An diesem Wochenende ist es vorbei mit dem Röntgensatelliten Rosat. Nach gut 20 Jahren im All und nachdem er fast neun Jahre lang Daten für die Wissenschaft gesammelt hat, geht es für ihn dahin zurück, wo er hergekommen ist: auf die Erde. Dass Satelliten, wenn sie ausrangiert werden, nicht einfach weiter im Weltall bleiben, verwundert dabei viele: Schließlich scheint das Universum groß genug – da muss man nun nicht unbedingt den Weltraumschrott zurück in die Atmosphäre holen. Zumal ein Niedergang größerer Objekte riskant für die Menschen sein kann. Wir beantworten für sie die Fragen rund um Satellitenabstürze.

Warum verglüht ein Satellit nicht, wenn er in die Atmosphäre eintritt?

Einige Teile verglühen bei Eintritt in die Atmosphäre tatsächlich – aber eben nicht alle. Bei Rosat schätzten Forscher, dass bis zu 30 Trümmerstücke bis auf die Erdoberfläche kommen. Das passiert regelmäßig mit Schrottfragmenten aus dem All. Es kommt bei dem Sturz auf die Erde darauf an, wie groß und wie hitzebeständig die einzelnen Teile sind. Bei Rosat war es der sehr hitzebeständige Spiegel des Röntgenteleskops, von dem das größte Risiko ausgegangen war.

Wie schwer können die Schäden durch solchen Weltraumschrott sein?

Das hängt von der Größe des herabstürzenden Teiles ab und ob es in bewohntes Gebiet fällt oder nicht. Schlägt ein Teil mit einem Gewicht von über 1,5 Tonnen auf, würde sich ein Krater von mehreren Meter Durchmesser bilden.

Warum konnte man nicht genau voraussagen, wann und wo ein Satellit runterkommt und wo die Trümmerteile hinfliegen werden?

Die Bahn von Satelliten ist oft sehr breit, bei Rosat verlief sie zwischen dem 53. nördlichen und dem 53. südlichen Breitengrad. Flugbahn und Eintrittstermin hängen zudem stark von der jeweiligen Sonnenaktivität ab. Die war zum Beispiel in den vergangenen Monaten zunächst unerwartet niedrig, in den letzten Wochen hatte sie aber wieder zugenommen.

Aber ein, zwei Tage vorher müsste man doch Prognosen treffen können.

Je näher der Absturz kommt, umso besser werden die Prognosen. Aber genauer als in einem Zeitraum von plus/minus fünf Stunden lässt sich eine Vorhersage nicht treffen. Das liegt daran, dass beispielsweise Rosat in dieser Zeit die Erde mehr als sechsmal umkreist hat, denn er braucht für eine Umrundung nur 90 Minuten. Unter dem Satelliten rotiert zudem noch die Erde.

Eintritte von Objekten in unsere Atmosphäre sind ja relativ häufig. Warum sieht man sie so gut wie nie?

Der Eintritt läuft sehr schnell ab. Fragmente von Satelliten können – obwohl sie in der Atmosphäre stark abgebremst werden – mit einer Geschwindigkeit von 400 Kilometer pro Stunde auf die Erde einstürzen. ?

Sind schon mal Menschen durch Satellitentrümmer gestorben?

Nach Angaben der Europäischen Raumfahrtagentur Esa ist das in der mehr als 50 Jahre dauernden Raumfahrtgeschichte noch nicht passiert.

Stürzen alle Satelliten auf die Erde?

In der Höhe, in der Satelliten in ihrer Umlaufbahn um die Erde kreisen, gibt es kaum noch Stickstoff- und Sauerstoffmoleküle, die sie abbremsen könnten. Aber diese wenigen Moleküle reichen aus, um Reibung zu erzeugen. Dadurch wird der Satellit langsam gebremst, er verliert an Energie und sackt in eine etwas niedrigere Umlaufbahn. Ein Satellit, der sich in einer 160 Kilometer hohen Erdumlaufbahn befindet, wird nach einem Tag auf die Erde stürzen. Ein Himmelskörper, den man in rund 300 Kilometer Höhe positioniert, wird nach etwa einem halben Jahr auf die Erde stürzen. Satelliten in einer geostationären Umlaufbahn 36?000 Kilometer Höhe bleiben mehrere Millionen Jahre im All.

Wenn man ein Satellitenteil findet, und es auch als solches erkennt, darf man es dann einsammeln?

Man darf schon, sollte es aber sicherheitshalber lieber lassen. Anfangs könnten die Brocken sehr heiß sein. Giftig sind sie aber in der Regel nicht.

Kann man sich irgendwie gegen herabfallende Rosat-Teile schützen?

Die Experten sagen, dass man das nicht kann, weil die Vorhersagen dafür viel zu ungenau sind. Vorsorgliche Schutzmaßnahmen wie Flugraumsperrungen oder Evakuierungen halten sie für vollkommen unnötig und unverhältnismäßig, weil die Wahrscheinlichkeit eines Schadens für irgendeinen Menschen irgendwo auf dem Erdball gering ist.

Welche menschengemachten Objekte fliegen im Weltraum herum?

Der Orbit ist voller Müll. Rund 16?000 Objekte treiben derzeit herum, nur rund 900 davon sind aktive Satelliten. Die Zahl der Trümmerteile ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, regelmäßig kommen sie herunter. Auch Satelliten waren in den verschiedensten Größen immer wieder darunter. 2010 wurden 400 Wiedereintritte in die Atmosphäre gezählt, die gemeinsam auf eine Masse von 60 Tonnen kamen.

Warum stürzt die Internationale Raumstation ISS nicht ab?

Die ISS umrundet die Erde in rund 400 Kilometer Höhe. Pro Tag verliert sie wegen der Reibung etwa 100 Meter an Höhe. Deshalb muss sie immer wieder mit Raketentriebwerken auf ihrer Bahn angehoben werden. Dazu sind regelmäßige Treibstofflieferungen erforderlich. Wenn man die ISS irgendwann aufgibt, so wird man sie auch nicht mehr regelmäßig auf eine höhere Umlaufbahn heben. Dann wird sie innerhalb weniger Jahre ebenfalls als Weltraumschrott auf die Erde stürzen, zum Teil verglühen – und ein paar Bruchstücke werden wohl auch auf die Erde einschlagen.

Was hat die Rosat-Mission der Wissenschaft gebracht?

Das Gemeinschaftsprojekt von Deutschland, USA und Großbritannien gilt als großer Erfolg in der Grundlagenforschung und für die Astronomie. Rosat hat dazu beigetragen, Ursprung und Entwicklung unseres Universums besser zu verstehen. Rosat war der erste Röntgensatellit, der den Himmel nach Röntgenstrahlenquellen durchmustert hat.

Mehr Informationen zum Thema: DLR-Internetseite zu Rosat