Margarine mit angeblich den Cholesterinspiegel senkenden Pflanzen-Sterinen sollte nach Auffassung des Verbraucherorganisation Foodwatch wegen möglicher Gesundheitsrisiken nicht in Supermärkten verkauft werden.
Es mehrten sich "Hinweise auf bedenklichen Nebenwirkungen", erklärte Foodwatch. Diese Zusatzstoffe sollten von Menschen ohne erhöhten Cholesterinspiegel nicht verzehrt werden. Auch ein nachweislicher Effekt von Sterinen auf die Herzgesundheit fehle bislang.
Konkret geht es den Verbraucherschützern vor allem um die Margarine "becel pro activ" aus dem Hause Unilever.
"Die cholesterinsenkende Wirkung der Produkte ist in über 40 Studien belegt und unstrittig", entgegnet der Hersteller den Verbraucherschützern. Ebenso gelte in der Wissenschaft die Meinung, dass eine LDL-Senkung grundsätzlich das Risiko für eine koronare Herzkrankheit verringere, wobei es sich gezeigt habe, dass dieser Zusammenhang für alle Methoden der Cholesterinsenkung relevant ist.
Außerdem würden internationale Fachgesellschaften pflanzensterinangereicherte Lebensmittel für Menschen mit erhöhten Cholesterinwerten in Ernährungsempfehlungen nennen.
Foodwatch spricht von einem "Schwindel" und forderte die Hersteller auf, den Verkauf solcher Margarine-Sorten zu stoppen und erst eine Zulassung als Medikament zu beantragen.
Sterine sind – ebenso wie Cholesterin – fettähnliche Substanzen, die in der Natur vorkommen. Der Stoff verdrängt nach Informationen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) im menschlichen Darm Cholesterin, so dass weniger davon in den Körper aufgenommen wird.
Außer Margarine gibt es im Handel auch mit Sterin angereicherte Milchprodukte wie Trinkjoghurt und Käse sowie Brot. Der Zusatz ist EU-weit in zahlreichen Produkten erlaubt. Es ist aber eine Genehmigung nötig. Zudem muss die Packung bestimmte Hinweise tragen.
Bereits im Jahr 2007 hatten das BfR und Verbraucherzentralen in einer gemeinsamen Untersuchung darauf verwiesen, dass mit Sterinen versetzte Lebensmittel von Menschen, die wegen eines erhöhten Cholesterinspiegels bereits medikamentös behandelt werden, nur nach Rücksprache mit ihrem Arzt gegessen werden sollten.
Sterine hemmen außerdem die Aufnahme bestimmter Vitamine, weshalb als Ausgleich mehr Obst und Gemüse gegessen werden sollte. Die vorgeschriebene Kennzeichnung bewerteten die Prüfer aus Verbraucherschutzsicht schon damals als unzureichend.
Auch Foodwatch verwies nun auf entsprechende Veröffentlichungen des BfR und anderer Stellen und forderte, solche Margarinen "nur auf ärztliche Empfehlung in der Apotheke" abzugeben.
Den Angaben der Organisation zufolge können Sterine ähnlich wie Cholesterin Ablagerungen in Blutgefäßen verursachen und so das Risiko von Herzerkrankungen erhöhen. Es gebe jüngst zudem Hinweise darauf, dass die Substanzen Venen im menschlichen Auge weiteten, was ein zusätzlicher Hinweis auf erhöhte Infarktrisiken sei, erklärte Foodwatch.
Obwohl dies derzeit nicht abschließend geklärt sei, finde sich in der Werbung zu Sterin-Margarinen, die als "Heilsbringer" angepriesen würden, dazu kein Wort. Diese müsste aber als Medikament eingestuft und auf Risiken und Nebenwirkungen erforscht werden.
Foodwatch forderte auch die Hersteller anderer cholesterinsenkender Produkte auf, diese als Medikament zu behandeln. Dazu gehören Deli Reform Active von den Walter Rau Lebensmittelwerken, Benecol von Emmi sowie Danacol von Danone.
AFP/cl





