Neurologie

Migräne-Attacke kann im MRT vorausgesagt werden

Im MRT lässt sich genau messen, wann der nächste Migräne-Anfall kommt. So kann man rechtzeitig reagieren und Schmerzen effektiv behandeln.

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Ein Migräne-Anfall kündigt sich nicht nur durch typische Symptome wie Konzentrationsschwäche und Heißhunger an, sondern auch durch Veränderungen in der Gehirnaktivität. Das hat ein deutsches Forscherteam herausgefunden. Die Wissenschaftler konnten dabei eine Art Motor für Migräne-Attacken im Gehirn ausfindig machen: das Trigeminus-System, das große Teile des Gesichts und des Kopfes durchzieht. Die Aktivität der Nervenzellen in diesem Bereich verändert sich schon Tage vor dem eigentlichen Anfall, entdeckten die Forscher. Mit Hilfe einer Aktivitätsmessung lässt sich genau bestimmen, wie viel Zeit bis zur nächsten Migräne-Attacke bleibt. Damit sei es erstmals gelungen, im Gehirn eine Region ausfindig zu machen, die mitbestimmt, wann die nächste Migräne-Attacke kommt, schreiben die Wissenschaftler um Arne May vom Universitätskrankenhaus Eppendorf in Hamburg im Fachjournal „Journal of Neuroscience“.

Etwa 11 von 100 Menschen in Deutschland leiden unter Migräne. Diese neurophysiologische Erkrankung ist nicht nur durch periodisch wiederkehrenden Kopfschmerz gekennzeichnet, sondern geht oft auch mit Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit einher. Welche Bereiche im Gehirn für den Ausbruch einer Migräne-Attacke entscheidend sind, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Daher haben die Forscher um May untersucht, ob sich die Hirnaktivität des trigeminalen Schmerzzentrums bei Migräne-Patienten und Gesunden voneinander unterscheidet. Dazu sollten 20 Migräne-Patienten und 20 gesunde Probanden entweder an Rosenöl riechen oder Ammoniak einatmen. Während das wohlduftende Rosenöl den Geruchssinn reizt, stimuliert das stechend riechende Ammoniak-Gas im Gehirn die Nerven des Trigeminus-Systems.

Mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie fanden die Forscher heraus, dass die beiden Versuchsgruppen auf den Ammoniak unterschiedlich reagierten: Bei kopfschmerzfreien Migräne-Patienten, bei denen die letzte Attacke 72 Stunden zurücklag, ließen sich die Nervenzellen im Trigeminus-System deutlich weniger stark durch den Ammoniakgeruch animieren als bei den gesunden Probanden. „Das heißt, dass bei Migräne-Patienten der Schmerzreiz weniger gut weitergeleitet wird als bei Gesunden“, sagt Studienleiter May. Allerdings stieg die Nervenzellaktivität im Laufe der folgenden Stunden drastisch an: Je näher der nächste Migräne-Anfall rückte, desto aktiver waren die Nerven. Während der Kopfschmerzattacke fiel dann die Aktivität der Nervenzellen des Trigeminus wieder ab. „Wir konnten ganz genau sagen, in welcher Phase des Migräne-Zyklus sich der Patient befindet“, sagt May. Damit ist die nächste Migräne-Attacke genau vorhersagbar - zumindest im Magnetresonanztomographen.

Im täglichen Leben werde diese Entdeckung Migräne-Patienten jedoch erst einmal nicht weiterhelfen, sagt May. Es habe sich bei der aktuellen Studie um reine Grundlagenforschung gehandelt, die helfen soll, die Entstehungsmechanismen der Erkrankung besser zu verstehen. Es sei allerdings auch möglich, ohne technische Hilfsmittel zu sagen, wann die nächste Attacke ansteht. Denn bei vielen Betroffenen kündigen Symptome wie Konzentrationsschwäche, Gähnanfälle und Heißhunger die Kopfschmerzen bereits Tage vorher an. Die eigentliche Attacke beginnt lange bevor die Kopfschmerzen einsetzen“, erläutert der Neurologe. Allerdings müssen die Patienten erst lernen, für diese Symptome sensibel zu werden, damit sie das Ausmaß des tatsächlichen Migräne-Anfalls reduzieren können. „Und das macht man am besten durch Muskelentspannung“, empfiehlt May.