Die Sonne scheint. Wellen rauschen im Ohr. Doch Anna M. liegt nicht am Strand, sondern sitzt in ihrem Urlaub im Hotelzimmer fest. Durchfall, es ist Sonntag, die Apotheken sind geschlossen. Auf die Schnelle würde sie ohnehin keine finden. Was "Durchfall" auf Italienisch heißt, weiß sie auch nicht.

Die Vorteile einer Reiseapotheke liegen auf der Hand. In Annas Fall würde sie die Erlösung bedeuten - zumindest könnte sie in Hotelnähe die Sonne genießen. Generell macht es Sinn, die Reiseapotheke der individuellen Situation anzupassen. "Eine gut ausgewählte Reiseapotheke kann verhindern, dass Sie bei leichten Gesundheitsbeschwerden einen Arzt oder eine Apotheke suchen müssen", sagt Burkhard Rieke, Ärztlicher Leiter Fortbildung am Centrum für Reisemedizin (CRM). "Wichtig ist, dass die optimale Vorbereitung auf eine Reise vom jeweiligen Ziel abhängt", betont der Tropenmediziner weiter. Die Faustregel "Unfall, Durchfall, Anfälligkeit" fasst jedoch schon die wichtigsten Medikamente zusammen, und verhindert unnötigen Ballast.

Um bei kleineren Unfällen gewappnet zu sein, gehören Pflaster, Verbandszeug und Hautdesinfektionsmittel in die Reiseapotheke. "Gerade in warmen Ländern steigt bei offenen Wunden die Infektionsgefahr", erklärt der Mediziner Burkhard Rieke. Blasen am Fuß sind zwar nicht tragisch, jedoch lästig. Mit einem speziellen Blasenpflastern erreicht der Wanderer trotzdem sein Ziel.

Sonnenbrand ist neben Schnupfen und Durchfall das häufigste Gesundheitsproblem auf Reisen. Verbrannte Haut schmerzt nicht nur, sie belastet auch den Kreislauf und erhöht die Hautkrebsgefahr. Der Gebrauch von Sonnencreme sollte selbstverständlich sein. Rieke empfiehlt einen hohen Lichtschutzfaktor oder besser noch leichte Bekleidung: "Keine Creme erreicht einen so hohen Lichtschutzfaktor wie ein T-Shirt."

Ist die Haut doch einmal verbrannt, kühlen Gele und Cremes mit Antihistaminika. Sie können auch verhindern, dass Brandblasen entstehen. Zudem lindern Antihistaminika den Juckreiz von Insektenstichen. Besonders Kleinkinder müssen vor der Sonne geschützt werden. Tragen sie keinen Sonnenhut droht ein Sonnenstich. Auch die Augen werden durch UV-A- und UV-B Strahlen belastet. Die Sonnenbrillen sollten deshalb einen Breitband-UV 400-Schutz bieten. Das "CE"-Zeichen macht das deutlich.

Allein die Umstellung auf ungewohnte Kost kann auf die Verdauung schlagen. Durchfall ist die Folge. Der ständige Drang zur Toilette ist zwar meist harmlos, schmälert die Urlaubsfreude aber erheblich. Zum Vorbeugen gilt beim Essen in warmen Gebieten die alte Regel: "Kochen, schälen oder vergessen". Gegen den Verlust von Wasser und Mineralstoffen empfiehlt es sich, Zucker- und Salzlösungen zu trinken. Solche Elektrolyte sind auch in Pulverform in Apotheken erhältlich. "Damit stoppt man zwar nicht den Durchfall selbst, aber unangenehme Folgen wie Muskelschwäche oder Funktionsstörungen von Organen", erklärt Rieke. Sind etwa bei einer längeren Busreise Toiletten schwer zu erreichen, ist der Wirkstoff Loperamid hilfreich. Schwangere und Kinder sollten das Mittel aber nicht nehmen, rät der Mediziner.

Jeder Reisende sollte sich überlegen, für welche Beschwerden er besonders anfällig ist. Sind Migräne, Asthma oder Harnblasenentzündung bekannte Quälgeister? Gegen Schmerzen und Fieber ist zum Beispiel Acetylsalicylsäure wirksam. Bei Reisekrankheit, Erbrechen und Übelkeit ist die Substanz Dimenhydrinat gut einsetzbar. Gegen akute Verstopfung helfen Mittel mit Natriumpicosulfat.

