Ursprünglich hatten sich die Milben durch Parthenogenese (Jungfernzeugung) vermehrt. Etwa zehn Prozent aller Hornmilbenarten pflanzen sich auf diesem Weg fort. Das war nicht immer so: Die Analyse der Forscher von der TU Darmstadt und der staatlichen Universität New York in Syracuse zeigte, dass der letzte gemeinsame Vorfahre der Milben sich sexuell vermehrt hat. Erst später kamen den Spinnentieren die Geschlechter abhanden. Milben, die sich parthenogenetisch fortpflanzen, bringen fast ausschließlich Weibchen zur Welt, die sich selbst befruchten. Die seltenen Männchen sind unfruchtbar. Die Crotoniden, eine Untergruppe der Hornmilben, haben es sich offenbar noch einmal anders überlegt - obwohl sie von asexuellen Arten abstammen, vermehren sie sich geschlechtlich.

Das widerspricht dem Dollow-Gesetz, das eigentlich besagt, dass unbenutzte Merkmale mit der Zeit verschwinden. "Nachdem die Crotoniden sich über Hunderte von Millionen Jahren parthenogenetisch vermehrt haben, sollten die Gene für sexuelle Fortpflanzung eigentlich weg sein", sagt Stefan Scheu von der TU Darmstadt, der die Ergebnisse mit seinen Kollegen online im Fachblatt "PNAS" veröffentlicht hat.

Offenbar haben die Milben aber die Erbinformation für die Bildung von Geschlechtern behalten. "Möglicherweise haben diese Gene eine weitere Funktion, die den Milben half zu überleben", meint Roy Norton, Mitautor der Studie. Die seltenen Männchen zeigten, dass die Gene für Sex da wären, allerdings ohne klare Funktion.

Warum die Milbe den Sex wiederentdeckt hat, darüber können die Forscher nur spekulieren. Die betreffende Art lebt nicht wie die meisten ihrer Verwandten im Boden, sondern auf Bäumen. Ein für eine Milbe recht gefährlicher Lebensraum. Womöglich profitieren die Spinnentiere hier vom Sex, weil er einen regen Austausch von Genen ermöglicht, während parthenogenetische Arten sich sozusagen ständig selbst klonen.