Wenn’s irgendwo ordentlich juckt, hilft nur kräftiges Kratzen. Sofort tritt ein wohliges Gefühl der Erleichterung ein. Und anders als beim Kitzeln ist es gleichgültig, ob man sich selbst kratzt, ob es ein anderer tut oder ob man den Türpfosten benutzt, weil man die Stelle am Rücken nicht erreicht. Was bei diesem Wechselbad der Gefühle im Körper geschieht, ist jedoch kaum erforscht.

Wissenschaftler der University of Minnesota in Minneapolis haben jetzt etwas Licht in die Vorgänge gebracht. Zentrale Akteure sind danach spezialisierte Nervenzellen im Rückenmark. Jede der Zellen betreut ein abgegrenztes sensorisches Feld auf der Haut. Juckt es irgendwo in diesem Feld, dann feuert die Zelle elektrische Signale ins Gehirn. Wird im selben sensorischen Feld dann gekratzt, so ändert die Nervenzelle ihr Signalmuster.

„Offenbar modulieren Aktivitäten auf der Ebene des Rückenmarks, was wir beim Jucken empfinden“, schreiben Glenn Giesler und Mitarbeiter im Fachblatt „Nature Neuroscience“.

Auch warum Kratzen oft nur kurze Erleichterung schafft, konnten die Forscher klären: 30 Sekunden nach dem Kratzen fallen die Nervenzellen in ihr altes Signalmuster zurück und melden dem Gehirn Juckreiz.

rhl