Zum zweiten Mal in drei Jahren erhält ein deutscher Physiker den Nobelpreis. Die Auszeichnung geht an den 68-jährigen Peter Grünberg vom Forschungszentrum Jülich der Helmholtz-Gemeinschaft sowie an den 69-Jährigen Franzosen Albert Fert, wie das Nobelpreiskomitee in Stockholm bekannt gab.
Die höchste Auszeichnung für Physiker ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert. Im vergangenen Jahr hatten die zwei US-Wissenschaftler John C. Mather und George F. Smoot den Preis für ihre Arbeiten über die Entstehung der Galaxis und der Sterne erhalten. Erst 2005 wurde der Münchener Physiker Theodor Hänsch mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet.
Grünberg und Fert werden für die Entdeckung eines physikalischen Effekts, des Riesen-Magneto-Widerstandes (oder GMR) ausgezeichnet. Grünberg arbeitet am Kernforschungszentrum Jülich.
Damit Festplatten möglichst viele Daten speichern können
Der GMR-Effekt, den beide Forscher unabhängig voneinander 1988 entdeckten, ermöglichte die Entwicklung neuer Leseköpfe in kleinen Computerfestplatten. Dadurch konnte die Speicherkapazität der Laufwerke nicht nur für PCs, sondern auch für Videorecorder und tragbare Musikabspielgeräte (MP3-Player) in den Gigabyte-Bereich gesteigert werden. Experten vergleichen das durch den Effekt ermöglichte Verfahren mit einem Jumbojet, der in einer Höhe von einem Meter über eine Wiese rast, während der Lesekopf wie ein Co-Pilot gezielt einzelne Blumen pflückt. Die Technik wird heute breit in der Computer-Branche angewandt.
"Peter Grünberg ist ein hervorragender Grundlagenforscher und hat ganz entscheidend zum Verständnis komplexer magnetischer Materialien beigetragen", sagt Professor Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. Gleichzeitig habe er dafür gesorgt, dass die Erfindung schnell in eine heute marktbeherrschende Innovation umgesetzt wird. Der Forscher legte mit seiner Arbeit auch die Grundlagen für das neue Forschungsfeld Spintronik, das den quantenmechanischen Spin der Elektronen für Anwendungen in Mikro- und Nanoelektronik untersucht. "Grünberg stellt die richtigen Fragen", so Mlynek.
Peter Grünberg wurde 1939 in Pilsen (jetzt Tschechien) geboren. Nach seinem Studium und der Promotion in Darmstadt und einem dreijährigen Forschungsaufenthalt in Kanada arbeitet er seit 1972 als Wissenschaftler beim Forschungszentrum Jülich, wo er auch nach seiner Emeritierung weiter forscht. Für seine Arbeit hat er bereits mehrere international renommierte Preise erhalten: 1998 wurde er mit dem Zukunftspreis des Bundespräsidenten ausgezeichnet und 2006 zum "Europäischen Erfinder des Jahres" gekürt. 2007 erhielt er die Stern-Gerlach-Medaille, den israelischen Wolf-Preis und den Japan-Preis in der Kategorie "Innovationen durch Grundlagenforschung", der mit 300.000 Euro dotiert ist.
Am Montag waren bereits die diesjährigen Preisträger des Medizin-Nobelpreises verkündet worden. Er geht an zwei US-Forscher und einen Briten, die den „genetischen Knock-out“ bei Mäusen entdeckten.
Erfinder des Dynamits hat die Auszeichnung ins Leben gerufen
Bis zum 12. Oktober werden die Preisempfänger für Chemie, Literatur und Frieden bekannt gegeben. Am 15. Oktober wird der Träger des erst später gestifteten Wirtschaftsnobelpreises bestimmt. Diese Auszeichnung wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank im Einvernehmen mit der Nobel-Stiftung geschaffen.
Hinter den wertvollen Auszeichnungen steht der Dynamit-Erfinder Alfred Nobel. Ein Jahr vor seinem Tod 1896 verfügte der schwedische Industrielle, dass die Zinsen seines enormen Vermögens jedes Jahr „in Form eines Preises an diejenigen gehen, die im vergangenen Jahr der Menschheit die größten Dienste erwiesen haben“. Bis es soweit war, galt es jedoch noch einigen Ärger mit Mitgliedern der Familie auszustehen.
Nobels Testament sah detailliert vor, dass die Preise für Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin und Literatur verliehen werden. Außerdem sollte alljährlich jemand ausgezeichnet werden, der sich besonders für die Verbrüderung der Völker, die Abschaffung oder Reduzierung von Armeen sowie den Frieden eingesetzt hat. Der Nobelpreis für Wirtschaft wurde erst 1968 ins Leben gerufen.
Die Physik-Nobelpreisträger seit 1997
2006: John C. Mather und George F. Smoot (beide USA) für den Nachweis winziger Temperaturschwankungen in der so genannten kosmischen Hintergrundstrahlung, dem „Echo des Urknalls“.
2005: Roy J. Glauber (USA) für Grundlagen der Quantenoptik sowie John L. Hall (USA) und Theodor W. Hänsch (Deutschland) für die Entwicklung einer Laser-basierten Präzisionsmesstechnik für Lichtfrequenzen.
2004: David J. Gross, H. David Politzer und Frank Wilczek (alle USA) für Erkenntnisse zur Kraft zwischen den kleinsten Materieteilchen im Atomkern, den Quarks.
2003: Alexej Abrikosow (USA und Russland), Vitali Ginsburg (Russland) Anthony Leggett (USA und Großbritannien) für bahnbrechende Arbeiten zu Supraleitern und Supraflüssigleiten.
2002: Raymond Davis (USA), Masatoshi Koshiba (Japan) und Riccardo Giacconi (USA) für die Entdeckung kosmischer Röntgenstrahlen und Neutrinos.
2001: Wolfgang Ketterle (Deutschland), Eric A. Cornell (USA) und Carl E. Wieman (USA) für die Erschaffung des Bose-Einstein- Kondensats, der fünften Erscheinungsform der Materie neben fest, flüssig, gasförmig und dem Plasma.
2000: Herbert Kroemer (Deutschland), Zhores Alferow (Russland) und Jack Kilby (USA) für die Herstellung integrierter Schaltkreise und des Halbleiter-Lasers.
1999: Gerardus 't Hooft und Martinus J.G. Veltman (beide Niederlande) für ihre Beiträge zur Theorie der elektroschwachen Wechselwirkung.
1998: Robert B. Laughlin (USA), Horst L. Störmer (Deutschland) und Daniel C. Tsui (USA) für die Entdeckung einer neuen Art von Quantenflüssigkeit.
1997: Steven Chu (USA), William C. Phillips (USA), Claude Cohen- Tannoudji (Frankreich) für neue Methoden zum Kühlen und Einfangen von Atomen mit Laserstrahlen.
Der Physik-Nobelpreis wird seit 1901 vergeben. Die erste Auszeichnung erhielt der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen für die Entdeckung der „X-Strahlen“, der später nach ihm benannten Röntgenstrahlen. Die Preisträger der vergangenen zehn Jahre waren:
dpa/ap/afp/oc


