1900 Milliarden Euro liegen nach Angaben des Verbraucherportals „Finanztip“ zinslos auf deutschen Konten herum. Die Zinsen für geliehenes Geld wiederum sind historisch niedrig. Zwei Umstände, die für einen Boom auf dem Immobilienmarkt gesorgt haben. „Finanztip“-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen warnt: „Ob sich eine Immobilie lohnt, kommt darauf an, aus welchem Motiv man kauft.“

Der Verbraucherschützer rät, vor der Entscheidung drei Probleme zu beachten: „Kaufe ich die Immobilie für mich, dann sollte ich das Geld dafür natürlich so günstig wie möglich aufnehmen“, erklärt Tenhagen. Und dabei trotzdem bedenken, dass die Zinsen in Zukunft ansteigen könnten. Sei die Immobilie hingegen als Geldanlage gedacht, würden andere Regeln gelten.

Die aktuellen Immobilienpreise nennt Tenhagen hoch. In den Ballungsgebieten seien sie sogar so exorbitant hoch, dass eine Immobilie nicht mehr über die Miete zu refinanzieren sei. Das bedeutet: Wenn man das Haus vermietet, reichen die Mieteinnahmen nicht aus, um die komplette Rate zu bezahlen.

Ein weiteres Problem seien die niedrigen Zinsen. „Was ist, wenn in zehn Jahren die Zinsen bei fünf Prozent liegen?“, fragt Tenhagen. Derjenige, der sich dann Geld leihe, könne sich viel weniger Kapital leisten. „Und er wird wohl nicht bereit sein, meinen geforderten Kaufpreis zu bezahlen.“

Nicht zuletzt spielt Tenhagen zufolge auch die Demografie den Immobilienkäufern nicht gerade in die Hände. „Heute sind es oft die 55-Jährigen, die sich die Zweitimmobilie leisten.“ Wenn die Menschen aus geburtenstarken Jahrgängen in 20 Jahren 75 Jahre alt seien und alle ihre Wohnungen verkaufen wollten, sei fraglich, wer die alle kaufen soll. Die Faustregel für Immobilienkäufer beschreibt Tenhagen so: Die Obergrenze für den Kaufpreis liege bei 25 Jahres-Netto-Kaltmieten, besser 20. Bei einer monatlichen Netto-Kaltmiete von 1000 Euro läge die Obergrenze also bei 300.000 Euro. Andernfalls seien die Chancen auf Rendite gering. Tenhagen: „Es sei denn, Sie spekulieren auf weitere Wertsteigerung. Aber wissen Sie, was in 25 Jahren mit Ihrem Stadtteil passiert?“