Berlin

„Tabak-Atlas“: Berliner rauchen mehr als Bayern

Drogenbeauftragte fordert ein komplettes Werbeverbot

Berlin.  Rund 121.000 Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen des Rauchens. Das sind rund 13,5 Prozent aller Todesfälle in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle „Tabakatlas“, den das Deutsche Krebsforschungszentrum aufgelegt hat. Am häufigsten zeigen sich die tödlichen Folgen in Bremen und Berlin. Hier sterben 23 Prozent der Männer und elf Prozent der Frauen an den Folgen des Tabakkonsums.

„Rauchen ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko“, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), bei der Vorstellung des „Tabakatlasses“. Zu den häufigsten Raucherkrankheiten zählen Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Tuberkulose, Diabetes oder Erektionsstörungen.

Starke Raucher sind vor allem Männer zwischen 40 und 49 Jahren. Die meisten arbeiten laut Studie als Möbelpacker, Sicherheitsleute oder Müllwerker. Bei den Frauen sind Raucherinnen vor allem unter den Berufskraftfahrerinnen oder unter den Lackiererinnen und Malerinnen zu finden. Männer wie Frauen mit akademischem Abschluss greifen deutlich seltener zur Zigarette.

Insgesamt ist der Tabakkonsum in Deutschland leicht auf dem Rückzug: Anfang der 90er-Jahre rauchten noch fast 37 Prozent der über 14-Jährigen, zwischen 2009 und 2013 sank der Anteil von 30,5 auf 29,0 Prozent. Dieser Trend ist vor allem auf den Rückgang jugendlicher Raucher zurückzuführen. Von den Elf- bis 17-Jährigen rauchen nur noch zwölf Prozent. Viele von ihnen aber sind auf die E-Zigarette umgestiegen.

Die Tabakkonzerne setzten 2014 mit dem Verkauf von rund 80 Millionen Zigaretten etwa 20,5 Milliarden Euro um. Auch der Staat verdiente mit. Der Steueranteil macht etwa drei Viertel des Kaufpreises aus. 2014 flossen so etwa 12,26 Milliarden Euro in den Haushalt. Krebsexperten sprechen sich im Krampf gegen das Rauchen für eine deutliche Erhöhung der Steuern aus. Nach ihrer Rechnung kostet das Rauchen Staat und Wirtschaft jedes Jahr rund 80 Milliarden Euro. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung setzt vor allem auf mehr Antiraucherkampagnen. Außerdem hofft Mortler auf eine rasche Umsetzung der EU-Tabakproduktrichtlinie. Teil des Pakets ist ein Verbot von Außenwerbung für Tabakprodukte. Bis Mai 2016 hat die Bundesregierung Zeit, die Richtlinie in nationales Recht zu gießen.