Forscher am Hans-Knöll-Institut in Jena sind nach eigenen Angaben bei einer Gen-Analyse des Bodenbakteriums „Clostridium cellulolyticum“ einem bisher unbekannten antibiotischen Stoff auf die Spur gekommen. In dessen komplett entschlüsseltem Erbgut fanden sich Gene für die Produktion bislang nicht bekannter Stoffe.

In Laborbedingungen habe „Clostridium“ den Stoff aber nicht abgegeben, egal wie die Wissenschaftler Nährstoffzufuhr, Temperatur oder Säurewert veränderten. Erst als den Bakterien auch wie in ihrer natürlichen Umgebung die Luftzufuhr abgeschnitten wurde, hätten sie das neue Molekül gebildet.

Die inzwischen patentierte Substanz besitze keine Querverbindungen zu anderen bekannten Stoffen, sagte ein Institutssprecher. Deshalb lasse sich weder sagen, wie sie in einem Organismus reagiere, noch wozu die Bakterien sie herstellten.

Möglicherweise schalteten sie damit Nahrungskonkurrenten aus. Zumindest wirke der Stoff gegen Keime, die gegen gängige Antibiotika resistent seien. Zu den medizinisch bedeutsamsten zähle der schlecht bekämpfbare „Staphylococcus aureus“, der in Kliniken lebensbedrohliche Infekte auslösen könne.

Nun müsse in den nächsten Jahren getestet werden, ob sich der Stoff auch als verträgliches Medikament eigne und wie er in größeren Mengen hergestellt werden könne.

Zunächst werde der neue Stoff nun unter anderem an Mäusen getestet. Danach könne ein Industriepartner gesucht werden, der die aufwendigen Tests und Zulassungsverfahren auf dem Weg zu einem neuen Medikament übernehme. Nach Institutsangaben dauert dieser Prozess bis zur Marktreife mindestens zehn Jahre.

dpa/oc