alzheimerkranken injiziert. Diese entwickelten daraufhin ebenfalls alzheimertypische Ablagerungen in ihrem Gehirn.