Gesundheit

Wind verzehnfacht die Wirkung von Kälte

Kälte kann tückisch sein – besonders in Verbindung mit Wind oder Nässe. Dabei wird dem Körper extrem schnell Wärme entzogen. Zu Erfrierungen kann es deshalb schon bei geringen Minus-Temperaturen kommen. Schon bei den ersten Erfrierungserscheinungen muss schnell gehandelt werden.

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Wenn die Finger beim langen Winterspaziergang gefühllos und blass werden, dann ist das unangenehm. Es kann jedoch auch das erste Symptom einer Erfrierung sein: Durch länger einwirkende Kälte werden die Gefäße verengt, das Gewebe wird schlechter durchblutet und mit zu wenig Sauerstoff versorgt. Das schädigt die Zellen, im Extremfall sterben sie ab. Das Tückische: Zu Erfrierungen kann es schon bei Werten um den Gefrierpunkt kommen.


„Die tatsächliche Temperatur ist nur ein Faktor. Doch die persönliche Empfindung und Verträglichkeit von Kälte ist ebenso wichtig“, erklärt Klaus Afflerbach, Experte für Unfallprävention beim Deutschen Grünen Kreuz in Marburg. Zudem kann dieselbe Temperatur bei unterschiedlichen Umweltbedingungen sehr unterschiedlich wirken. Bei starkem Wind oder auch Nässe wird dem Körper schneller Wärme entzogen. Wind verstärkt die Wirkung von Kälte um das Zehnfache und Feuchtigkeit sogar um das Vierzehnfache. „Von Kälteschäden häufig betroffen sind alle schlecht durchbluteten Körperteile: Nase, Ohren, Zehen und Finger“, erläutert Bernd Wolfarth von der Technischen Universität München. An diesen – aber auch an anderen Körperstellen – werden Erfrierungen begünstigt, wenn die Durchblutung zusätzlich gestört ist, zum Beispiel durch Arterienverkalkung, Drogen- oder Alkoholmissbrauch, Hunger, körperliche oder geistige Erschöpfung. „Besonders gefährdet sind Diabetiker: Sie leiden an Sensibilitätsstörungen der Hände und Füße“, sagt Mirjana Ziemer, Oberärztin an der Klinik für Dermatologie in Jena.


Wie bei Verbrennungen unterscheiden Fachleute nach der Tiefe des Gewebeschadens verschiedene Grade von Erfrierungen. Bei Erfrierungen I. Grades kommt es in kurzer Zeit lediglich zu einer Verengung der Gefäße in der Oberhaut. „Der gefrorene Hautbereich ist blass und gefühllos“, sagt Afflerbach. Kann sich der Körper aufwärmen, entstehe eine juckende Rötung, die rasch abklingt.


Wirkt die Kälte länger auf den Körper ein oder kommen begünstigende Faktoren hinzu, so entstehen Erfrierungen II. Grades: Es bilden sich Blasen, die mit Körperflüssigkeit oder Blut gefüllt sind. Häufig entstehen diese Blasen erst Stunden, nachdem das betroffene Gewebe schon wieder aufgetaut ist.


Bei Erfrierungen III. Grades sterben Hautschichten ab: Zunächst harte, weiße Hautregionen verfärben sich nach dem Auftauen schwarz, oder es bilden sich Blutblasen, die zu Geschwüren werden. Der Kälteschaden hat tieferes Gewebe durchdrungen. Erst nach Wochen kann gesundes von abgestorbenem Gewebe abgegrenzt werden.


Sobald die ersten Erfrierungssymptome bemerkt werden, heißt es: Ganz schnell raus aus der Kälte. „Beim Aufwärmen wird der Schmerz oft noch stärker, vor allem wenn der Temperaturunterschied zu abrupt und zu groß ist“, sagt Ziemer. „Das Aufwärmen sollte ganz, ganz langsam erfolgen.“ So werden zum Beispiel die Hände erst unter kaltes Wasser gehalten und dieses dann langsam erwärmt. Parallel sollte der Körper von innen mit Tee oder Kakao, keinesfalls jedoch mit Alkohol erwärmt werden. Blasen dürfen weder gerieben noch massiert werden: Durch die Kälte können sich in den gefrorenen Blutgefäßen Thromben gebildet haben aus denen lebensgefährliche Embolien entstehen. Im Idealfall heilen die Blasen von allein ab. „Wenn eine Blase jedoch aufgeht, muss sie sauber desinfiziert und verbunden werden“, sagt Sportmediziner Wolfarth.

Die Wunde optimal versorgen kann nur der Arzt. „Wenn die Erfrierungssymptome über eine Rötung hinaus gehen, sollte man den Arzt aufsuchen“, empfiehlt Ziemer. „Er kann mit Salben die Entzündung etwas unterdrücken oder mit Wundverbänden dafür sorgen, dass keine Narben entstehen.“ Schon bei Erfrierungen I. Grades sollte der Arzt konsultiert werden – wenn mehr als zehn Prozent der Körperoberfläche betroffen sind.