Fünf Millionen Blutkonserven werden in Deutschland pro Jahr verabreicht. Der Bedarf ist enorm. Es kommt aber immer wieder zu Engpässen, wie das Deutsche Rote Kreuz und Kliniken zum heutigen "Weltblutspendertag" betonen. Dass die Medizin zu Bluttransfusionen in der Lage ist, verdankt sie Karl Landsteiner (1868-1943). Der österreichische Forscher entdeckte vor gut 100 Jahren die Blutgruppen und bekam dafür 1930 den Medizin-Nobelpreis. Sein Geburtstag wird seit 2004 als Weltblutspendertag gefeiert.
"Eine moderne Medizin ohne Blutspenden ist praktisch nicht möglich", betont Professor Birgit Gathof, Leiterin der Blutbank an der Kölner Universitätsklinik. "Größere Herzoperationen, Tumor- oder Chemotherapien sind ohne Fremdblut undenkbar." Etwa 30 Prozent der Vollblutspenden gehen in die Krebstherapie, auch bei Unfällen ist der Bedarf sehr hoch. Bei Geburten können Frauen literweise Blut verlieren, auch sie brauchen Fremdblut.
Sogar Ungeborene profitieren. "Im Leverkusener Klinikum hat ein Mädchen im Mutterleib 17 Mal lebensrettende Blutplättchen erhalten. Ohne die Spenden wäre es zu einer Totgeburt gekommen oder zu schwersten Behinderungen", sagt Friedrich-Ernst Düppe, Sprecher der DRK-Blutspendedienste.
Ohne Landsteiner wäre das alles wohl nicht möglich. Vor seiner Entdeckung der Blutgruppen 1901 - es gibt A, B, AB und 0 - war unklar, warum Transfusionen mal gelangen, mal nicht. Landsteiner erkannte: Eine Vermischung von Blutgruppen kann das Blut verklumpen lassen, das führt zum Tod. Sein Durchbruch rettete auch viele Soldatenleben. Vorher waren viele bei Eingriffen verblutet. Mit Blick auf den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan prüft Gathof heute zusammen mit US-Stellen, wie vor Ort gespendetes Blut von Soldaten noch sicherer für die verwundeten Kameraden wird - auch wenn die Einrichtungen für umfangreiche Infektionstests nicht da sind.
Daheim läuft das Verfahren so: Aus Fingerkuppe oder Ohrläppchen wird ein Blutstropfen entnommen. Es wird untersucht, ob der Spender genug des Blutfarbstoffs und Sauerstoffträgers Hämoglobin hat und einen halben Liter Abnahme gut verkraftet. Dann werden eine Probe und die Blutspende entnommen. Die Probe wird auf Krankheitserreger wie etwa Aids- und Hepatitis-Viren sowie Syphilis-Bakterien getestet. Das Vollblut wird in Blutplättchen, Blutplasma und rote Zellen getrennt, eingelagert und freigegeben, wenn die Probe sich nach einigen Stunden als einwandfrei erweist. Dann liefert das DRK an Kliniken, Arztpraxen und mit Blaulicht auch direkt zu Unfallopfern.
Das Thema HIV-Infektion und die Verunsicherung bei den Spendern hatten Ende der 80er- und Mitte der 90er-Jahre vorübergehend einen "Aids-Knick" verursacht. Die Aufregung hat sich gelegt, seit gut zehn Jahren sind die Zahlen recht konstant, sagt Düppe. "Im Vergleich zu anderen Risiken in der Medizin ist das HIV-Infektionsrisiko bei einer Bluttransfusion verschwindend gering." Gathof ergänzt: "Das Risiko liegt bei unter eins zu fünf Millionen."
Nach strenger juristischer Definition ist eine Blutentnahme Körperverletzung. Minderjährige dürfen deshalb auch selbst bei Elterneinwilligung nicht spenden. Männer können sechsmal im Jahr Blut abgeben, Frauen wegen regelmäßigen Blutverlusts durch die Menstruation nur viermal. "Wir haben knapp drei Prozent der Bevölkerung als Spender, aber wir brauchten fünf Prozent", sagt der DRK-Experte. Vor allem zu Ferienzeiten gehen die Vorräte öfter zur Neige, in einigen Fällen müssen Operationen verschoben werden. Seit 1981 ist weltweit festgelegt, dass die Spenden freiwillig und unentgeltlich sein sollen, manchmal werden in den kliniknahen Einrichtungen Aufwandsentschädigungen von 25 Euro gezahlt.





