War Jesus verheiratet? Oder hatte er eine Frau? Die Wissenschaftlerin Karen King von der Harvard Divinity School berichtete jetzt bei einem Kongress für koptische Studien in Rom von einem alten koptischen Text, in dem es einen Hinweis darauf gibt, dass Jesus zumindest in einer Beziehung gelebt haben könnte, wie die Universitätszeitung „Harvard Gazette“ am Dienstag berichtete. Der auf einem Stück Papyrus geschriebene Text in der Sprache der koptischen Christen in Ägypten lautet: „Jesus sagte zu ihnen: ‚Meine Frau.’“
„Die christliche Tradition hat lange Zeit die These aufrecht erhalten, dass Jesus nicht verheiratet war, obwohl es dafür keine verlässlichen historischen Beweise gibt“, sagte King dem Bericht zufolge. „Dieser neue Satz beweist nicht, dass Jesus verheiratet war, aber er zeigt uns, dass dieses Thema inmitten einer hitzigen Debatte um Sexualität und Heirat aufkam.“ Die 1954 geborene Historikerin King, die unter anderem in Harvard lehrt, ist Spezialistin für das frühe Christentum.
Die Herkunft des Textfragments werde geheim gehalten, hieß es in einem Bericht der „New York Times“. Sein Besitzer möchte nicht genannt werden. Wie die Zeitung weiter berichtet, sind Experten für antike Texte und koptische Sprachen der Ansicht, bei dem Dokument handele es sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht um eine Fälschung. King zufolge gibt es allerdings noch keine abschließende Bewertung über die Echtheit.
Spekulationen über Maria Magdalena
Der Fund könnte die alte Debatte über die Frage, ob Jesus verheiratet war, wieder neu entzünden. Immer wieder wurde spekuliert, ob Maria Magdalena seine Frau gewesen sein könnte. Diese Debatten gehen bereits zurück auf die ersten Jahrhunderte des Christentums. Neutestamentler sind hier jedoch skeptisch. Dies Frage habe auch heute Bedeutung, wenn es um die Begründung des Pflichtzölibats für Priester gehe, so die Zeitung.
Die Christen hätten seit jeher darüber gestritten, ob es besser sei zu heiraten oder nicht, wurde King zitiert. Aber erst mehr als ein Jahrhundert nach Jesus" Tod sei auf dessen Familienstand verwiesen worden. Das Christentum habe stets nur die Stimmen weitergetragen, die meinten, Jesus sei niemals verheiratet gewesen. Dieser Text zeige nun, „dass einige Christen anders dachten“.
Zuletzt hatte das religionsgeschichtliche Buch „Die Gottesmacher“ des britischen Autors Michael Baigent für Aufsehen gesorgt. Baigent zufolge war Jesus mit Maria Magdalena verheiratet und hatte Nachkommen. Der Autor Dan Brown hatte diese These in seinem Thriller „Sakrileg“ in Grundzügen weiter ausgebaut.
AFP/epd/alu


