Apple-Mitbegründer Steve Jobs starb im Alter von 56 Jahren im Kreis seiner Familie an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Er hatte der Krankheit lang getrotzt, sie war im Jahr 2003 festgestellt worden.

Anfang der Woche versetzte eine andere Nachricht die Welt der Wissenschaft in Aufruhr: Am Montag wurde der Gewinner des diesjährigen Medizin-Nobelpreises bekannt gegeben. Ein Team von drei Forschern, darunter der Immunologe Ralph Steinman, erhielt die Auszeichnung. Doch Steinman war drei Tage vor der Entscheidung des Komitees der Königlichen Akademie der Wissenschaften Schwedens verstorben. An Bauchspeicheldrüsenkrebs. Das wusste das Komitee nicht. Nun musste es entscheiden, ob der Preis posthum verliehen werden sollte. Die Juroren entschieden sich dafür.

Die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs ist für die meisten Menschen, die sie erhalten, eine Todesnachricht. Pankreaskrebs ist nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft für sechs Prozent aller Krebstodesfälle verantwortlich. Für Frauen ist er die neunthäufigste, bei Männern die zehnthäufigste Todesursache durch Krebs. Dabei kommt er relativ selten vor. Rund 6400 Männer und 7000 Frauen erkranken in Deutschland jedes Jahr. Meist trifft es Menschen im Alter von 60 bis 70 Jahren.

Doch was macht den Krebs dieses Drüsenorgans im Oberbauch so gefährlich? „Wenn er entsteht und wächst, macht er meist keine Beschwerden", sagt Professor Hanno Riess, Experte für Bauchspeicheldrüsenkrebs an der Universitätsmedizin Charité Berlin. "Wenn er Beschwerden macht, ist er in aller Regel schon fortgeschritten.“

Manchmal macht sich der Krebs laut Riess durch gelbsuchtähnliche Symptome, Gewichtsverlust, Müdigkeit oder Schmerzen bemerkbar. Bei anderen Menschen wuchern das Geschwür verborgen. Es gebe keine standardisierten Tests oder Vorsorgeuntersuchungen, die eine frühe Diagnose erleichtern könnten, so Riess.

Verzwickte Lage

Die Lage des birnenförmigen Organs im Körper ist zudem verzwickt. Es liegt versteckt hinter dem Magen. Um das dicke Ende der Bauchspeicheldrüse legt sich der Zwölffingerdarm. Dazwischen verlaufen die Blutversorgung des Dünndarms und Nervenbahnen. Die Bauchspeicheldrüse besitzt kein Häutchen, was sie von anderen Organen trennt.

„Die erfolgreiche Operation ist die Voraussetzung, um Heilung zu erhoffen“, sagt Riess. Doch für den Chirurgen ist es schwierig, das weiche Drüsengewebe zu schneiden. Denn Teile des gesunden Pankreas müssen erhalten werden, um die Lebensqualität des Patienten zu sichern. Die Drüsen des Organs sorgen nicht nur für die Produktion von Verdauungssäften, sie sind auch mitverantwortlich für die Regulierung des Blutzuckerspiegels und damit kaum verzichtbar für den Menschen.

Was den Krebs an dem Organ besonders bösartig macht, ist seine rasche Ausbreitung. „Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Patient einen nur zwei Zentimeter großen Tumor an der Bauchspeicheldrüse hat, dafür aber drei bis vier Zentimeter große Tumore an der Leber aufweist“, sagt Riess.

Doch wie schnell sich die Zellen teilen und ob der Krebs in weitere Organe streut, kommt auch darauf an, um welche Art es sich handelt. Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs wird zwischen zwei größeren Gruppen unterschieden.

Rund 90 Prozent der Patienten erkranken am sehr gefährlichen Adenokarzinom. Das sind Tumore der Zellen, die Verdauungsenzyme produzieren und sie in den Dünndarm abgeben. Bei dieser Krebsart sind die Überlebenschancen auch mit einer Therapie gering.

Bei einem kleinen Prozentsatz der Patienten sind die Zellen betroffen, in denen unter anderem Insulin hergestellt wird, das dann ins Blut abgegeben wird. Steve Jobs litt an dieser Variante, dem neuroendokrinen Karzinom.

"Whipple Procedure"

Die Behandlung der Erkrankung wird auf die Krebsart abgestimmt. Bei neuroendokrinen Karzinomen ist die Methode auch abhängig davon, wie schnell sich die Zellen teilen, also proliferieren. Bei manchen Patienten genügen Medikamente, um die Zellteilung zu stoppen. Andere müssen sich einer Chemotherapie unterziehen.

Steve Jobs ließ sich im Jahr 2004 einen Teil der Bauchspeicheldrüse entfernen. Oft wird bei solchen Eingriffen, „Whipple Procedure“ genannt, auch ein Teil der Gallenblase, des Gallengangs sowie des Magens entfernt. Zudem wurde Jobs im Jahr 2009 eine neue Leber transplantiert.

Der diesjährige Medizin-Nobelpreislaureat Ralph Steinman versuchte Medienberichten zufolge, sich selbst mit einer von ihm entworfenen Immuntherapie zu behandeln. Die Rockefeller University in New York, wo Steinman als Professor für Immunologie tätig war, erforscht neue Methoden der Pankreaskrebstherapie mit körpereigenen Immunzellen und neuen Wirkstoffen.

Eine Therapie bei einem Adenokarzinom, der häufigsten Form des Bauchspeicheldrüsenkrebs, ist meist wenig hoffnungsvoll. „Die Behandlung eines Adenokarzinoms ist zwar wirksam, der Effekt auf die Lebenszeit gesehen ist aber leider gering“, sagt Riess. Je nachdem wie fortgeschritten der Krebs ist, könne das Leben durch eine medikamentöse Behandlung nur um wenige Monate verlängert werden, so Riess. Die Therapie verbessere jedoch die Lebensqualität. Was hilft, ist Risikofaktoren wie etwa Tabakkonsum zu vermeiden.