Philadelphia

Diäten können Lebenserwartung erhöhen

Von Geburt an tickt dieAltersuhr eines Menschen. Doch er kann sie beeinflussen

Philadelphia. Der Takt der biologischen Uhr lässt sich durch eine Diät verlangsamen. Das haben US-Forscher der Temple University in Philadelphia mit einer Analyse spezieller Veränderungen am Erbgut belegt, berichten sie im Journal „Nature Communications“.

Die Wissenschaftler setzten Affen auf eine Diät. Dabei blieb die Zusammensetzung des Futters unverändert, die Menge aber wurde reduziert. Dann untersuchten sie mit Hilfe von Blutproben epigenetische Veränderungen im Erbgut der Tiere. Dabei lagern sich kleine Substanzen an die DNA an und blockieren die Genaktivität. Die Tiere auf Diät zeigten im Alter weniger epigenetische Veränderungen. Je mehr Veränderungen sich auf der DNA ansammeln, desto geringer ist die Lebenserwartung. „Die Forscher haben einen Biomarker für das Alter in einem der nächsten Verwandten des Menschen gefunden“, sagte Oliver Hahn vom Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln. „Es ist die erste Studie, die sich systematisch in Mäusen, Affen und dem Menschen mit der Frage beschäftigt, wie die Ernährung die Geschwindigkeit des Alterns beeinflussen kann“, erläuterte Holger Bierhoff, Leiter der Arbeitsgruppe „Epigenetik des Alterns“ an der Universität Jena.

Es ist schon seit Längerem bekannt, dass sogenannte kalorische Restriktionen zu einer höheren Lebenserwartung führen können – solange die Reduktion eine gewisse Grenze nicht unterschreitet. „Es gibt immer mehr Hinweise, dass die Reduzierung von Kalorien auch im Menschen einen positiven ‚Anti-Aging‘-Effekt hat“, erzählt Bierhoff. Um das Ticken der Uhr zu verlangsamen, könne man auch die Zusammensetzung der Ernährung umstellen, etwa weniger Einfach-Zucker, dafür mehr komplexe Kohlenhydrate zu sich nehmen. Epigenetiker Steve Horvath von der University of California in Los Angeles rät zu Gemüse, Fisch und nicht zu viel Alkohol. Als erfolgreich hat sich nach Angaben von Bierhoff auch kurzzeitiges Fasten erwiesen. Dabei nimmt man 16 Stunden am Tag keine Nahrung auf. „Das habe die gleiche positive Wirkung wie lange Fastenkuren“, so Bierhoff.