Medizin

Frühe Operationen machen Kinder empfindlich

Kinder, die als Säuglinge operiert oder als Frühchen intensivmedizinisch betreut wurden, sind später empfindlicher. Eine Studie wies erhöhte Sesibilität gegenüber Temperaturschwankungen nach. Die gleichen Nervenfasern leiten Schmerzimpulse weiter, daher schließt man auf eine höhere Schmerzempfindlichkeit.

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Operationen bei Frühchen und Neugeborenen können das spätere Schmerzempfinden verstärken. Das erläuterte Suellen Walker von der Forschungsgruppe Schmerz bei Kindern des University College London gestern auf der Jahrestagung der Föderation der Europäischen Neurowissenschaftlichen Gesellschaften (FENS) in Genf. Demnach kann sich die Aktivität des Nervensystems verändern, was wiederum die normale Entwicklung stören kann, wenn es in diesem Alter zu Schmerzen oder Verletzungen kommt.

Die Forscher hatten 43 Kinder im Alter von elf Jahren untersucht, die bereits in der 25. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen waren. Alle Kinder waren nach der Geburt intensivmedizinisch versorgt worden, einige wurden operiert. In ihrem Experiment verglichen die Forscher Schmerzreaktionen der Kinder mit Reaktionen von Gleichaltrigen, die normal nach neun Monaten zur Welt gekommen waren und bei denen im Säuglingsalter keine aufwendigen medizinischen Eingriffe erforderlich wurden.

Walker fand heraus, dass die Kinder, die zu früh zur Welt gekommen waren, für Temperaturschwankungen weniger sensibel waren. Demgegenüber waren Kinder, die bereits als Säuglinge operiert worden waren, empfindlicher. Dies lege nahe, dass bei ihnen Veränderungen bei der Verarbeitung von Sinnesreizen auftreten, die auch die Schmerzverarbeitung beeinflussen. Angesichts der intensivmedizinischen Betreuung ziehen die Forscher aber noch andere Faktoren in Betracht, die ebenfalls die spätere Verarbeitung bei Schmerzen beeinflussen können. Dazu zählen etwa Hirnverletzungen, Infektionen oder Medikamente.

Die Studien legen nahe, dass es zu spezifischen Veränderungen bei der Weiterleitung und Verarbeitung von Temperaturreizen kommt. Nervenfasern, die Temperaturreize übermitteln, sind auch an der Weiterleitung von Schmerzimpulsen beteiligt. Studien mit Zwillingen hätten aber auch gezeigt, dass zwischen 50 und 60 Prozent der Schmerzempfindlichkeit beim Menschen genetisch begründet sind, also vererbt werden.