Großstadt-Jungle

Wenn Wildschweine in Metropolen Unwesen treiben

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T. Schäfer und W. Schönwald

Schutz vor der Flinte des Jägers und reichlich Fressen aus der Mülltonne: Deutsche Städte bieten vielen wilden Tieren perfekte Lebensbedingungen.

Manche sind possierlich, manche bedrohlich, andere richten Schaden an, können gar gefährliche Krankheiten übertragen. Immer mehr Wildtiere auf zwei und vier Beinen fühlen sich im urbanen Lebensraum heimisch und sind nicht allerorts wohlgelitten.

Das Leben wilder Tiere in der Großstadt zeigt vom 8. November an eine neue Ausstellung im Berliner Naturkundemuseum. „Biopolis - Wildes Berlin“ thematisiert bis zum 26. Februar die Großstadt als Lebensraum und das Zusammenleben von Mensch und Tier, wie das Museum am Montag mitteilte.

Jedoch nicht nur in der Bundeshauptstadt, auch in anderen Städten Deutschlands verbreiten sich Wildtiere. Während die Berliner Schau den positiven Aspekt einer artenreichen Natur mitten in der Stadt hervorhebt, empfinden Behörden in vielen Städten die Wildtiere als Problem.

In München seien Kaninchen, Gänse, Füchse oder Marder auf dem Vormarsch und die Tendenz sei steigend, sagt Wolfgang Schreyer, Berufsfalkner und Stadtjäger. Als einen Grund nennt er das reiche Futterangebot.

„Wir sind eine Wegwerfgesellschaft“, sodass immer Essensreste zu finden seien. Über Jahrzehnte hätten deshalb Füchse die Stadt erobert.

Kassel hat ein Waschbärproblem

Auch in Hamburg nahmen Wildtiere in den vergangenen 10 bis 20 Jahren deutlich zu. In den Randbezirken treiben Hasen, Steinmarder, Füchse oder Wildschweine ihr Unwesen, wie Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung sagt. Zur Vermehrung trage das gute Nahrungsangebot durch Mülltonnen und Komposthaufen in Gärten bei.

Das nordhessische Kassel ist besonders für sein Waschbärenproblem bekannt . Auf 100 Hektar lebten 100 Bären, berichtet Hartmut Bierwirth von der Unteren Jagdbehörde. „Die Allesfresser finden ideale Lebensbedingungen“, sagt er.

Mittlerweise sei das Problem aber im Griff. „Die Menschen im Einzugsbereich haben gelernt, mit den Waschbären umzugehen“. In Frankfurt am Main leben viele Kaninchen und Füchse. „Für die Tiere ist es ein gutes Leben“, sagt Rainer Berg vom Frankfurter Grünflächenamt. Es gebe für sie in Parks und Grünanlagen ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Weil sich die Kaninchen aber so stark vermehren, werden sie mittlerweile mithilfe von Frettchen gejagt.

Experten kritisieren achtlose Lebensmittel-Entsorgung

Von den Wildtieren, die zunehmend auch die Städte im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern bevölkern, bereiten Wildschweine die größten Sorgen . Sie durchwühlen Kleingärten und öffentliche Grünanlagen, durchbrechen Zäune oder kippen Mülltonnen bei der Futtersuche um, wie die städtischen Forst- und Grünämter bestätigen.

Allein in Rostock zerstörten Wildschweine im vergangenen Jahr rund 100.000 Quadratmeter Parkflächen im Stadtgebiet, sagt der Abteilungsleiter Grünanlagen in Rostock, Jan Eisenberg.

Da Jagen und Schießen in Städten nur in extremen Fällen mit Sondergenehmigungen und hohen Sicherheitsauflagen möglich sind, empfehlen Experten präventive Maßnahmen zur Eindämmung des „Wilddrucks“ auf die Städte.

Dazu gehören das Vermeiden achtloser Lebensmittel-Entsorgung, ausreichend stabile und hohe Umzäunungen für Park-, Garten- und Friedhofsareale oder auch das Beseitigen von Rückzugsgebieten des Wilds im städtischen Bereich wie Dornenhecken oder zu dichte Büsche und Unterholz.

( dapd/db )