In der Nacht auf Sonntag (27. Oktober) sind nachts um drei die Uhren um eine Stunde auf 2 Uhr zurückgedreht worden.

Nach Ansicht von Experten ist dabei für die meisten Menschen die Zeitumstellung im Herbst aber weniger dramatisch als der Wechsel von Winter- zu Sommerzeit. Frühaufsteher werden im Herbst einfach noch eine Stunde früher wach, Langschläfer blieben einfach die zusätzliche Stunde länger liegen.

Dieses Zeitplus sei leichter zu verkraften als die fehlende Stunde im Frühjahr. Frühaufsteher könnten sich darauf besser einstellen als die Langschläfer. Diese hätten ohnehin schon „mit den für sie eigentlich zu kurzen Tagen zu kämpfen und einmalig nur 23 Stunden zur Verfügung“, sagt der Neurobiologe Dirk Rieger von der Universität Würzburg.

Gegen einen drohenden „sozialen Jetlag“ helfe am besten Licht. Dies sei der wichtigste Faktor, „über den die innere Uhr an die Umwelt gekoppelt ist“. Aktivitäten im Freien helfen laut der Würzburger Forscher sehr gut gegen Probleme mit der Zeitumstellung.

Winterzeit ist eigentlich Normalzeit

Die Winterzeit ist die eigentliche Normalzeit. Im Jahre 1980 wurde in Deutschland die Sommerzeit eingeführt, die jeweils vom letzten Sonntag im März bis zum letzten Sonntag im Oktober gültig ist. Man versprach sich seinerzeit eine bessere Ausnutzung des natürlichen Tageslichtes und damit eine Einsparung von Energie. Diese Zielsetzung war eine Konsequenz der Ölkrise von 1973. Im Jahr 2001 wurde dann die „mitteleuropäische Sommerzeit“ sogar EU-weit eingeführt.

Inzwischen wurde aber nachgewiesen, dass die Sommerzeit keine Energieeinsparung bringt. Zwar wird am Abend tatsächlich weniger Strom für die Beleuchtung verbraucht, dafür aber in den kalten Monaten März, April und Oktober morgens mehr Energie für das Heizen der Wohnung. Dennoch sind viele Menschen mit der Sommerzeit zufrieden, weil ihnen eine Stunde länger Licht an schönen Sommerabenden einen Gewinn an Lebensqualität bringt.

Problematisch sind die Tage danach

Problematisch sind allerdings die beiden Umstellungstermine und jeweils die Tage danach. Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse hat bestätigt, dass das Hin und Her zwischen Sommer- und Winterzeit den Schlafrhythmus vieler Menschen stört. Demnach bereitet die Zeitumstellung vier von zehn Bundesbürgern Probleme – 46 Prozent der Frauen und 36 Prozent der Männer.

Die meisten Betroffenen brauchen einige Tage, um wieder in den normalen Rhythmus zu finden. Neun Prozent der Frauen und vier Prozent der Männer geben sogar an, unter der Zeitverschiebung zu leiden.

Die Umstellung im März, bei der die Nacht zum Sonntag eine Stunde kürzer ist, ist dabei der problematischere Termin. Weniger Schlaf führt schlicht zu Müdigkeit, die sich dann wieder in vielfältiger Weise negativ auswirken kann. Statistisch belegt ist, dass am Montagmorgen nach dem Wochenende der Umstellung auf die Sommerzeit die Zahl der Verkehrsunfälle ansteigt.

Der Übergang zur Winterzeit ist zumindest für Nachtmenschen eher ein freudiges Ereignis. „All die Eulen schreien Holdrio“, kommentierte das Professor Dieter Kunz, Chefarzt der Klinik Schlafmedizin am Berliner St.-Hedwig-Krankenhaus. Sie bleiben ja abends ohnehin gerne länger auf und können am kommenden Wochenende einfach eine Stunde länger schlafen.

Biorhythmus gerät durcheinander

Für die Frühaufsteher, gemeinhin als Lerchen bezeichnet, ist die bevorstehende Zeitumstellung eher unpraktisch. „Die wachen sowieso um fünf oder sechs Uhr auf“, erklärt Kunz, „und jetzt eben noch eine Stunde eher.“ Unmittelbare Folge der Zeitumstellung für Lerchen ist dementsprechend auch, dass sie am Abend eine Stunde früher müde werden. Für gemischte Paare mit einem Eulen- und einem Lerchentyp wird es also in den nächsten Tagen möglicherweise noch schwieriger, gemeinsam aktive Zeit am Abend zu verbringen.

Der Biorhythmus des Menschen wird durch die Zeitumstellung und der damit verbundenen Verschiebung der Hell-Dunkel-Phasen relativ zur Uhrzeit gestört. Betroffene klagen dann mehr oder weniger über Ein- und Durchschlafstörungen, Tagesschläfrigkeit, Gereiztheit und Konzentrationsstörungen. In manchen Fällen wird sogar eine Veränderung der Herzfrequenz beobachtet. Auch Verdauungsbeschwerden können in den Tagen nach einer Zeitumstellung auftreten.

Doch alles in allem ist die Zeitumstellung um eine Stunde in die eine oder andere Richtung eine vergleichsweise milde Maßnahme, wenn man es mit jenen Zeitsprüngen vergleicht, die dem Organismus durch Fernreisen zugemutet werden. Wer etwa von einer Flugreise aus den USA oder Japan nach Deutschland zurückkehrt, erlebt den sogenannte Jetlag. Ein Wechsel von der Sommer- zur Winterzeit beschert ganz analog einen Mini-Jetlag, der ist in aller Regel nach einigen Tagen überwunden ist.

Produktion von Melatonin unterdrückt

Es gibt diverse Tipps, wie sich die Umstellung der inneren Uhr an die neue Zeit beschleunigen lässt. Den Lerchen empfehlen Experten ab kommender Woche, sich am späten Nachmittag Licht mit einem starken Blauanteil auszusetzen. Studien haben gezeigt, dass blaues Licht munter macht und Müdigkeit überwinden hilft. Das bedeutet natürlich auch, dass man vor dem Einschlafen im Bett nicht bei stark blauhaltigem Licht lesen sollte. Das kurzwellige Licht unterdrückt die Produktion des Schlafhormons Melatonin. Achtung: LED-Lampen haben einen im Vergleich zur klassischen Glühbirne sehr viel höheren Blauanteil.

Die Umstellung in die Winterzeit gelingt schneller, wenn ab nachmittags auf den Genuss von Kaffee und Alkohol verzichtet wird. Auch die Einnahme von Schlafmitteln ist eher kontraproduktiv. Und wenn sie schon heute Abend vielleicht eine halbe Stunde eher ins Bett gehen, kann dies die notwendig werdende Anpassung des Biorhythmus erleichtern. Manchen Menschen hilft es indes auch, abends ein wenig Sport zu treiben.

Eine morgendliche Wechseldusche, die den Kreislauf in Schwung bringt, und der vorübergehende Verzicht auf einen Mittagsschlaf sind weitere Ratschläge, die jetzt von Experten gegeben werden. Und wer Zeit dazu hat, sollte sowohl morgens als auch am Nachmittag einen Spaziergang an der frischen Luft machen. Das ist übrigens auch dann gesund, wenn es keine Zeitumstellung gibt.

BM