Kinder und Jugendliche mit Neurodermitis tragen ein um 50 Prozent höheres Risiko, am Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) zu erkranken als ihre gesunden Altersgenossen. Dies berichten Wissenschaftler der Universitätsklinik Carl Gustav Carus und der TU Dresden in der aktuellen Ausgabe von „The Journal of the American Medical Association“ (JAMA).


Wie hoch das ADHS-Risiko für Neurodermitis-Patienten ist, hängt der Studie zufolge auch von der Schwere dieser Hauterkrankung ab: Je häufiger die Betroffenen wegen der Hautkrankheit zum Arzt müssen, desto höher ist demnach die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch an ADHS leiden.


Beide Erkrankungen treten in der Altersgruppe von sechs bis 17 Jahren besonders häufig auf: In den ersten drei Lebensjahren ist jedes fünfte Kind von einer Neurodermitis betroffen, ADHS ist wiederum die häufigste psychische Erkrankung im Kinder- und Jugendlichenalter. Erste Hypothesen gehen davon aus, dass die durch Neurodermitis verursachten Schlafstörungen möglicherweise die psychische Entwicklung beeinträchtigen und dass der krankheitsbedingte Juckreiz bei manchen Patienten auch eine Ursache für die Konzentrationsstörungen sein könnte, die im Schulalter zu Lern- und Verhaltensproblemen führen.


Um aus den jetzt erstmals veröffentlichten Daten einen unmittelbaren Zusammenhang auch aus medizinischer Sicht wissenschaftlich belegen zu können, bedarf es nach Angaben der Wissenschaftler allerdings noch weitergehender Studien.


Ausgewertet wurden die anonymen, statistischen Daten von 300.000 sächsischen Patienten von Jochen Schmitt, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Klinik für Dermatologie. Dabei wurde er von weiteren Experten unterstützt.


dpa/jd