Mit freundlichem Plastikgesichtsausdruck hält der Roboter einen Kaffeebecher in seiner Hand. Der Begriff Hand ist in Anbetracht der drei Silikonstreifen vielleicht etwas zu weit gegriffen. Doch so simpel die Konstruktion auf den ersten Blick scheint, die Hand des Roboters ist eine absolute Neuheit.

Am Dienstag wurden die „Soft Hands“ von einer Forschungsgruppe der TU Berlin vorgestellt. Auf der Konferenz „Robotics: Science and Systems 2013“ erklären Forscher ihre neuesten Ideen rund um den Roboter. Derzeit werden Roboter vor allem in der Industrie eingesetzt.

Der Traum vom Blech-Helfer im Haushalt – einer, der Staub saugt oder Wäsche aufhängt – ist allerdings noch in weiter Ferne. „Diesbezüglich befindet sich unsere Forschung noch in den Kinderschuhen, leider“, sagt Raphael Deimel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Technische Informatik und Mikroelektronik. Mit den „Soft Hands“ will man dieser Wunschvorstellung aber ein Stück näher kommen.

Das Hauptproblem für einen Roboter sei vor allem seine Umwelt. Jede Reaktion des Roboters muss vorher von einem Menschen programmiert worden sein. Möchte man ihn also dazu bringen, nach einem Objekt zu greifen, müssen die Maße des Gegenstands vorab genau feststehen und in den Computer eingegeben werden. Ein großer Aufwand für eine kleine Fingerbewegung.

Die „Soft Hands“ sollen nun gleich mehrere Verbesserungen bringen. Der erste Vorteil liegt in der Herstellung. Wie leicht die Produktion ist, zeigt eine Bastelanleitung auf der Website des Instituts. Benötigt werden Silikon-Streifen und eine Vakuumpumpe – von dem dazugehörigen Roboter abgesehen. Ein Computer gibt den Greifbefehl und pumpt den Silikonstreifen mit Luft ab. Neben den drei „Fingern“ gibt es noch einen halbrunden Streifen aus Silikon, ähnlich einem Handballen. Das biegsame Material der Hand bietet die Möglichkeit, jedes Objekt zu greifen, unabhängig von seiner Form. So muss nicht jede Greifbewegung neu programmiert werden.

Objekte, die mehr als 500 Gramm schwer sind, überfordern die zarte Roboterhand jedoch noch. „Wir sehen den Einsatz von „Soft Hands“ eher bei Bewegungen wie dem Öffnen von Schubladen, schwere Gegenstände halten oder Objekte in der Handfläche drehen geht nicht“, sagt Deimel.

Doch gerade diese Einfachheit sorgt für einen weiteren Vorteil der „Soft Hands“ – der Preis. Bei Materialkosten von vier Euro und einem Gesamtpreis von maximal 500 Euro sind die neuen Hände sehr günstig. Bisherige Modelle kosten zwischen 10.000 und 100.000 Euro.

Zudem lassen sich innerhalb weniger Wochen weitere Modelle der „Soft Hands“ in verschiedenen Größen nachmachen. Auch ist das Material sehr robust und hitzebeständig. Tatsächlich zieht und reißt Deimel während der Präsentation an den Fingern. Es greift allerdings der Vorführeffekt: Ein Finger fällt ab. Doch auch das scheint kein Problem. Mit dem Schraubenzieher ist die Hand schnell wieder komplett.

Die jungen Forscher präsentieren noch weitere Ergebnisse. Da ist ein Roboter, der brav seinen Kopf bewegt, wenn ihm ein blauer Farbkreis auf einer Pappe vorgehalten wird. Jede Bewegung, egal wie schnell oder nach welchem Muster, wird von dem kleinen staubsaugerähnlichen Gerät verfolgt. Ein weiterer wichtiger Teil der Forschung ist, die Motorik des Menschen zu studieren. Es soll ja nicht nur bei Händen bleiben.

bir