Gesundheit

Tuberkulose-Infektion lässt sich kaum ausrotten

Tuberkulose steht im Ruf, eine Krankheit der Asozialen und der Dritten Welt zu sein. In Deutschland sinken die Zahlen zwar, dennoch schätzt das Robert-Koch-Institut die Krankheit als ernstzunehmendes Gesundheitsproblem ein. Migration trägt die Krankheit in die Industrienationen. Bei Aids-Kranken hat sie ein leichtes Spiel.

Foto: picture-alliance/ dpa / dpa

Tuberkulose bleibt nach Einschätzung von Experten neben Malaria und Aids einer der drei großen Killer der Menschheit. Mit 5,4 Millionen Neuerkrankungen im Jahr 2008 und etwa 2 Millionen Toten pro Jahr sei die Situation weiter dramatisch, sagte Robert Loddenkemper vom deutschen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose. Besonders betroffen seien neben Südafrika und Asien die Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Trotz rückläufiger Zahlen in Deutschland – 4500 Fälle im Jahr 2008 – schätzt das Robert Koch-Institut Tuberkulose auch hier als ernstzunehmendes Gesundheitsproblem ein. Am 24. März ist Welttuberkulosetag.

Noch in den 1970er Jahren gingen Forscher davon aus, dass sich die Tuberkulose weltweit besiegen lasse – mit gut wirksamen Medikamenten und Impfungen. Doch die heilbare Infektion suchte sich neue Wege. Ihre Bakterienstämme veränderten sich. Die gängigen Medikamente aus den 60er Jahren schlagen deshalb heute häufig nicht mehr an. Das macht die Behandlungen aufwendiger und teurer. Doch nicht überall auf der Welt werden Patienten auf Resistenzen getestet. Mit einem Husten können sie gesunde Menschen anstecken. Forscher gehen davon aus, dass heute weltweit jeder dritte Mensch Tuberkulose-Erreger in sich trägt.

„Bakterien kennen keine Grenzen“, warnte Sabine Rüsch-Gerdes, Leiterin des Nationalen Referenzentrums für Mykobakterien in Borstel bei Hamburg. Durch Migration werde die Krankheit inzwischen wieder in die Industrieländer getragen. In Deutschland habe es schon Ansteckungen bei Kindern gegeben, die von Au-Pair-Mädchen betreut wurden. Viele Hausärzte würden die Infektion auch nicht mehr sofort erkennen, weil sie so selten geworden sei. All das mache die Ausbreitung leichter.

Deutschland ist aber noch lange kein TB-Problem-Land. Dazu zählen vor allem Staaten im südlichen Afrika, gefolgt von den Philippinen, Indonesien, Indien, der Russischen Föderation und China. Hier erkranken zwischen 100 und 900 von 100.000 Menschen an Tuberkulose, bis zu 200 sterben. Mit viel Geld wird versucht, diesen Ländern beim Aufbau moderner Diagnose- und Therapiezentren zu helfen. Doch die Hemmnisse sind groß. Laborärzte in Kasachstan verdienten zum Beispiel viel zu wenig Geld, um zu bleiben, sagte Rüsch-Gerdes. In Osteuropa wirke noch die falsche Propaganda der Sowjetunion nach, es gebe keine Tuberkulose im Land. Regierungen müssten erst mühsam zum Handeln überzeugt werden.

Als zweites unerwartetes Problem bei der Tuberkulose-Bekämpfung kam der Aids-Erreger hinzu. Bei Patienten mit einem stark geschwächten Immunsystem hat die Tuberkulose als Co-Infektion oft ein leichtes Spiel, besonders häufig in Afrika. Inzwischen wissen Forscher auch, dass die herkömmliche Impfung gegen Tuberkulose keinen Schutz garantiert. Sie wirkt vor allem bei Kindern, weniger bei Erwachsenen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht dennoch davon aus, dass Tuberkulose im Jahr 2050 ausgerottet ist. Rüsch-Gerdes teilt diesen Optimismus nach vielen Auslandsreisen nicht.

Noch immer habe Tuberkulose den Ruf, eine Krankheit der Asozialen und der Dritten Welt zu sein, kritisierte Rüsch-Gerdes. Das sei jedoch auch in Deutschland ein Trugschluss. Hier erkrankten 2008 etwa 5 von 100.000 Menschen an Tuberkulose, 2007 waren es sechs. Regional gibt es bei den Ansteckungszahlen große Unterschiede. Stadtstaaten wie Hamburg und Berlin registrierten 8 bis 9 Fälle pro 100.000 Einwohner.

Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) warnt davor, dann Menschen an Tbc erkranken, ohne Symptome wie Husten zu haben. Nach Statistiken trägt jeder dritte Mensch weltweit den TB-Erreger in sich. Demnach sind mehr als zwei Milliarden Menschen infiziert. Bei den meisten ist das Immunsystem stark genug, um nicht zu erkranken. In Afrika jedoch, wo die Leute oft durch HIV geschwächt seien, könne sich TB sehr schnell verbreiten, heißt es in der Mitteilung. Ohne Behandlung verlaufe die Krankheit in mehr als jedem zweiten Fall tödlich

Für die Bekämpfung der Tbc wird laut WHO dringend mehr Geld benötigt. Allein in diesem Jahr fehlten umgerechnet fast 1,8 Milliarden Euro unter anderem für Behandlung und Forschung, teilte die WHO mit. Einer von drei an Tuberkulose erkrankten Menschen werde derzeit nicht versorgt, schrieb die WHO.