Mindesthaltbarkeitsdatum

Abgelaufene Lebensmittel oft noch essbar

Diskussion um das Mindesthaltbarkeitsdatum: Oft werden Nahrungsmittel viel zu früh weggeworfen, obwohl sie noch genießbar sind. Verbraucherschützer raten, auf die eigene Wahrnehmung zu vertrauen.

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Verbraucher sollten sich nicht von einem überschrittenen Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) abschrecken lassen. Denn es sei weder Verfallsdatum noch letztes Verbrauchsdatum, erläutert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.

Der abgelaufene Termin bedeutet also nicht automatisch, dass das Lebensmittel nicht mehr genießbar ist. Er gibt vielmehr an, dass das ungeöffnete Lebensmittel bei richtiger Lagerung seine spezifischen Eigenschaften wie Geschmack, Geruch und Nährstoffe mindestens bis dahin behält.

„Verbraucher sollten sich auf ihre eigenen Sinne verlassen“, rät Bernhard Burdick, Ernährungsexperte der Verbraucherzentrale. Erst wenn ein Produkt schlecht riecht, deutlich anders aussieht und schmeckt als üblich oder gar schimmelt, gehöre es in den Mülleimer, sagt sie. Das Datum sei nicht das ausschlaggebende Kriterium dafür, ob Waren weggeworfen werden müssen.

Richtige Lagerung heißt allerdings manchmal auch, dass ein Lebensmittel bei zwei bis vier Grad gekühlt werden muss. Die habe kaum jemand in seinem Kühlschrank, sagt Burdick. Daher müssen Verbraucher darauf achten, wie sie die Sachen lagern.

Wenn ein Produkt trotz richtiger Lagerung vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum verfällt, sollte der Kunde es zurück in den Laden bringen und umtauschen.

Grundsätzlich gilt Burdick zufolge die Faustformel: „Bei Tagesangaben kann es noch einige Tage länger haltbar sein. Bei Monats- oder Jahresangaben oft sogar noch mehrere Wochen.“ Ohne Mindesthaltbarkeitsdatum dürfen zum Beispiel frisches Obst und Gemüse, Zucker und Salz verkauft werden. Mit Ausnahme von Eiern ist der Verkauf auch nach Ablauf des Datums erlaubt.

Etwas anders verhält es mit Ware, die leicht verderblich ist und darum eine Aufschrift „verbrauchen bis...“ trägt. Außerdem müssen die konkreten Aufbewahrungsbedingungen angegeben werden, etwa die Temperatur. Das Produkt darf nach Ablauf des Termins nicht mehr verkauft werden und sollte dann auch nicht mehr gegessen werden. Denn das Datum benennt der Verbraucherzentrale zufolge den letzten Tag, an dem das Lebensmittel noch verzehrt werden kann, ohne dass von ihm eine unmittelbare Gesundheitsgefahr ausgeht.

Burdick hält es für sinnvoll, wenn die Hersteller das Verbrauchsdatum auf der Verpackung deutlicher – farblich etwa - hervorheben würden. So würde für den Kunden der Unterschied zum Mindesthaltbarkeitsdatum klarer. Er kritisiert zudem, dass manche sensiblen Produkte wie Räucherlachs oft nur ein Mindesthaltbarkeitsdatum tragen, obwohl sie eigentlich Verfallsdatum bräuchten. Fisch sollte aus gesundheitlichen Gründen nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum nicht mehr gegessen werden.

Hintergrund sind Diskussionen innerhalb der schwarz-gelben Koalition, den Begriff Mindesthaltbarkeitsdatum bei Lebensmitteln durch einen anderen Hinweis zu ersetzen. In Deutschland landen jährlich mehrere Millionen Tonnen noch genießbarer Lebensmittel im Müll.

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