Mainz/Boston

Immuntherapie zeigt erste Erfolge bei Hautkrebs

Personalisierte Impfstoffe sollen Tumorzellen attackieren. Zwei Studien machen Hoffnung

Mainz/Boston.  Chemo- und Strahlentherapie wirken direkt gegen einen Tumor. Allerdings werden dabei nicht nur Krebszellen zerstört, sondern auch gesunde Zellen beeinträchtigt. Ein seit einigen Jahren intensiv erforschter Ansatz setzt auf körpereigene Krieger: die Zellen des Immunsystems.

Als besonders geeignet gilt die personalisierte Immuntherapie für das maligne Melanom, den schwarzen Hautkrebs. "Das Melanom ist die Tumorart mit den meisten Mutationen in den Tumorzellen", erklärt Jochen Utikal, Leiter der klinischen Kooperationseinheit Dermato-Onkologie am Deutschen Krebsforschungszentrum und an der Universitätsmedizin Mannheim.

Im Fachblatt "Nature" stellen zwei Forscherteams die Ergebnisse von 19 Patienten mit fortgeschrittenem schwarzen Hautkrebs vor, deren Immunsystem über eine personalisierte Impfung auf die Tumorzellen angesetzt wurde.

Forscher um Ugur Sahin von der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz analysierten bei 13 Patienten das Erbgut der Tumorzellen sowie von Blutzellen. Aus den tumorspezifischen Mutationen suchten sie solche aus, die Chancen auf eine Immunantwort boten. Bis zu zehn dieser Neoantigene wurden je Patient ausgewählt, um einen Impfstoff zu kreieren. Die Forscher verwendeten dabei das Molekül RNA. Der Impfstoff wurde in Lymphknoten der Patienten gespritzt und sorgte dafür, dass Zellen mit den ausgewählten Neoantigenen auf der Oberfläche zerstört wurden. Auch Metastasen würden erfasst, erklärt Utikal, Mitautor der Studie. Von den 13 Patienten blieben acht in den zwölf bis 23 Monaten nach der Behandlung tumorfrei, bei fünf kehrte der Krebs zurück.

Die Gruppe vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston (US-Staat Massachusetts) wählte einen ganz ähnlichen, aber auf Proteinen statt auf RNA beruhenden Ansatz. Sechs Patienten mit fortgeschrittenem schwarzen Hautkrebs wurden behandelt. Auch hier wurde das Erbgut der Krebszellen mit dem gesunder abgeglichen, über einen Algorithmus wurden Neoantigene ausgewählt. Vier der sechs Patienten zeigten in den bis zu 23 Monaten nach der Therapie keine Anzeichen für eine Rückkehr des Tumors.

Über die langfristigen Überlebenschancen sagt das allerdings nicht viel aus. Bei personalisierten Immuntherapien könne es wie bei anderen Krebstherapien auch zu Resistenzen und damit zur Rückkehr des Tumors kommen, erklärt Utikal.

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