Ein Tropfen, so trüb, wie von einer muffigen Schlammpfütze abgeschöpft. In diesem Tropfen steckt alle Klugheit dieser Welt. Die Substanz, voller Bakterienresten und Bodenschmutz, haben zwei amerikanische Wissenschaftlerinnen an Labormäuse verfüttert.

Sie tauchten Brotkrumen in die Drecksbrühe – und gaben sie drei Wochen lang ihren Versuchstieren zu fressen. Die Ergebnisse stellten sie jetzt ihren erstaunten Forscherkollegen auf dem „110. General Meeting of the American Society for Microbiology“ vor, das in San Diego tagte.

Den Forscherinnen Dorothy Matthews und Susan Jenks vom „The Sage College“ in Troy war die Mikrobe Mycobacterium vaccae schon früher als interessantes Versuchstier aufgefallen. Die Bakterien sind für den Menschen harmlos, sie leben überall in der Natur, im Boden, im Grundwasser, auf Kuhwiesen und in Jaucheseen.

Frühere Versuche hatten gezeigt, dass die Bakterien – in abgetöteter Form – das Immunsystem des Menschen stark machen. Spritzt man sie obendrein in kleinen Dosen Labormäusen unter die Haut, bringen sie zusätzliche Nervenzellen im Kopf der Tiere zum Wachsen.

Die Mäuse reagieren mit bester Laune und sind weniger ängstlich als ihre Käfiggenossen: Ihr Hormonhaushalt reagiert prompt mit einem Anstieg des Serotoninspiegels im Gehirn. Der Botenstoff ist bekannt dafür, alle höheren Lebewesen glücklicher und zufrieden zu stimmen.

Was die Glücks-Mikroben in hohen Dosen ausrichten können, probierten die Forscherinnen nun in ihrer jüngsten Testreihe aus. Sie töteten die Bakterien ab und gaben sie zehn von zwanzig Mäusen zu fressen.

Anschließend ließen sie die Tiere durch einen Irrgarten laufen. Fanden sie den Weg durchs Labyrinth, bekamen sie eine Belohnung, genauso wie ihre Artgenossen, die sich von Brot ohne Bakterienbrühe ernähren mussten.

Tatsächlich brachten die Versuche mit Mäusen hervorragende Ergebnisse. Nach der täglichen Bakterienkur fanden die Tiere doppelt so schnell durch den Irrgarten und benahmen sich beim Orientierungslauf viel mutiger.

Nach einer Pause von drei Wochen, in denen alle Tiere normales Futter bekamen, wiederholten die Forscherinnen den Versuch: Noch immer hatten die Mycobacterium-Mäuse einen zeitlichen Vorsprung, allerdings war er nicht mehr groß. Offenbar hält sich die Wirkung nur vorübergehend.

Matthews und Jenks sind überzeugt, dass der Effekt sich auch beim Menschen bemerkbar macht, erklärten sie in San Diego. „Vermutlich spielen die Bakterien eine Rolle beim Lernen und Angstverhalten von Säugetieren“. Die frische Luft, die das Gehirn anregt, der Waldspaziergang, der die Nerven beruhigt – all das könnten Belege dafür sein, dass nicht nur Sauerstoff und sattes Grün gut für den Kopf sind, sondern auch die Mikroben, die der Mensch mit der Natur inhaliert.

Daraus könne man die Empfehlung ableiten, Schulunterricht verstärkt im Freien abzuhalten, sagten Dorothy Matthews und Susan Jenks in San Diego. Der Begriff vom guten „Lernklima“ bekäme damit ein ganz neues Gewicht.

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