Urlauber sollten generell jene Medikamente dabei haben, die sie auch zuhause regelmäßig benötigen. Für Patienten mit chronischen Krankheiten ist es empfehlenswert, sich vor Auslandsreisen untersuchen zu lassen. Zusätzlich weist Rieke für außereuropäische Gebiete auf das Problem gefälschter Arzneimittel hin.

Flugreisende sollten die Medikamente, die sie dringend benötigen - wie Insulin - unbedingt im Handgepäck transportieren. Sollte das Gepäck einmal abhanden kommen, entsteht aus diesem Verlust nicht auch noch ein Gesundheitsproblem. Fliegt man über mehrere Zeitzonen hinweg, muss zudem eventuell mit einer Zwischeneinnahme gegengesteuert werden. Bei Antiepileptika, Blutverdünnern oder bei der Mini-Antibabypille kann dies der Fall sein. In puncto Verhütung gilt: Ein Vorrat an Kondomen kann nützlich sein. Möglicherweise ist das Thema am Urlaubsort mit einem Tabu belegt, auch die Qualität der angebotenen Präservative kann schlecht sein.

Gegen chronische Schmerzen sind Opiate gängige Medikamente, bisweilen auch "versteckt" in Form von Pflastern. Doch sie fallen unter das Betäubungsmittelgesetz. Reisende, die Opiate verschrieben bekommen, müssen sich rechtzeitig über deren Einfuhrbestimmungen informieren. Für Reisen innerhalb der Schengen-Staaten, also der alten EG-Länder, muss der Opiatbedarf vom Hausarzt in einem Formular bescheinigt werden. Diese Bescheinigung muss von der obersten Landesgesundheitsbehörde beziehungsweise den von ihr beauftragten Gesundheitsämtern beglaubigt werden. Nähere Informationen bietet die Homepage des Bundesinstituts für Arzneimittel (BfArM) unter dem Link "Betäubungsmittel" und dann der Rubrik "FAQ".

Für Reisen mit Opiaten außerhalb der EU gelten verschärfte Zollbestimmungen. Auch für Spritzen und HIV-Arzneien muss der Hausarzt den medizinische Gebrauch bescheinigen. Bei den Aids-Mitteln muss auch die Tagesdosis festgehalten sein. Mediziner raten, sich vor der Reise mit dem ärztlichen Attest an das Konsulat des Reiselandes zu wenden. Dort werden die nötigen Bescheinigungen erstellt.

Vor der Reise sollten Urlauber zunächst ihren Impfschutz prüfen. Die Immunisierung etwa gegen Tetanus, Polio oder Diphtherie sollte selbstverständlich sein, wie Rieke betont. Zusätzlich empfiehlt der Mediziner bei Aufenthalten etwa in der Mittelmeerregion den Schutz vor Hepatitis A. Diese häufigste Hepatitis-Form wird meist durch verunreinigte Lebensmittel etwa Saft, Salat, nicht durchgegarten Fisch oder Meeresfrüchte übertragen. Reisende sollten nicht davor zurückscheuen, sich individuell beraten zu lassen. Gerade beim Impfschutz kommt es nicht nur auf die Reisegebiete, sondern auch auf die Art der Reise an. Der Entwicklungshelfer braucht einen anderen Schutz als der Kongressbesucher in derselben Stadt. Neu ist, dass einige Krankenkassen (KKH, TK, DAK, zum Teil BKK) auch für Privatreisen einige Schutzimpfungen erstatten.

Aber selbst bei umfassender Vorsorge lassen sich Erkrankungen nie ausschließen. Daher empfiehlt Rieke dringend eine Auslandsreise-Krankenversicherung: Diese sollte nicht nur für die vollständigen Behandlungskosten übernehmen, sondern auch einen möglichen Rücktransport. Eine Investition, die sich lohnen kann, bedenkt man, dass ein Krankenhausaufenthalt in den USA schnell mehrere tausend Euro kosten kann.