Richardsons Tod

Der Schrecken des Schädel-Hirn-Traumas

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Der Tod der britischen Schauspielerin Natasha Richardson wirft wie nach Althaus' Unfall die Frage auf: Warum wirkt ein Mensch zunächst äußerlich unverletzt, wenn er Stunden später schwer krank ins Krankenbett sinkt? Schuld ist eine Ansammlung von Flüssigkeit zwischen Schädel und Hirn.

Nach dem Unfall von Natasha Richardson gab es „keine Anzeichen für eine Verletzung“, erklärte die Verwaltung des Skigebiets. Vorsichtshalber sei die Schauspielerin aber von ihrem Skilehrer zum Hotel begleitet worden. Er habe ihr geraten, einen Arzt aufzusuchen. Als Natasha Richardson sich nach einer Stunde unwohl fühlte, wurde sie in das Sainte-Agathe-Krankenhaus in Québec und später ins Sacré-Coeur-Krankenhaus in Montréal gebracht.

„Wenn wir eine derartige Geschichte hören, denken wir unmittelbar daran, dass sich ein Blutklumpen zwischen dem Schädel und dem Hirn gebildet haben könnte“, sagte die Neurologin von der Emory-Universität dem Nachrichtensender CNN. „Patienten können eine lichte Periode haben, die Minuten oder auch Stunden dauern kann, aber dann dehnt sich der Blutklumpen aus und übt Druck auf das Gehirn aus, was schnell fatale Folgen haben kann.“

Die Familie machte bislang allerdings keine Angaben zur Ursache des Todes von Natasha Richardson. Seit dem Sturz war in den US-Medien über eine schwere Kopfverletzung mit Gehirnblutungen spekuliert worden.

Fatale Erinnerung an Althaus' Unfall

Man spricht von einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT), wenn der gesamte Kopf oder Teile davon – also Schädelknochen, Gehirn, Hirnhäute oder Blutgefäße – bei Gewalteinwirkungen geschädigt wurden. In Europa gehört das SHT zu den häufigsten Todesursachen bei Menschen unter 45, bei Teenagern ist es sogar die häufigste Todesursache.

„Wie schwerwiegend die Folgen sind, hängt davon ab, wo im Gehirn Störungen oder Blutungen waren“, sagt Veit Braun, Chefarzt der Neurochirurgischen Klinik in Siegen. Blutergüsse im Bewegungszentrum beispielsweise könnten zu Lähmungen führen. Ob die Lähmung bleibe, hänge davon ab, „ob die Zellen nur vorübergehend in der Funktion beeinträchtigt wurden, oder ob sie einen dauerhaften Schaden abbekommen haben“.

Die einfachste Form des Schädel-Hirn-Traumas ist die Gehirnerschütterung: Hier ist das Gehirn nur für einige Tage beeinträchtigt. Ein mittleres Schädel-Hirn-Trauma führt zu einer kurzen oder auch länger anhaltenden Bewusstlosigkeit und teilweise zu Lähmungen und Gefühlsstörungen, die über Wochen anhalten können. Starke Kopfschmerzen, Schwindel und Konzentrationsschwierigkeiten können den Patienten auch länger quälen.

Ein Schädel-Hirn-Trauma 3. Grades geht oft mit einem Hirnödem - einer gefährlichen Flüssigkeitsansammlung – und erheblichen nervlichen Störungen oder Ausfällen einher. Überlebt der Patient, hat er nicht selten auf Dauer mit Krampfanfällen und Lähmungen zu kämpfen. Auch psychische Veränderungen sind möglich.

Der Grad der Schädigung ist kurz nach einem Unfall nie sicher vorherzusagen, nicht einmal mit modernsten Methoden: „Auch nach einer Kernspintomographie kann man die Folgen von Schädel-Hirn-Traumen allenfalls abschätzen“, erklärt Braun, der auch Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie ist.

„Diese Diagnose kann bedeuten, dass der Patient nicht weiß, was für ein Wochentag ist oder wo er sich gerade befindet“, erklärt Braun. Vergleichbar sei der Zustand mit den ersten Sekunden nach einem extrem tiefen Schlaf: „Auch da dauert es, bis man sich sortiert hat, bis man wieder klar denken und Fragen beantworten kann.“

Zwar könnten sich Ärzte und Angehörige oft fast normal mit Schädel-Hirn-Trauma-Patienten unterhalten. „Doch es kann sein, dass sich der Patient schon zehn Minuten später nicht mehr an das Gespräch erinnern kann“, berichtet Braun. Wann sich die zeitliche und örtliche Orientierung wieder einstelle, lasse sich nie genau vorhersagen: „Je nach Grad der Verletzung kann sie schnell zurückkehren oder auch erst nach Monaten.“

( AP/AFP/dpa/cl )