Psychologie

Frauen haben weniger Scheu vor Suchtbehandlung

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Bei Suchttherapien steigt der Frauenanteil. Sie gehen mit der Suche nach Hilfe offener um. Kinder leiden unter der Sucht der Eltern am meisten.

Immer mehr suchtkranke Frauen suchen nach einem Therapieplatz. Was zunächst bedenklich klinge, entpuppe sich als positive Entwicklung, sagt der Rostocker Suchtarzt Michael Köhnke. Denn es gehe nicht darum, dass mehr Frauen abhängig werden, sondern dass süchtige Frauen sich heute eher trauen, Hilfe zu suchen. "Die Aufklärungsarbeit zeigt Wirkung, die Menschen gehen offener mit dem Problem Sucht um. Da liegt auch die Schwelle für Frauen niedriger", sagte der Chefarzt der Rostocker Friedrich-Petersen-Klinik vor der 17. Rostocker Aktionswoche gegen Suchtgefahren, die am heutigen Montag beginnt.

Früher seien nur zehn Prozent der Patienten weiblich gewesen, heute seien es etwa 25 Prozent. Dabei habe der Anteil von Frauen bei Süchtigen nicht zugenommen. Durch die Aufklärungsarbeit in Medien oder Betrieben sei ein neues Bewusstsein entstanden: Sucht ist eine behandelbare Krankheit, bei der es sich lohnt, möglichst früh mit der Therapie zu beginnen. Neben der Alkoholsucht seien Frauen vor allem von Tablettensucht betroffen. "Die Sucht der Frau bleibt eher im Verborgenen und wird kaschiert."

Nicht nur die Süchtigen selbst brauchten Hilfe, auch die Angehörigen müssten in die Therapie einbezogen werden, sagte Köhnke. Unabhängig davon, ob Mutter oder Vater suchtkrank ist, seien es immer die Kinder, die am meisten unter der Situation litten.

( dpa/cl )