Jeder 200. Deutsche soll betroffen sein. Ttrotzdem ist Zöliakie weitgehend unbekannt. Wer unter der Krankheit leidet, hat meist eine Odyssee durch verschiedene Arztpraxen hinter sich. Obwohl die Diagnose simpel ist, wird Zöliakie häufig erst spät erkannt. Bis zur endgültigen Diagnose quälen sich Betroffene mit Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfällen und Depressionen. Bei Frauen kann die Krankheit zu Unfruchtbarkeit und einem erhöhten RIsiko für Fehlgeburten führen.
Zöliakie-Patienten können nicht mit Tabletten oder anderen Medikamenten gegen die Glutenunverträglichkeit behandelt werden. Einziger Weg ist eine Ernährung ohne Weizen, Roggen und Gerste – also ohne normales Brot, Nudeln oder reguläres Bier.
"Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Dünndarmes, und es werden immer häufiger auch von der Zöliakie betroffene Erwachsene diagnostiziert", sagt Professor Berthold Koletzko von der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM). Früher sei die Krankheit vor allem bei Kleinkindern festgestellt worden, wenn von der Ernährung mit Muttermilch oder Flaschennahrung auf glutenhaltige Beikost umgestellt wurde.
Unterversorgung des Körpers durch entzündete Darmschleimhaut
Um eine möglichst große Oberfläche zur Nährstoffaufnahme zu erhalten, ist der Darm mit sogenannten Zotten – kleinen Fältchen – ausgekleidet. Bei Zöliakie-Kranken entzündet sich die Darmschleimhaut durch die Zufuhr von glutenhaltigen Nahrungsmitteln. Das führt dazu, dass sich die Zotten zurückbilden und die Oberfläche des Dünndarms sich verkleinert. Es können nicht mehr genügend Nährstoffe aufgenommen werden. Diese Unterversorgung führt im Krankheitsverlauf zu einer Reihe von Beschwerden.
Experten gehen davon aus, dass mehrere Faktoren bei der Erkrankung eine Rolle spielen. Dazu zählen erbliche Komponenten ebenso wie das Immunsystem, Infektionen und Umwelteinflüsse. Die Zusammenhänge konnten bisher jedoch noch nicht vollständig geklärt werden.
Zöliakie kommt selten allein
Zöliakie tritt oft zusammen mit anderen Autoimmunkrankheiten und atopischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, rheumatoider Arthritis, Asthma oder Down-Syndrom auf. Mit einem einfachen Bluttest kann nach einer Zöliakie gefahndet werden. Um die Diagnose eindeutig zu sichern, wird Gewebe aus dem Dünndarm im Rahmen einer Magen-Dünndarm-Spiegelung entnommen.
Die Krankheit kann in jedem Alter ausbrechen. Besonders häufig wird Zöliakie jedoch zwischen dem ersten und dem achten und dem 20. und 50. Lebensjahr diagnostiziert. Mit einer Umstellung der Ernährung auf glutenfreie Nahrungsmittel leben Zöliakie-Patienten meist beschwerdefrei. Wichtig ist, in welchem Stadium die Krankheit entdeckt und die Behandlung begonnen wird.
Probleme im Alltag: Gluten freie Nahrung muss getrennt gelagert werden
Betroffene müssen auch darauf achten, dass ihre Nahrungsmittel streng von den mit Gluten versetzten getrennt werden. Das beginnt bei der Nutzung der gleichen Pfannen, Töpfe oder Messer bei der Zubereitung. Auch von der gemeinsamen Aufbewahrung wird abgeraten.
Die steigende Zahl der Neuerkrankungen führt dazu, dass sich der Markt auf Betroffene einstellt. Es werden glutenfreie Nahrungsmittel produziert, Hotels und Fluggesellschaften bieten spezielle Diät-Menüs an und etliche Internetforen beschäftigen sich mit Fragen zum Thema.
Um Zöliakie noch mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, wird am 17. Mai der Welt-Zöliakie-Tag begangen. Neben Info-Veranstaltungen soll vor allem darauf aufmerksam gemacht werden, dass Zöliakie zwar behandelbar ist – geheilt werden kann sie immer noch nicht.
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