Es sollte schon ein echter Weihnachtsbaum sein. Nichts gegen die Künste der Kunststoffchemiker und Plastikdesigner, die synthetische Christbäume recht echt aussehend hinbekommen. Doch beim Anfassen und erst recht beim Riechen zeigt sich, was Original und was Imitat ist. Das Original duftet würzig nach sogenannten Terpenen mit wundersamen Namen wie Phellandren, Camphen, Pinen und Limonen (Betonung auf der letzten Silbe).

Wenn der echte Baum nur nicht so schnell nadeln würde. Aber möglicherweise gibt es bald ein Antinadelspray. Nein, gemeint ist nicht Haarlack – das ist stillos. Kanadische Forscher haben herausgefunden, was für das Nadeln verantwortlich ist: Es ist das Gas Ethylen, das der Pflanze als Hormon dient. Ethylen ist schon dafür bekannt, Reifeprozesse zu beschleunigen – etwa bei Früchten. Es steuert auch das Altern von Blättern.

Also überlegten sich die Forscher um Steeve Pépin von der Université Laval in Quebec, wie man die Produktion von Ethylen in der Pflanze unterbinden oder den Stoff abfangen könnte.

Sie fanden die Substanz 1-Methylcyclopropen (1-MCP), die sie in einem Experiment in der Raumluft verteilten. 1-MCP blockiert die Andockstellen der Pflanze für das eigene Hormon, sodass der Nadelwurf zunächst einmal nicht ausgelöst wird.

Eine zweite identifizierte Substanz – das Aminoethoxyvinylglycin (AVG) – wiederum wirkt grundsätzlicher: Sie unterdrückt die Produktion des Nadelwurfhormons gänzlich.

Mit jedem dieser Stoffe lasse sich das Nadeln um 70 bis 90 Tage hinauszögern, schreibt Pépin im Fachjournal „Trees“. Er schlägt Christbaumhändlern vor, die Tannen und Fichten während des Transports in Containern mit 1-MCP zu begasen.

Im Heim könnte der Baum dann in AVG-angereichertes Wasser gestellt werden. Jetzt wird ein Unternehmen gesucht, das die Produkte vertreibt.